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23 | 11 | 2017
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DavosNachhaltige Therapie chronischer Erkrankungen an der Hochgebirgsklinik Davos

 

Davos, Schweiz (25. September 2010) - Gerade Krankenhäuser müssen sich auf die veränderten Bedingungen am Gesundheitsmarkt einstellen. Stefan Schena von der ÖKK Kranken- und Unfallversicherung AG, Landquart, betrachtet diesen Markt als einen wichtigen Teil der Wirtschaft und als Wachstumstreiber, und betonte beim diesjährigen Pressesymposium der Hochgebirgsklinik Davos die daraus resultierenden Chancen und Risiken. Dr. Rüdiger Nübling von der Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen, Karlsruhe, zog mit seiner Kosten-Nutzenbewertung bei der Behandlung chronischer Erkrankungen den Bogen zur Hochgebirgsklinik Davos. Warum die Fachklinik in diesen turbulenten Zeiten gut aufgestellt ist, zeigte zum einen der Vortrag von PD Dr. med. Roger Lauener über das Projekt Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) der Kühne-Stiftung, mit dem Erforschung und Edukation chronischer Erkrankungen gezielt gefördert werden. Zum anderen stützten die Ergebnisse der Davoser Rehabilitationsstudien (DRS I + II) und erste Resultate der aktuellen Davoser-Outcome-Studie (DOS), vorgestellt von Dr. Udo Kaiser, Leiter Psychosoziale Rehabilitation, Qualitätsmanagement und Marketing der Hochgebirgsklinik Davos, den Eindruck, dass die Hochgebirgsklinik auf einem guten Weg und gerüstet für die Zukunft ist.

 

 

Medizinische Rehabilitation immer wichtiger

 

Bei der Gestaltung des Gesundheitswesens der Zukunft mit seinen enormen Herausforderungen durch die demografische Entwicklung wird der medizinischen Rehabilitation eine besondere Rolle zuteil. Ihre Bedeutung wird spürbar zunehmen und für sie wird, vor allem im Vergleich zur ambulanten und stationären Akutversorgung, ein deutlich höherer Anteil des verfügbaren Gesundheitsbudgets zur Verfügung gestellt werden müssen, stellte Dr. Rüdiger Nübling, Geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen, Karlsruhe, fest. Dabei wird es immer wichtiger werden, den Reha-Bedarf möglichst frühzeitig zu erkennen, um Chronifizierungsprozesse und damit Fehlbehandlungen bzw. -allokationen zu vermeiden. So gilt zum Beispiel für die psychosomatische Rehabilitation eine mittlere Chronifizierungsdauer von etwa sieben Jahren. Ähnliche Chronifizierungsraten lassen sich auch für die körperlichen, u. a. auch für pneumologische und dermatologische Erkrankungen zeigen.

 

Darüber hinaus ist vor allem auch unter gesundheitsökonomischer Perspektive zu fordern, dass die Rehabilitation hinsichtlich ihrer finanziellen Möglichkeiten stärker gewichtet werden müsste, so Nübling. Aus den inzwischen in nicht unbeträchtlichem Ausmaß vorhandenen Ergebnissen der Rehabilitationsforschung kann je nach Indikationsbereich ein Return on Investment von bis zu 4,0 angenommen werden. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass bei einem gezielteren Einsatz von Prävention und Rehabilitation noch weitere beträchtliche gesundheitsökonomische Reserven aktiviert werden können, gab Dr. Nübling einen Ausblick in die Zukunft.

 

 

Allergien und Lungenerkrankungen sind Volkskrankheiten

 

Zu den großen Volkskrankheiten mit weiter steigender Bedeutung zählen Atemwegserkrankungen und Allergien. Sie gehen mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher und verursachen in Deutschland durch die massiven Krankheitsfolgen alleine für das Asthma bronchiale und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) jährlich Kosten von über acht Milliarden Euro. Einige Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf, so Dr. Udo Kaiser, Davos: Drei Milliarden Euro im Jahr gegeben die Berufsgenossenschaften für Patienten mit berufsbedingtem Kontaktekzem aus, 25 Milliarden Euro an Kosten verursachen Allergien jedes Jahr in der EU. Allein aufgrund von allergischem Schnupfen fehlen Arbeitnehmer in Deutschland eine Million Arbeitstage.

