Home Anästhesie Greifswalder Wissenschaftler holen gleich zwei Preise beim Deutschen Anästhesiecongress (DAC) in Leipzig: Klarheit nach der OP und Kommunikation im Notfall
23 | 10 | 2017
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Abb.: In diesem Testfall müsste der Patient so schnell er dazu nach der OP in der Lage ist im Viererzahlenfeld die Taste 2 drücken. Photo: UMG/Taras UsichenkoGreifswalder Wissenschaftler holen gleich zwei Preise beim Deutschen Anästhesiecongress (DAC) in Leipzig

Klarheit nach der OP und Kommunikation im Notfall

Greifswald (15. April 2016) - Bei der 63. Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vom 14. bis 16. April in Leipzig konnten Greifswalder Wissenschaftler gestern Abend bei der feierlichen Auftaktveranstaltung ein Zeichen setzen. Mit innovativen Forschungsprojekten gewannen sie gleich zwei der 15 zu vergebenen renommierten Preise.

Prof. Taras Usichenko hat ein Verfahren zur Beurteilung der Entlassungsfähigkeit der Patienten nach einer OP entwickelt und erhält dafür den mit 2.500 Euro dotierten „Safe-Anesthesia-Award“ der Deutschen Stiftung für Anästhesiologie. Das Lernprojekt, bei dem Medizinstudierende und angehende Pflegekräfte in einem Simulationskurs verschiedene Notfallszenarien durchlaufen, wurde mit dem „Thieme Teaching Award“ ausgezeichnet, für den ebenfalls 2.500 Euro ausgereicht werden. Dieser Preis geht an das Team des Stellvertretenden Direktors der Klinik für Anästhesiologie, Prof. Konrad Meissner (Foto), und die Leiterin der Beruflichen Schule an der Universitätsmedizin Greifswald, Christiane Reppenhagen. „Wir sind sehr stolz auf unsere Wissenschaftler“, machte Klinikdirektor, Prof. Klaus Hahnenkamp deutlich. „Mit zwei Preisen, die für überzeugende und nachhaltige Projekte stehen, konnten wir ein deutliches Zeichen für eine moderne medizinische Forschung am Wissenschaftsstandort Greifswald setzen.“

Wie fit bin ich nach der OP?

Viele Patienten sind nach einem operativen Eingriff nicht gleich wieder bei vollem Bewusstsein. Die etablierten Verfahren zur Beurteilung der Entlassungsfähigkeit der Patienten im klinischen Alltag nach ambulanten Operationen ermöglichen bislang nur eine eingeschränkte Beurteilung der psychomotorischen und kognitiven Erholung des Patienten. Greifswalder Anästhesisten unter der Leitung von Prof. Taras Usichenko haben einen Smartphone-basierten Test zur Bestimmung psychomotorischer Veränderungen entwickelt und testen diesen gemeinsam in einer klinischen Studie mit der Universitätsmedizin Dresden. Bei dem Verfahren handelt es sich um einen sogenannten 4-Auswahlreaktionszeit-Test, wobei dem Patienten auf dem Bildschirm eines Smartphones vier Mal eine Ziffer von 1 bis 4 groß angezeigt wird (s. Foto). Daraufhin soll der Patient schnellstmöglich das mit der angezeigten Ziffer übereinstimmende Feld im Display berühren. Die Reaktionszeit gibt Aufschluss über die psychomotorische Erholung des Patienten nach der Operation (
https://github.com/lehmannro/4crt ).

Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen

Ärzte und Pflegekräfte tragen im Klinikalltag gemeinsam Sorge für das Wohl ihrer Patienten. In der Ausbildung beider Berufsgruppen spielt die interprofessionelle Zusammenarbeit jedoch kaum eine Rolle. Dabei ist es insbesondere in Notfällen wichtig, dass jeder im Behandlungsteam weiß, was er zu tun hat und Anweisungen klar kommuniziert werden. Ein Projekt der Universitätsmedizin Greifswald trägt dieser Notwendigkeit Rechnung. Medizinstudierende und angehende Pflegekräfte lernen in einem Simulationskurs verschiedene Notfallszenarien kennen und lernen, wie sie Patienten gemeinsam schnell und gut versorgen.

Die Tatsache, dass ein großer Teil der vorkommenden Behandlungsfehler auf Kommunikationsprobleme im Team zurückzuführen ist, hat den Ausschlag für das nun ausgezeichnete Projekt gegeben. Erstmals wird in der gemeinsamen Ausbildung auch eine Videodokumentation zur Auswertung eingesetzt. In dem zweitägigen Kurs lernen die Teilnehmer zum einen für ihre Ausbildung notwendige fachliche Inhalte, zum anderen Techniken der Kommunikation und der Teamarbeit. Dafür üben sie in einem nachempfundenen Patientenzimmer an medizinischen Übungspuppen, wie sie beispielsweise im Fall eines allergischen Schocks reagieren oder bei einer Unterzuckerung vorgehen müssen. Bislang haben bereits 120 Medizinstudierende und 120 Auszubildende der Gesundheits- und Krankenpflege das Kursmodul absolviert.

Die 1953 gegründete Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e.V. (DGAI) vereinigt als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft heute nahezu 15.000 Mitglieder. Nach ihrer Satzung hat sie die Aufgabe, Ärzte zur gemeinsamen Arbeit am Ausbau und Fortschritt der Anästhesiologie, lntensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie zu vereinen und auf diesen Gebieten die bestmögliche Versorgung de r Bevölkerung sicherzustellen.

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Abb. oben: In diesem Testfall müsste der Patient so schnell er dazu nach der OP in der Lage ist im Viererzahlenfeld die Taste 2 drücken. Photo: UMG/Taras Usichenko


Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald , 15.04.2016 (tB).

 
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