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Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) unter Allergenfreiheit im Hochgebirge


Viel versprechender Therapieansatz bei allergischem Asthma bronchiale, allergischer Rhinitis sowie atopischer Dermatitis


DavosDavos, Schweiz (12. März 2009) - Die mittel- und langfristig günstigen Effekte mehrwöchiger Allergenenkarenz in Hochgebirgslagen der europäischen Alpen bestehen in der Regel ab 1.600 m – häufig im Rahmen stationär oder ambulant ärztlich geleiteter Rehabilitationsmaßnahmen. Jahrzehntelange klinische Erfahrungen an der Hoch-gebirgsklinik Davos konnten inzwischen durch Studien bestätigt werden, die eine deutliche Abnahme bekannter Entzündungsmarker allergischer Atemwegs- und Hauterkrankungen belegen. Denn in dieser Höhenlage herrschen eine vollständige Hausstaubmilbenfreiheit, deutlich niedrigere Konzentrationen an saisonalen Allergenen wie Pollen und Schimmelpilzen sowie eine stark verkürzte Blühzeit, so Dr. Hans-Joachim Mansfeld, Co-Chefarzt der Allergieklinik – Zentrum für Kinder und Jugendliche – an der Hochgebirgsklinik Davos.

 

Allergene als Auslöser spielen bei einer großen Zahl asthma- und neurodermi-tiskranker Kinder und Jugendlicher eine entscheidende Rolle. Für wohnortnahe und -ferne Diagnostik und Therapie ist bei Asthma- und Neurodermitis-Patienten gerade im Kindes- und Jugendalter eine möglichst allergenfreie bzw. zumindest allergenarme Umgebung anzustreben, da sie eine optimale Effizienz therapeutischer Maßnahmen wesentlich unterstützt. Unter wohnortnahen Klimaverhältnissen ist häufig eine langfristig ausreichende Besserung nicht zu erreichen. In diesen Fällen kann die spezifische Immuntherapie (SIT) vor allem bei allergischen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege eine erfolgversprechende kausale Behandlungsmassnahme darstellen.


Hintergrundinformationen

Wichtige Allergene wie Hausstaubmilben, Pollen und Schimmelpilze sind bekannt als relevante Auslöser des allergischen Schnupfens und des allergischen Asthma bronchiale. In den letzten Jahren konnte immer häufiger auch eine klinische Re-levanz für Entstehung und Fortbestehen des atopischen Ekzems (Neurodermitis) gezeigt werden. Unter den Innenraumallergenen stellt die Hausstaubmilbe den mit Abstand wichtigsten Krankheitsauslöser dar.


Spezifische Immuntherapie bei Atemwegserkrankungen (Hyposensibilisierung)

Die spezifische Immuntherapie ist bei allergischem Schnupfen und allergischem Asthma wirksam und klinisch effektiv. Nach aktueller Datenlage besteht auch über das Ende der Behandlungsdauer hinaus eine im Allgemeinen anhaltende Symptom- und Medikamentenabnahme. Die Wirksamkeit ist bei Hausstaubmilben- und Pollenallergie durch zahlreiche, bei Tiergeepithelien und Schimmelpilzen durch wenige Studien belegt. Die Höhe der verabreichten Allergendosis ist wesentlich für die optimale klinische Wirksamkeit.


Spezifische Immuntherapie (SIT) bei atopischem Ekzem

Die Effizienz der spezifischen Immuntherapie ist bei allergischem Asthma bron-chiale sowie allergischer Rhinitis sehr gut dokumentiert – beim atopischen Ekzem („Neurodermitis“) wird ihr Stellenwert weiterhin diskutiert und unterschiedlich be-urteilt. Neuere Studien weisen jedoch zunehmend häufig auf eine Verbesserung auch des atopischen Ekzems durch eine Hyposensibilisierung mit klinisch relevanten Allergenen hin mit Abnahme des Schweregrades der Erkrankung.

 

Die Ergebnisse erwähnter aktueller Untersuchungen ergeben hoffnungsvolle Ausblicke auf zukünftige Therapieoptionen beim atopischen Ekzem. Mit der spe-zifischen Immuntherapie stünde erstmals eine ursächliche Behandlung zur Ver-fügung, durch welche die bei einem Großteil der Neurodermitiker ebenfalls be-stehenden Allergien der oberen Atemwege günstig beeinflusst werden könnten. Die praktische Durchführung der spezifischen Immuntherapie geht in der Regel von einer allmählichen Dosissteigerungs- und sich einer über mehrere Jahre anschließenden Erhaltungsphase mit individuell unterschiedlicher Erhaltungsdosis aus. Die Allergenextrakte werden in der Regel unter die Haut injiziert. Die zeitliche Abfolge der Injektionen ist unterschiedlich. Neben der seit Jahrzehnten etablierten vorsaisonalen und ganzjährigen Therapie werden in jüngerer Zeit zunehmend häufig Kurzzeitschemata erprobt, bei denen die Behandlung, nach Erreichen der individuellen Höchstdosis, beendet wird. Als höchst effizient, nebenwirkungsarm und angesichts eines eher geringen organisatorischen Aufwandes im Interesse des Patienten liegend, erweist sich die Cluster-Therapie, in deren Rahmen 2-3 Injektionen je Behandlungstag in wöchentlichen Abständen verabreicht werden.

 

SIT unter Allergenkarenz

Eigene Erfahrungen unter den besonders geeigneten Bedingungen des hinsichtlich Hausstaubmilbe absolut allergenfreien und hinsichtlich Pollen und Schimmelpilz extrem allergenarmen Davoser Hochgebirgsklimas bestätigen die Sicherheit und Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie. Die Einleitung einer spezifischen Immuntherapie mit Hausstaubmilben-Extrakten im Davoser Hochgebirgsklima bietet darüber hinaus entscheidende Vorteile: Durch stationäre oder engmaschige ambulante Betreuung lässt sich eine optimale Ausgangssituation für den Therapiebeginn herstellen. Die hausstaubmilbenfreie Umgebung trägt zu komplikationsloser Durchführung der Immuntherapie bei und schließlich wird die Sicherheit der Behandlung in einem geschützten klinischen Rahmen – gerade auch bei der Durchführung der Therapie bei Kindern – garantiert. Somit lassen die Auswertungen vorliegender Studien sowie eigene Erfahrungen auf die spezifische Immuntherapie als eine realistische Behandlungsoption gerade bei jüngeren Neurodermitikern hoffen.

 

 

Link

 

Hochgebirgsklinik Davos im Internet: www.hochgebirgsklinik.ch/

 


 

Quelle: Presseinformation der Hochgebirgsklinik Davos vom 12.03.2009 (Media Concept) (tB).