Home Dermatologie Univ.-Prof. Dr. Jörg Christian Prinz: Psoriasis als komplexe Systemerkrankung
17 | 10 | 2017
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Psoriasis als komplexe Systemerkrankung

Frühe Behandlung der unterschiedlichen Ausprägungen am Beispiel PsA

 

Univ.-Prof. Dr. Jörg Christian Prinz

 

Berlin (9. Oktober 2009) - Das Krankheitsverständnis der Psoriasis hat sich in den letzen Jahren entscheidend verändert. Psoriasis wird nicht mehr nur als eine Hauterkrankung wahrgenommen, die mit einer Arthritis vergesellschaftet sein kann, sondern als eine komplexe chronisch-entzündliche Systemerkrankung, die mit einem erheblichen Verlust an gesunden Lebensjahren und einer verminderten Lebenserwartung einhergeht.

 

Direkt assoziiert mit Psoriasis vulgaris sind Psoriasisarthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Augenentzündungen in Form einer Iridozyklitis oder Uveitis, sowie eine erheblichen Einschränkung der gesundheitsabhängigen Lebensqualität und der physischen und mentalen Leistungsfähigkeit. In Abhängigkeit von Schwere und Dauer der Psoriasis beinhaltet Psoriasis zudem ein gesteigertes Risiko für das Auftreten von kardiovaskulären Begleiterkrankungen und Veränderungen im Sinne eines metabolischen Syndroms mit Adipositas, arterieller Hypertonie, insulinresistentem Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Auch nach Abgleich von Risikofaktoren wie Nikotin- und Alkoholgenuss bleibt dieses Risiko bestehen und wird für eine Verkürzung der Lebenserwartung verantwortlich gemacht, die nach unterschiedlichen Studien für mittelschwere bis schwere Psoriasis 3 bis 4 oder sogar bis 10 Jahre betragen kann.

 

Große Fortschritte wurden in den letzten Jahren im Verständnis und der Behandlung der Psoriasisarthritis gemacht. Sie wird heute als eine Rheumafaktor-negative Entzündung des Bindegewebs- und Stützapparates definiert, die durch vielschichtige Veränderungen charakterisiert ist. Diese beinhalten Synovialitis, erosive Arthritis, Ostitis und Periostitis, Spondylarthritis, Sacroileitis, Beteiligung der distalen Interphalangealgelenke (DIP), Dactylitis, Tendinitis/Tenosynovitis und eine Enthesiopathie/Enthesitis. Die Enthesitis als Entzündung der Sehnenansätze der langen Streckersehen von Fingern und Zehen erklärt hierbei die Lokalisation als DIP-Arthritis und das Auftreten der Nagelpsoriasis. So ist der Nagel über die Enthese der langen Streckersehne am Endglied von Fingern und Zehen fixiert. In Folge einer Enthesitis wird durch die Entzündung zugleich das Nagelwachstum in der Nagelmatrix gestört. Dies führt zur Nageldystrophie, die hiermit als früher diagnostischer Hinweis auf das Vorliegen einer Psoriasisarthritis zu werten ist. Die diagnostische Wahrnehmung dieses Frühzeichens ist wichtig, da nur durch eine frühe Behandlung Gelenksschäden und funktionelle Beeinträchtigungen vermieden werden können.

 

Aus dieser Komplexität der Erkrankung definieren sich somit die Behandlungsziele der Psoriasis und Psoriasisarthritis: sie bestehen vor allem in einer Verbesserung der Symptome, der Induktion einer Remission, der Verhinderung irreversibler Gelenksschäden, einer Erhaltung der Funktion, der Verhinderung kardiovaskuläre Begleiterkrankungen, der Verbesserung der Lebensqualität und dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit.

 

Das Erreichen dieser Ziele setzt eine frühzeitige Diagnose und den entschiedenen Einsatz wirksamer Therapeutika ein. Gerade durch die TNF- Antagonisten sind heute therapeutische Erfolge bei der Psoriasis und Psoriasisarthritis, aber auch der Verhinderung oder Verminderung von Begleiterkrankungen möglich, die noch vor zehn Jahren undenkbar waren.

 


 

Quelle: Pressegespräch der Firma Abbott Deutschland im Rahmen des 18. Kongresses der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) zum Thema „Management der Psoriasis 2009 – Herausforderungen in der Praxis“ am 9.10.2009 in Berlin (Weber Shandwick) (tB).

 
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