Home Dermatologie Prof. Dr. Matthias Augustin: Versorgung der Psoriasis in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit
21 | 10 | 2017
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Zulassung von Adalimumab zur Behandlung der Plaque-Psoriasis

Versorgung der Psoriasis in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit

 

Von Prof. Dr. Matthias Augustin

 

Frankfurt am Main (29. Januar 2008) - Die Psoriasis vulgaris ist häufig, geht bei vielen betroffenen Patienten mit einem sehr hohen Leidensdruck einher und verursacht erhebliche Folgekosten. Obwohl für alle Formen und Schweregrade der Psoriasis wirksame Therapeutika zur Verfügung stehen, ist nach klinischen Erfahrungen und Patientenberichten die Versorgung in Deutschland oftmals unzureichend. Unklar war bisher, welche Patienten in welchem Maße von dem Leidensdruck betroffen sind, welchen Zugang die Patienten zur modernen Versorgung haben und inwieweit eine Unter-, Fehl- oder Überversorgung besteht. Unklar war ferner, welchen Nutzen die Patienten selbst durch die Versorgung ihrer Erkrankung erleben.

 

Es war bisher noch nicht einmal bekannt, welche Patienten welche Schweregrade aufweisen und wie häufig die Erkrankung sowie ihre Komorbiditäten überhaupt sind.

 

Vor diesem Hintergrund hat das Competenzzentrum Versorgungsforschung in der Dermatologie (CVderm), unterstützt von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen, eine Projektreihe aufgelegt, mit der die wichtigsten versorgungs-wissenschaftlichen Fragestellungen geklärt werden sollten.

 

Seit 2004 wurden in systematischer Abfolge mehrere nationale Studien zu den Krankheitskosten der Psoriasis vulgaris, zur Epidemiologie, zur Versorgungsqualität der Patienten sowie zum Versorgungsbedarf durchgeführt.

 

Aus diesen Studien ergibt sich das folgende Bild:

Die Psoriasis vulgaris weist in Deutschland eine Jahres-Prävalenz von circa 2,1 % unter den Erwachsenen auf. Unter den Patienten in dermatologischer Behandlung finden sich etwa 20 % mit Psoriasis-Arthritis, die bei fehlender oder unzureichender Behandlung in schwere, destruktive Verläufe übergehen kann. Etwa 80 % der Patienten mit nachgewiesener Psoriasis-Arthritis waren hierüber bisher nicht informiert.

 

Ein beträchtlicher Teil der Patienten weist einen hohen klinischen Schweregrad (gemessen am PASI-Score) auf (circa 35%), ein vergleichbarer Prozentsatz der Patienten zeigt schwere bis schwerste Einbußen der Lebensqualität unter der Erkrankung. Mit einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von circa 20 Jahren ist der durchschnittliche Patient mit Psoriasis etwa 50 Jahre alt und leidet neben der Haut-Psoriasis auch unter Nagelbefall sowie oftmals subjektiven Symptomen wie Juckreiz oder Brennen der Haut.

 

Unter der Gruppe der besonders schwer betroffenen Patienten (PASI über 20) findet sich eine außerordentlich starke Beeinträchtigung der Lebensqualität, ein hoher Prozentsatz von Patienten mit stationären Krankenhausaufenthalten und Arbeitsunfähigkeitsphasen sowie einer durchschnittlichen jährlichen Krankheits-kostenlast von etwa 9.000 € pro Patient. In einer großen Erhebung des Jahres 2004/2005 waren nur circa 45 % dieser schwerstbetroffenen Patienten jemals mit Systemtherapeutika behandelt worden. Aus diesen Daten kann eine klare Unterversorgung insbesondere der schwer betroffenen Patienten abgeleitet werden.

 

Die dermatologischen Gesellschaften und Berufsverbände haben auf diese Situation reagiert und mit der S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis einen hervorragenden Behandlungsstandard für Deutschland geschaffen. Sie haben ferner ein nationales Programm von regionalen Psoriasis-Netzen eingesetzt (PsoNet), was zu einer besseren Kooperation zwischen den Ärzten mit dem Ziel einer erheblich verbesserten Versorgung führen soll. Gemeinsame Zielsetzung aller Aktivitäten ist es, jedem Patienten mit Psoriasis vulgaris in Deutschland die seinem klinischen Schweregrad und seiner Krankheitslast entsprechende wirksame Therapie zukommen zu lassen.

 

Das CVderm wird in den nächsten Jahren weitere Versorgungsstudien zur Darstellung des Versorgungsgrades wie auch Evaluationsstudien zur Effizienz der Psoriasisnetze durchführen.

 

Aktuelle Daten der Ende 2007 ausgewerteten Nationalen Versorgungsstudie „PsoHealth“ wurden bei der Pressekonferenz vorgestellt.


Quelle: Humira® Launch-Pressekonferenz von Abbott Immunology anlässlich der Zulassung von Adalimumab zur Behandlung der Plaque-Psoriasis am 29.01.08 in Frankfurt am Main (Weber Shandwick) (tB).
 
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