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23 | 10 | 2017
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Innovation Award 2013 für FLESISEQ von Pro bono Bio.jpgBVDA-Innovationspreis 2013

Flexiseq - Neues Gel gegen Arthroseschmerzen

 

Frankfurt am Main (24.Januar 2013) - Der Bundesverband der Deutschen Apotheker hat heute im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums den Preis für die „Innovation des Jahres“ verliehen. Preisträger ist FLEXISEQ® (Pro Bono Bio), ein topisches Gel gegen Arthroseschmerzen. Es enthält keinen pharmakologischen Wirkstoff sondern entfaltet eine physikalische Wirkung. Durch die innovative Sequessome® Technologie gelangen extrem verformbare Phospholipid-Vesikel durch die Haut in tiefer liegende Gewebe und sogar bis in das Gelenk. Dort lagern sie sich am Knorpel an und schmieren ihn. Dies sorgt für Schmerzlinderung und bessere Beweglichkeit – und das ohne die teils schwer wiegenden Nebenwirkungen, die mit den üblichen Arthrose-Medikamenten verbunden sein können.


 

Volkskrankheit Arthrose

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden weltweit unter Arthrose, die als chronische Gelenkerkrankung das Leben der Betroffenen dauerhaft erschwert (1). Laut Gesundheitsberichter-stattung des Robert-Koch-Instituts von 2010 haben Frauen eine 12-Monats-Prävalenz für Arthrose von 23,8 %, Männer von 14,3 %, auf die Lebenszeit gerechnet beträgt die Arthrose-Prävalenz für Frauen 27,1 %, für Männer 17,9 % (2).

 

Die Wahrscheinlichkeit, eine degenerative Veränderung der Gelenke zu erleiden, nimmt mit dem Alter zu, sagte Prof. Dr. Herbert Kellner, niedergelassener Rheumatologe aus München in seinem Vortrag. So leidet die Mehrheit der über 65-Jährigen bereits daran, bei den über 75-Jährigen sind es sogar ca. 90 %. Entsprechend wird mit steigender Lebenserwartung die Arthrose zu einem erheblichen Problem in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und hat auch enorme ökonomische Bedeutung. In den USA ist die Arthrose nach den Herzer-krankungen die zweithäufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit bei Männern über 50 Jahren. Die Kniegelenksarthrose ist in den Industrienationen die Hauptursache chronisch bedingter Invalidität bei älteren Menschen.

 

Das Knie ist besonders häufig von Arthrose betroffen, aber auch die Hüfte sowie Finger-, Sprung-, Schulter- und Zehengelenke.

 

Ursachen der Gelenkveränderungen

Im Gelenk garantiert normalerweise das fehlerlose Zusammenspiel von Knorpel, Gelenkhülle (Synovialis) und Gelenkflüssigkeit (Synovia), dass Reibung zwischen den Knochen vermieden wird. Insbesondere der Knorpel sorgt durch seine druckausgleichende Funktion dafür, dass Stöße abgefangen werden und die Knochen geschmeidig aneinander vorbei gleiten können. Die Synovia gesunder Individuen enthält Phospholipide und es ist bekannt, dass deren Spiegel bei Arthrose-Patienten erniedrigt ist. Neben zahlreichen anderen Funktionen helfen diese Phospholipide, den Knorpel geschmeidig zu halten. Daher wird angenommen, dass erniedrigte Phospholipid-Spiegel in der Synovia zu Schmerz und Gelenkfunktionsverlust bei Arthrose-Patienten beitragen (3).

 

Manche Menschen haben eine genetische Disposition zum Knorpelab- und Gelenkumbau, andere leiden unter Falschbelastungen der Gelenke aufgrund angeborener oder erworbener Fehlstellungen. Auch können im Laufe des Lebens erlittene Entzündungen, Verletzungen oder Gelenkoperationen wie zum Beispiel die relativ häufige Entfernung des Meniskus der Entstehung einer Arthrose Vorschub leisten.

 

Ein wichtiger Risikofaktor ist das Übergewicht, das die Gelenke buchstäblich ‚belastet’, aber auch übertriebene sportliche Aktivitäten können einen vorzeitigen Knorpelabbau befördern. Immer dann also, wenn der Knorpel ungleichmäßig oder insgesamt stärker belastet wird, als er es verträgt, wird die Entstehung einer Arthrose begünstigt.