 

Zahlreiche Studien belegen laut Dr. Kaiser, dass sich medizinische Rehabilitation lohnt. Die jüngst veröffentliche Prognos-Studie (Steiner et al. 2009) belegt, dass für jeden in der medizinischen Rehabilitation investierten Euro die Gesellschaft schon heute fünf Euro zurück erhält. Der Nettonutzen könnte sich bis 2025 auf 23 Milliarden Euro vervierfachen.

 

 

Rehabilitation in Davos wirkt nachhaltig

 

Dass eine heilklimatische Behandlung von Allergien, Dermatosen und Lungenerkrankungen an der Hochgebirgsklinik Davos den aktuellen Anforderungen eines sich rasant verändernden Gesundheitswesen mit neuen Altersstrukturen und Krankheitsentitäten besonders gerecht wird, zeigen die beiden Davoser-Reha-Studien DRS I + II sowie erste Zwischenergebnisse der aktuellen Davoser-Outcome-Studie (DOS).

 

In den bisher vorliegenden Studien DRS I + II wurden auf der Basis von Patientenangaben folgende Parameter jeweils für einen Bezugszeitraum von 6 Monaten erfasst: Anzahl der Arztbesuche, Anzahl Krankenhausaufenthalte, Anzahl der Krankenhaustage, Anzahl der Notarztbehandlungen, Anzahl der notärztlichen Krankenhausaufenthalte, Anzahl der Behandlungen auf der Intensivstation. Zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme ergeben sich sowohl aus Patientensicht, als auch aus Sicht der Klinikärzte beim Großteil der Befragten ausgeprägte Einschränkungen im somatischen, funktionalen und psychosozialen Bereich. Während des Klinikaufenthaltes nahmen die Befragten an einem auf ihre Bedürfnisse individuell zugeschnittenen interdisziplinären Rehabilitationsprogramm teil. Zum Zeitpunkt der Entlassung geben rund 90 % der Befragten der DRS I an, dass sie mit den unterschiedlichen Teilbereichen des Programms äußerst zufrieden waren.

 

Aus Patientensicht ergeben sich im Vergleich zwischen Aufnahme und Entlassung deutliche und signifikante Verbesserungen bei der Symptomatik (Atemnot, Husten), Auslösern und Symptomen (Anstrengung, Schlaf, Atemnot, Husten), der Atemwegserkrankung, der körperlichen und beruflichen Leistungsfähigkeit, der Krankheitsbewältigung und psychischen Stabilität sowie dem Gesundheitszustand insgesamt. Ebenfalls verbessert hatten sich das Krankheitsmanagement sowie das Vorhandensein von Ängsten, Depression und die Einschätzung der Zukunftsperspektiven.

 

Die behandelnden Klinikärzte berichteten ebenfalls Verbesserungen auf allen Zielebenen der Rehabilitation, wie Lungenfunktion, Allgemeinbefinden, körperliche Leistungsfähigkeit, Wissen über Krankheit, Psychische Verfassung, allgemeine Leistungsfähigkeit, Atemwegserkrankung, Medikamentenbedarf, Coping, berufliche Leistungsfähigkeit, Arbeitsfähigkeit, Compliance und Prognose.

 

Noch interessanter ist die Bewertung durch die befragten Hausärzte sechs nach Entlassung der Patienten. Sie gaben an, dass die insgesamt erzielten Verbesserungen beim überwiegenden Teil der Patienten stabil geblieben sind und in Teilbereichen nochmals zugenommen haben. Vor dem Hintergrund dieser Erfolge ist nachvollziehbar, dass 93-99 % der Hausärzte die Rehabilitationsmaßnahme sehr positiv bewerten.

 

Die Ergebnisse der noch umfangreicheren DRS II bestätigen die Ergebnisse der ersten Untersuchung und gehen sogar noch weiter: Selbst fünf Jahre nach dem Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik Davos zeigen sich noch positive Auswirkungen durch geringere Inanspruchnahme stationärer und ambulanter wohnortnaher Einrichtungen, berichtete Dr. Udo Kaiser. Doch auf solchen Lorbeeren ruht man sich in der Hochgebirgsklinik Davos nicht aus, sondern nimmt sie als Ansporn, sich noch weiter zu verbessern. Um diese weitere Optimierung auch nachvollziehen zu können und den Bedarf und Nutzen rehabilitativer Maßnahmen zu verdeutlichen, wird zurzeit die Davoser-Outcome-Studie (DOS) durchgeführt. Die Davoser-Outcome-Studie soll vorwiegend kurz-, mittel- und langfristige Effekte des Klinikaufenthaltes in Davos unter Berücksichtigung der Qualität der vor- und nachgelagerten Versorgung nachweisen. Mit der erweiterten Forschungsmethodik um eine Kontrollgruppe sollen die Ergebnisse der Vorstudien (DRS I + II) überprüft und aktualisiert werden. Dr. Kaiser stellte nun erste Zwischenergebnisse vor.

