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Multiprofessionelle Versorgungsgestaltung von Menschen mit Demenz

Optimale Versorgung von Demenz ist nicht von einer Berufsgruppe alleine zu leisten

 

Witten/Herdecke (14. November 2013) - Prof. Dr. Ulrike Höhmann hat an der Universität Witten/Herdecke seit Oktober die Professur für die Versorgungsgestaltung von Menschen mit Demenz inne. Ihr Ziel ist es, viele verschiedene Berufe an einen Tisch zu bringen, um Menschen mit Demenz und ihren Familien, zu helfen und möglichst optimal zu versorgen. Da gibt es viele Baustellen: „Wenn z.B. ein Mensch mit Demenz auch bei fortschreitender Krankheit gerne zuhause mit ambulanter Unterstützung leben möchte, oder sich ein Bein bricht und plötzlich ins Krankenhaus kommt, dann müssen die Angehörigen, die Ärzte, Pflegenden, Therapeuten, etc. ganz anders und sehr intensiv eingebunden werden. Denn man kann jemanden mit dieser Diagnose nicht einfach so behandeln wie einen Patienten mit einer Blinddarm-OP.“

  Höhmann leitet den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Multiprofessionelle Versorgung von Menschen mit Demenz“, der sich nicht nur an Interessenten mit erstem Studienabschluss in medizinischen, therapeutischen, sozialarbeiterischen und pflegerischen Erstberufen richtet, sondern sich ebenso an Ingenieure, Juristen, Architekten, Städteplaner, Ökonomen, Verwaltungs- und Politikwissenschaftler wendet. Aktuell studieren in diesem Programm sogar auch ein Versicherungsmathematiker und ein Schauspieler. Der Grundgedanke ist, dass für alle Menschen mit Demenz und ihr Umfeld ein weitgehend selbstbestimmter Alltag mit hoher Lebensqualität erreicht werden soll. „Dabei müssen die verschiedenen Berufe zusammenarbeiten und ihre jeweiligen spezifischen Kompetenzen so einbringen, dass ihre ganz unterschiedlichen Perspektiven zur Lösung von Problemen genutzt werden können.“

 

Solche berufsübergreifenden Lösungen werden in dem Programm gemeinsam mit den Studierenden konzipiert. Angesprochen sind so Berufstätige, die direkt in der Versorgung mit den Menschen mit Demenz arbeiten, wie Ärzte, Pflegewissenschaftler, Sozialarbeiter, Physio- und Ergotherapeuten. Gleichermaßen gehören dazu aber auch Berufe, die keinen direkten therapeutischen Kontakt zu den Menschen mit Demenz haben, wie Städteplaner, Architekten, Mitarbeiter von Wohnbaugesellschaften, Entwickler technischer Hilfen, Mitarbeiter von Kassen, Ämtern und Ministerien; eben solche Berufsgruppen, die Rahmenbedingungen schaffen. „Wie kann man in einem neu geplanten Quartier auch gleich mit bedenken, welche Hilfen ältere Menschen benötigen, um möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben zu können? Welche Einrichtungen, Dienste muss man planen, wie müssen Gebäude und Umfeldgestaltung aussehen? Wie kann man den Kassierer im Supermarkt, die Busfahrerin, den Friseur oder die Frau am Bankschalter so sensibilisieren, dass sie auf Anzeichen von Verwirrtsein reagieren, wie Angehörigen die passenden Hilfen geben? Das sind die Mosaiksteine zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen mit Demenz und deren Angehörigen“.

Höhmann kehrt mit der Wittener Professur wieder ins Ruhrgebiet zurück. Sie hat in Mülheim ihr Abitur gemacht und eine Krankenpflegeausbildung absolviert. In Freiburg hat sie Soziologie, Psychologie und Politik studiert, dann in Hessen das ehemalige Agnes Karll-Institut für Pflegeforschung geleitet, in Frankfurt das hessische Institut für Pflegeforschung als Kooperationsinstitut der drei hessischen Hochschulen mit Gesundheits- und Pflegestudiengängen mitgegründet, lange geleitet, viele multiprofessionelle Vernetzungsprojekte in den Kommunen und Landkreisen durchgeführt, und 17 Jahre an der evangelischen Hochschule Darmstadt gelehrt und geforscht. Sie war auch seit langem Lehrbeauftragte an der Universität Witten/Herdecke und kennt so ihr künftiges Arbeitsfeld schon sehr gut. „Es ist schön hier im Ruhrgebiet wieder mit Menschen zusammenzukommen, die offen sind und manchmal auch nicht gleich ganz so bierernst reden, in dieser Mentalität fühlt man sich gleich wieder wohl.“


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Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.750 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

 


 

Quelle: Universität Witten/Herdecke, 14.11.2013. (tB)