 

Therapeutische Konzepte problematisch

Unbestritten positiv sind nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Patientenschulung, Gewichtsreduktion, Physiotherapie, physikalische Therapiemaßnahmen, Ergotherapie (Gelenk-schutz), Orthopädietechnik und –schuhtechnik zu werten. Deutlich schwieriger ist es mit den medikamentösen Optionen. Hier kommen neben den reinen Analgetika wie Paracetamol, Tramadol und Opioiden vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen und selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib zum Einsatz. Die intraartikuläre Injektion Steroiden oder Hyaluronsäure ist zwar möglich, aber unter Umständen sehr schmerzhaft und mit einem Infektionsrisiko verbunden. Und schließlich bleiben operative Maßnahmen wie der Gelenkersatz.

Die am häufigsten eingesetzten Pharmaka dürften die NSAR sein, sowohl oral als auch topisch. Sie sind leicht zugänglich und werden häufig kritiklos eingesetzt, sagte Prof. Dr. Martin Wehling vom Institut für Gerontopharmakologie der Medizinischen Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg in seinem Vortrag. Gerade diese Medikamentengruppe ist jedoch mit einem hohen Risiko verbunden. Das relative Risiko einer oberen gastrointestinalen Blutung steigt auf das 3,8fache unter NSAR. Es gibt Schätzungen, nach denen bei der Langzeitanwendung von NSAR bei 10 % der Behandelten Ulcera ventriculi oder duodeni auftreten, bei 1 % hieraus eine Blutung entsteht und dass bei 0,1 % der Behandelten diese Blutung tödlich endet. Bei einer geschätzten Zahl von 11 Millionen NSAR Behandlungen pro Jahr und einem verbluteten Patienten auf 1220 mindestens zweimonatige NSAR-Behandlungen geht Bolten von bis zu 1000 verbluteten Patienten im Jahr in Deutschland aus, zumal älteren Patienten. Dazu sind NSAR in der chronischen Anwendung noch an etwa 20 gravierenden weiteren Nebenwirkungen beteiligt, von denen die Nierenfunktionsschädigung, Hyperkaliämie, die Auslösung oder Aggravation einer arteriellen Hypertonie, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Verwirrtheit und Obstipation die wichtigsten sind. Eine kürzlich erschienene Studie wies für die chronische Diclofenac-Einnahme eine Vervierfachung der kardiovaskulären Sterblichkeit nach.

 

Sind Leitlinien immer gute Ratgeber?

Nein, sagte Prof. Wehling. Leitlinien werden normalerweise mit Daten für jüngere Patienten erarbeitet, für die Gruppe der Betagten und Hochbetagten aber ist die Datenlage mangelhaft. Dennoch werden gerade ältere Patienten, die häufig multimorbide sind, leitliniengerecht behandelt. Jede dieser Leitlinien empfiehlt in der Regel drei Medikamente, bei drei Diagnosen bedeutet dies bereits neun Arzneimittel, in der Realität nehmen alte Menschen aber häufig zehn und mehr Medikamente ein. Da die Arthrose überwiegend die ältere Bevölkerung betrifft, ist diese Patientengruppe auch besonders häufig von Polypharmazie betroffen.

Zur Behandlung der Coxarthrose empfiehlt die AWMF-S3-Leitlinie Orthopädie Paracetamol, Metamizol, NSAR, COX-2-Hemmer und Opioidanalgetika. Die Leitlinie der EULAR (European League Against Rheumatism) empfiehlt bei Gonarthrose Paracetamol, NSAR und Opioide. Wehling rät, diese Empfehlungen kritisch zu betrachten und alten Menschen insgesamt eher weniger Medikamente zu verschreiben. Bei klarem Behandlungsauftrag (arthrotische Schmerzen müssen behandelt werden) ist es wichtig, nach Alternativen zu suchen. Hierbei hilft eine neuartige Bewertung von Arzneimitteln nach ihrer Alterstauglichkeit (FORTA-Klassifikation) (A: unbedingt geben; D: unbedingt vermeiden; B: in der Regel geben, es sei denn dass Polypharmazie- oder Unverträglichkeitsgesichtspunkte dagegen sprechen; C: nur ausnahmsweise geben). Nach dieser Klassifikation ergibt sich für die chronische Schmerztherapie, auch bei Arthrosen, folgende Wertung


FORTA -Klassifizierung der Pharmaka zur chronischen Schmerztherapie nach der Alterstauglichkeit:

