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Weil es unter die Haut geht

Experten empfehlen Einmalverwendung von Insulinpen-Nadeln

 

Der Gebrauch einer Pennadel hinterläßt Spuren: verbogene Spitze mit GewebeanhaftungenDresden (28. Februar 2006) - Moderne Insulinpen-Nadeln sind Einwegprodukte und speziell auf die Bedürfnisse der Menschen mit Diabetes abgestimmt. Dennoch verwenden vor allem in Deutschland die meisten insulinpflichtigen Diabetiker Injektionsnadeln für ihren Pen mehrfach. Wenigen ist bewußt, welches Risiko sie dabei eingehen.

Die Nadeln können stumpf werden, sich verbiegen oder verstopfen. Hautreste und Bakterien bleiben an ihnen hängen. Die Folgen: kleine Verletzungen und Gewebeveränderungen, die Gefahr von Infektionen sowie Ungenauigkeiten bei der Insulinzufuhr, die unerwünschte und unkalkulierbare Blutzucker-schwankungen verursachen können. Dies will die Aktion „Weil es unter die Haut geht“ ändern. Gegründet vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe e.V. (VDBD) und den Unternehmen BD, Novo Nordisk und Ypsomed, hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, über den richtigen und hygienischen Umgang mit Insulin-Injektionsnadeln aufzuklären. Nur die Einmalverwendung von Pen-Nadeln gewährleistet eine aus medizinischer Sicht hygienische, sichere und wirksame Insulinversorgung. Diese wichtige Rolle der Pen-Nadeln für eine optimale Insulinbehandlung wird noch immer von vielen Betroffenen unterschätzt.

 

Nadelwechsel in Europa: Schlußlicht Deutschland, Weltmeister Frankreich

 

Insulinpen-Nadeln werden in Deutschland nach durchschnittlich 9,2 Injektionen gewechselt. In Frankreich hingegen kann man fast von einer Einmalverwendung sprechen, denn der Nadelwechsel erfolgt bereits nach durchschnittlich 1,5 Injektionen. So die Ergebnisse einer europäischen Befragung von Menschen mit Diabetes(1), berichtete Evelyn Drobinski, VDBD, Wensin/Garbek. Ähnliche Daten bestätigt auch Prof. Dr. med. Pinget, Hospices Civils, Straßburg. In Frankreich unterstützen sowohl wissenschaftliche als auch staatliche Einrichtungen seit vielen Jahren die Aufklärung und Schulung der Diabetiker zum Thema Einmalverwendung – mit großem Erfolg: 87,1 Prozent der Diabetiker in Frankreich verwenden ihre Pen-Nadeln niemals mehrfach, so das Ergebnis einer aktuellen nationalen Studie der Französischen Diabetes Gesellschaft. Auch in Deutschland hat das Training der Diabetiker durch Diabetesberater/innen einen großen Einfluß auf die Häufigkeit des Pen-Nadelwechsels. Daher empfiehlt der VDBD eine konsequente und einheitliche Schulung auf Einmalverwendung von sterilen Pen-Nadeln, so Drobinski.

 

 

Mehr Hygiene – sichere Therapie

 

Seit der Einführung des Insulins im Jahr 1922 wurde die Injektion in die Hände der Diabetiker gelegt. Damals ergaben sich im häuslichen Umfeld andauernde Probleme mit dem Auskochen und der Wartung der Instrumente, die erst durch die Einführung von Einwegspritzen gelöst werden konnten, erklärte PD Dr. med. Walter Bruchhausen, Medizinhistorisches Institut, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die heutigen Insulinpen-Nadeln sind bei der Abgabe an den Diabetiker steril, d.h. absolut keimfrei. An einer gebrauchten Nadel hingegen können Gewebereste hängen bleiben und zu einer Besiedlung mit Bakterien und anderen Keimen führen – insbesondere bei hohen Temperaturen oder wenn der Pen am Körper getragen wird. Dies ist nicht nur unhygienisch, sondern birgt auch das Risiko von Infektionen, da die Keime bei der Wiederverwendung der Nadel in die Haut eindringen können.

 

 

Gesundheitsrisiko Mehrfachverwendung?

 

Moderne Pen-Nadeln sind sehr dünn, scharf geschliffen und besitzen einen Gleitfilm, damit die Injektion schmerzarm und gut verträglich ist. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, daß sich der Gleitfilm bereits bei der ersten Verwendung der Nadeln abnutzt. Bei mehrfacher Verwendung besteht auch die Gefahr, daß sich die hauchdünn geschliffene Nadelspitze verbiegt, zum Beispiel beim Durchdringen der Haut, erklärte Prof. Dr. med. Thomas Haak, Diabetes Klinik, Bad Mergentheim. Wieder verwendete Pen-Nadeln führen durch zusätzliche Verletzung des Gewebes zur verstärkten Ausbildung so genannter „Lipohypertrophien“. Diese Fettgewebs-Wucherungen führen zwar zum Verlust des Schmerzempfindens, verleiten Diabetiker aber dazu, immer wieder bevorzugt in diese Stelle zu injizieren. Die Folge: Die Lipohypertrophien verstärken sich und werden größer und das veränderte Fettgewebe wird schlecht durchblutet. Dadurch kann das Insulin an dieser Stelle schlechter vom Körper aufgenommen werden, sein Wirkeintritt wird unkalkulierbar und es besteht die Gefahr von Blutzucker-Schwankungen. Mehrfach verwendete Pen-Nadeln können zudem durch auskristallisiertes Insulin und anhaftende Gewebereste verstopfen und damit ebenfalls zu einer Unterdosierung des Insulins führen, so Haak.

 

 

Einmalverwendung sichert den Behandlungserfolg

 

Die Experten sind sich einig: Bereits im Juni 2003 hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft auf die Risiken der Mehrfachverwendung von Insulin-Injektionsnadeln hingewiesen. Denn Pen-Nadeln sind Einmalartikel, die regelmäßig gewechselt werden sollten, idealerweise nach jeder Injektion. Zudem muß der Diabetiker auf die korrekte Spritztechnik achten, d.h. das Insulin sollte immer subkutan in das Fettgewebe, das über dem Muskel liegt, injiziert werden. Die Injektionsstellen sollten regelmäßig gewechselt werden, um Lipohypertrophien zu vermeiden. Werden diese Regeln eingehalten, können gesundheitliche Risiken ausgeschlossen und eine sichere, wirksame und schmerzarme Insulinbehandlung gewährleistet werden. Zudem könnte eine konsequente Einmalverwendung von Insulinpen-Nadeln zu einer langfristigen Entlastung der Krankenkassen beitragen: Lipohypertrophien werden vermieden und Blutzucker-Schwankungen minimiert. Die Insulinversorgung ist kalkulierbar und begünstigt eine optimale Blutzuckerkontrolle. Folgeerkrankungen und damit die Kosten für deren Behandlung werden deutlich reduziert. Genau hierfür setzt sich auch die Initiative „Weil es unter die Haut geht“ ein. Sie will möglichst viele Menschen mit Diabetes über den richtigen Umgang mit Pen-Nadeln aufklären, dabei über die Vorteile der Einmalverwendung informieren und so langfristig die Versorgung von Diabetikern in Deutschland verbessern.

 

 

Anmerkung

  1. Roper Western Europe Diabetes Patient Survey 2004, GfK HealthCare

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Becton Dickinson zum Thema „Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen – weil es unter die Haut geht“ am 28. März 2006 in Dresden (Ogilvy Healthworld) (tB).

 

 
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