 

Zum Zeitpunkt der Entlassung berichten rund 60 % der Befragten, dass ihre Probleme und Beschwerden entweder gar nicht mehr (2,7 %) oder nur noch in geringem Ausmaß vorhanden sind (55,6 %). Mehr als die Hälfte (51,1 %) fühlen sich deutlich besser und 42,0 % etwas besser. Dementsprechend geben 98,4 % an, dass der Klinikaufenthalt sehr geholfen habe.

 

Neben den spezifischen Behandlungsangeboten wurde auch nach dem Nutzen unspezifischer Einflussgrößen gefragt. Aus Sicht der Betroffenen haben neben der gesamten medizinischen Behandlung (83,8 %) insbesondere Entlastungsaspekte wie Ausspannen vom Alltag (88,6 %), Herauskommen aus der täglichen Arbeit (91,2 %), Ruhe des Ortes und der Umgebung (93,5 %) sowie klimatische Aspekte (Luftveränderung (95,7 %), Hochgebirgsklima (94,1 %) einen hohen Zusatznutzen. Gerade Letzteres untermauert den Nutzen der klimatischen Bedingungen des Davoser Hochgebirgsklimas.

 

 

CK-CARE: Forschen für eine gesündere Zukunft

 

Damit Allergien in Zukunft noch effektiver behandelt werden können, sind Forschung und Weiterbildung unverzichtbar. Aufgrund seiner einzigartigen Voraussetzungen hat die Kühne Stiftung Davos als Hauptquartier für das Allergieforschungs- und Edukationsprojekt CK-CARE (Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education) ausgewählt. PD Dr. Roger Lauener, Chefarzt der Allergieklinik und Leiter von CK-CARE, umschrieb die fünf Forschungsschwerpunkte:

 

1. Immun-Epidemiologie allergischer Erkrankungen im Kindesalter (Leitung: PD Dr. med. Roger Lauener, Davos)

In diesem Projekt sollen protektive Umweltfaktoren, wie sie bei Kindern, die in ländlicher Umgebung aufwachsen, vermutet werden, genauer untersucht und ihre Einflüsse auf das Immunsystem charakterisiert werden. Daraus sind therapeutische und präventive Optionen zu erwarten.

2. Therapie und Rehabilitation (Leitung: PD Dr. med. Roger Lauener, Davos)

Die langfristigen Wirkungen von klimatherapeutischen Effekten sowie Maßnahmen der Rehabilitation und Prävention sollen an der Hochgebirgsklinik Davos und in der Nachbeobachtung untersucht werden. Es werden Parameter der Therapiekontrolle entwickelt, die möglichst praxisnah und wohnortnah eingesetzt werden können.

3. Innovative Diagnostik und Therapie (Leitung: Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, München)

Es werden Wege zu Frühdiagnostik und prädiktiver Testung sowie zur besseren Objektivierbarkeit und Quantifizierung allergiediagnostischer Maßnahmen erarbeitet. Molekulare Techniken werden neue Ansätze zur allergen-spezifischen Immuntherapie ermöglichen.

4. Umwelt, Allergene und Exposition (Leitung: Prof. Dr. med. Heidrun Behrendt, München)

Durch die Erkennung, Charakterisierung und Messung von Allergenen und Allergie-fördernden Umweltfaktoren – unter Berücksichtigung des Klimawandels – sind unmittelbare Maßnahmen zur Prävention zu erwarten.

5. Mechanismen schwerer Allergien (Leitung: Prof. Dr. med. Cezmi Akdis, Davos)

Es werden neue Schlüsselmoleküle gesucht, die das Verständnis der Entstehung schwerer Allergien verbessern helfen und die Entwicklung neuer medikamentöser Ansätze in der Therapie schwerer Formen von Asthma und Neurodermitis erlauben.