 

Stoffklasse

Präparat

FORTA

 

Paracetamol

A

 

Metamizol

B

NSAR

z.B. Naproxen

D

 

z.B. Celecoxib

D

Opioide

Buprenorphin

B

 

Tilidin/Naloxon

B

 

Morphin

C

Trizyklische Antidepressiva

Amitriptylin

D

SSRI

Venlafaxin

B

Antiepileptika

Carbamazepin

D

 

Pregabalin

C



Innovative topische Therapie

 

In Zukunft wird das therapeutische Spektrum der Arthrosetherapie um eine innovative Option bereichert: FLEXISEQ® ist ein topisches Gel zur Behandlung von Arthroseschmerzen. Es enthält keinen pharmakologischen Wirkstoff, sondern entfaltet seine Wirkung physikalisch mit Hilfe der in Deutschland erdachten Sequessome® Technologie, erläuterte Dr. Matthias Rother, der an der Entwicklung maßgeblich beteiligt war, in seinem Vortrag. Sequessome® Vesikel sind kleine Lipidvesikel mit einer Phospholipid-Doppelschicht, die mittels des transdermalen Wassergradienten die Permeabilitätsbarriere der Haut passieren (Cevc & Blume 1992; Cevc & Gebauer 2003). Sequessome® Vesikel breiten sich nach der Anwendung unterhalb des Applikationsbereiches durch die interstitielle Flüssigkeit in tiefer liegendes und angrenzendes Gewebe aus (Cevc & Vierl 2007; 2010). Präklinische Studien zeigen, dass nach topischer Anwendung markierte Phospholipide im Synovialspalt und auf der Knorpeloberfläche nachweisbar sind. Im arthrotischen Gelenk besteht gewöhnlich ein Mangel an diesen (Hills et al 1998). Da bekannt ist, dass Phospholipide als biologisches „Schmiermittel“ in Gelenken (Sivan et al 2010) dienen, könnte dies die therapeutische Wirkung von FLEXISEQ® bei Arthrose erklären.

 

 

Umfangreiches Studienprogramm

 

Die Effektivität von FLEXISEQ® wurde in einem umfangreichen klinischen Studienprogramm nach pharmazeutischem Standard nachgewiesen. Alle Studien verwendeten die validierte Western Ontario and McMaster Universities (WOMAC) Schmerzskala, um die Auswirkungen auf Schmerzen, Funktion und Gelenksteifigkeit zu beschreiben. In den sechs Studien wurden insgesamt 1.675 Patienten mit FLEXISEQ® behandelt. 732 davon erhielten zusätzlich orale NSAR.

 

In der größten und wichtigsten dieser Studien wurde FLEXISEQ® mit oralem Celecoxib und oralen Placebos verglichen; 1395 Patienten mit moderaten Schmerzen bei Gonarthrose wurden eingeschlossen (Conaghan et al 2012, in press). Beide FLEXISEQ®-Dosen zeigten in der zwölften Woche keine Unterlegenheit verglichen mit dem oralen Celecoxib und sogar eine Überlegenheit zu den oralen Placebos in ähnlicher Größenordnung wie Celecoxib. Auch während einer Behandlungsdauer von bis zu 52 Wochen wurde FLEXISEQ® gut vertragen. Die meisten unerwünschten Wirkungen, die insgesamt sehr selten auftraten, waren leichte, lokale Hautirritationen. In der Regel klangen sie rasch und ohne Unterbrechung der Therapie wieder ab. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten konnten während der umfangreichen Studien nicht beobachtet werden. Das Gel kann daher sowohl alleine, als auch in Kombination mit den übrigen verordneten Therapeutika angewendet werden. Flexiseq® stellt somit eine gute und dringend benötigte Alternative und Ergänzung zu den bisherigen Therapiekonzepten bei Arthose dar.

 

 

Referenzen 

  1. Felson, D.T.: Epidemiology of knee and hip osteoarthritis. Epidemiol Rev 1988; 10: 1–28.
  2. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesundheit in Deutschland aktuell 2010, Robert Koch-Institut 2012, Faktenblätter, chronische Erkrankungen: Arthrose, S. 105-108
  3. Hills BA, Monds MK. Br J Rheumatol 1998; 37:143–147 

 


Quelle: Pro Bono Bio, 24.01.2013 (tB).

 
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