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Forschungsbericht zur Mengenentwicklung von Operationen

Datenlage muss transparent werden

 

Berlin (11. Juli 2014) - Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) erachtet das vor zwei Jahren von der Bundesregierung beauftragte und jetzt am 10. Juli veröffentlichte Gutachten „Forschungsbericht zur Mengenentwicklung“ , das sich mit steigenden Operationszahlen im Krankenhaus beschäftigt, als einen weiteren wichtigen Schritt zur besseren Analyse des im Umbruch befindlichen medizinischen Versorgungssystems.

 

Der Bericht zeigt: Die Fallzahlen bei operativen Eingriffen steigen stetig. Der Bericht lässt jedoch aufgrund fehlender Daten, insbesondere bei der Trennung der sektoralen Vergütung, keine Schlussfolgerungen über unnötige Operationen oder Eingriffe aus wirtschaftlichen Gründen zu.

Um das bisher starke Gesundheitssystem in Deutschland vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der technologischen Fortschritte und der steigenden Anspruchshaltung der Patienten zukunftsfähig und tragbar zu gestalten, fordert die DGOU ein Miteinander der Akteure im Gesundheitswesens statt gegenseitige Schuldzuweisungen. Das beinhaltet vor allem, dass die Informationshoheit der Krankenkassen über die QRS-Daten (Qualitätssicherung mit Routinedaten) aufgelöst wird, damit die Datenlage transparent und eine Evaluation operativer Eingriffe überhaupt möglich wird.

Der Anstieg der Operationen geht laut Gutachten zu 50 Prozent auf muskuloskelettale Erkrankungen und Erkrankungen des Kreislaufsystems zurück. Bemerkenswert dabei allerdings ist, dass im Begutachtungszeitraum zwischen 2007 und 2012 die Fallzahlen für endoprothetische Versorgungen an Hüfte und Knie, anders als aus demografischen Gründen erwartet, zurückgegangen sind. In der Wirbelsäulenchirurgie hingegen ist ein Anstieg der Operationen im beobachteten Zeitraum festzustellen. Schon seit Jahren sehen die DGOU und die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie diesen Anstieg sehr kritisch.

„Der Fehler dafür liegt im System“, sagt Professor Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der DGOU. „Früher wurde das Krankenhaus nach Verweiltagen der Patienten bezahlt, also stieg die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus. Heute wird nach Fallpauschalen bezahlt, also steigen die Operationszahlen. Die Kliniken im Wettbewerb passen sich an“, so Niethard.

Dieser Systemfehler lässt sich bei Rückenerkrankungen gut veranschaulichen.


Wenn ein rückengeplagter Wirbelsäulenpatient bei einem niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgen versorgt wird, erhält dieser dafür 120 Euro für die gesamte Behandlung pro Jahr. Das gleiche Leiden wird bei einer operativen Behandlung im Krankenhaus mit einem Vielfachen vergütet. Das heißt: „Der Niedergelassene kommt mit seinem Budget nicht aus. Damit ergibt sich ein einspuriges Gleis in Richtung operative Therapie“, so Niethard.

„Das zur Begrenzung der Fallzahlen eingerichtete DRG-System2 hat keine wesentliche Veränderung gebracht“, sagt Professor Reinhard Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär der DGOU. „Es handelt sich hierbei eher um ein Hindernis einer angemessenen hochwertigen Versorgung. Denn es zwingt die Versorger zum Teil in die Knie und begünstigt einen Teufelskreis. Sinnvoller ist ein System, das den Versorgungsauftrag, die Struktur- und Prozessqualität sowie Vorhaltekosten berücksichtigt, wie von der OECD gefordert.“

DGOU und DGOOC haben mit dem gemeinsam mit der AOK zusammengestellten Versorgungsatlas mehrfach verschiedene Anstöße zu Veränderungen der Versorgungsstrukturen gegeben. Die Fachgesellschaften bedauern, dass in diesem Bereich immer wieder einseitige Schuldzuweisungen an die Krankenhäuser erfolgen.

Referenzen 

  1. Forschungsauftrag zur Mengenentwicklung, Endbericht; Hamburg, Juli 2014. Vor zwei Jahren hatte die Bundesregierung die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und den GKV-Spitzenverband gebeten, ein Gutachten zur Erklärung für den Anstieg der Fallzahlen in deutschen Krankenhäusern in Auftrag zu geben.
  2. Diagnosis Related Groups (kurz DRG, deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen)


Weitere Informationen

 

 


 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, 11.07.2014 (tB).

 
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