 

Edukation ist die zweite wichtige Aktivität von CK-CARE mit dem Ziel, den Stand des Wissens und neue Erkenntnisse der Forschung der Öffentlichkeit sowie den behandelnden Ärzten und den Betroffenen unmittelbar zur Verfügung zu stellen. Vermittelt werden sollen nicht nur Fakten, wissenschaftliche Methodik und Denkkultur, sondern auch Verständnis für die Betroffenen. Die Edukationsprogramme erstrecken sich auf die Ausbildung der Studenten, die Weiterbildung junger Ärzte und Wissenschaftler, fachübergreifende Fortbildungsmaßnahmen (Kurse, Symposien und Kongresse) sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Zusätzlich wird mit dem Global Allergy Forum in Davos (GAF Davos) die interdisziplinäre Begegnung von Meinungsführern im Sinne eines Strategietreffens ermöglicht.

 

 

Die Krankenkassen im Spannungsfeld von Politik, Markt und Branche

 

Auch die Krankenkassen müssen sich aufgrund des strukturellen Wandel neu orientieren. Am Beispiel Schweiz zeigte Stefan Schena, ÖKK, wo derzeit die Chancen und Risiken im Gesundheitswesen liegen. Die Gesundheitsleistungen werden für 2010 auf gut 63 Mrd. Franken geschätzt, was rund 11 % des Bruttoinlandproduktes entspricht, wobei die Grundversicherung gerade einmal 25 Mrd. Franken ausmacht, Tendenz steigend. 11 % der Beschäftigten arbeiten im Bereich „Gesundheit“, was über 300.000 Vollzeitstellen entspricht oder einer halben Million Menschen Arbeit bietet, Tendenz steigend. Das Gesundheitswesen bildet einen wichtigen Teil der Schweizer Wirtschaft und gehört zu den Wachstumstreibern. Zu den positiven Effekten zählen Innovationsförderung und Beschäftigungszunahme, zu den negativen Aspekten zählt die Kostensteigerung, insbesondere aus Sicht der nicht freiwilligen Grundversicherung. Das Gesundheitswesen kennt eine Vielzahl von Akteuren, die teils unterschiedlichste Ziele verfolgen. Das damit verbundene Konfliktpotenzial erschwert umfassende Lösungen. Die enormen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Überalterung, Mangel an qualifiziertem Personal im Gesundheitswesen, neue Krankheitsbilder (Fettleibigkeit, Depression, Stress), medizinischer Fortschritt (Diagnostik, Medikation), Solidaritätsverlust zwischen den Generationen und zwischen Gesunden und Kranken und eine zunehmende Konsumhaltung („Wenn schon Prämien, dann Konsum ...“) führen allesamt potenziell zu einer Erhöhung der Leistungskosten. Dem begegnet die ÖKK mit einer konsequenten Nischenpolitik, erläuterte Schena. Dazu gehören die Betonung der strategischen Erfolgspositionen (Marke / Positionierung, Kundennähe, Flexibilität), die Beschränkung der Marktbearbeitung auf ausgewählte Gebiete, die Fokussierung auf klar definierte Kernzielgruppen innerhalb der Gesamtmärkte Privatkunden / Unternehmenskunden, die Gewährleistung einer hohen Angebots- und Dienstleistungsqualität, d. h. Leistungspolitik anstatt Preispolitik sowie die Einhaltung der Kernwerte – clever, unkompliziert, nachhaltig, fair.

 

 

Download

 

 

  • PD Dr. Roger Lauener: Christine Kühne - Center for Allergy Research and Education: Stand der Projekte"
    Folien: dias-lauener.pdf dias-lauener.pdf (3.87 MB)

 

  • Dr. Rüdiger Nübling: "Kosten- und Nutzenbewertungen bei der Behandlung chronischer Erkrankungen - Möglichkeiten einer effizienteren Gestaltung der Gesundheitsversorgung"
    Folien: dias-nuebling.pdf dias-nuebling.pdf (1.06 MB)

 

 

 


Quelle: Pressekonferenz der Hochgebirgsklinik Davos zum Thema „Versorgung & Rehabilitation von Patienten mit chronischen Atemwegs- und Hauterkrankungen: aktueller Stand und Ausblick in die Zukunft“ am 25.09.2010 in Davos (Media Concept) (tB).

 
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