Home Epilepsie Dr. Christian Brandt: Epilepsie und Angst ‑ Neue klinische Daten aus Deutschland
16 | 12 | 2017
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Epilepsie und Angst ‑ Neue klinische Daten aus Deutschland

 

Von Dr. Christian Brandt, Bielefeld

 

Rostock (22. Mai 2009) - Psychische Störungen, insbesondere Psychosen, Depressionen, Persönlichkeits‑ und Verhaltensstörungen, Intelligenzminderung und Angststörungen sind häufig als komorbide Erkrankungen bei Patienten mit Epilepsie. Nach einem aktuellen Review (Beyenburg und Schmidt 2005) zeigen 66 % der Patienten mit Epilepsie Angstsymptome, bei 15‑25 % ist eine Angststörung zu diagnostizieren.

 

Wir haben 97 konsekutive ambulante Patienten mit einer therapieresistenten fokalen Epilepsie mit der Angst­Sektion des Strukturierten Klinischen Interviews für DSM‑IV (SKID‑I, Wittchen et al 1997) untersucht. 19 Patienten (19,6 %) hatten eine Angststörung (soziale Phobie 7,2 %, spezifische Phobie 6,2 %, Panikstörung 5,1 %, generalisierte Angststörung 3,1 %, Angststörung, nicht näher spezifiziert 2,1 %, Zwangsstörungen 1,0 %, post‑traumatische Belastungsstörung 1,0 %). Die Prävalenzen für soziale Phobie, Panikstörung und generalisierte Angststörung sind deutlich höher als in der allgemeinen Bevölkerung.

 

In einer weiteren Studie wurden 45 Patienten mit therapieresistenter fokaler Epilepsie zusätzlich zu ihrer bisherigen Medikation über zwölf Wochen (inkl. Aufdosierung) mit Pregabalin in Tagesdosen bis 600 mg behandelt. Diese Patienten wurden in eine Gruppe mit zusätzlicher Angststörung und eine ohne diese Komorbidität unterteilt. Neben Veränderungen der Anfallssituation wurden Veränderungen psychologischer Parameter untersucht. Eingesetzt wurden eine störungsspezifische Fragebogenbatterie bei Panikstörung und Agoraphobie mit Subfragebögen zu körperbezogenen Ängsten (BSQ), Kognitionen (AM), Vermeidungsverhalten (MI), das Beck-Depressions-Inventar (BDI), der Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (FILZ), PESOS, die Symptomcheckliste (SCL-90-R), die Social Interaction Anxiety Scale (SIAS), die Social Phobias Scale (SPS) und das State-Trait-Angstinventar (STAI). Daten liegen für 33 Patienten vor. Erste Auswertungen haben bei Patienten mit Epilepsie plus Angststörung signifikante Besserungen in den Subskalen zu Angst und Unsicherheit in der SCL-90-R sowie einen positiven Trend in der Phobie­Subskala gezeigt. Daneben hat sich eine Besserung in der „Trait"‑Subskala des STAI ergeben.

 

Damit gibt es Hinweise auf günstige Effekte auf eine komorbide Angststörung bei Patienten mit fokaler therapieresistenter Epilepsie. Wünschenswert und notwendig ist eine Überprüfung der in dieser Studie gewonnenen Daten in einer größeren, randomisierten Erhebung sowie die Entwicklung und Prüfung psychotherapeutischer Verfahren, die auf die Komorbidität von Epilepsie und Angststörung zugeschnitten sind.

 

 

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Quelle: Symposium der Firma Pfizer zum Thema „Einblicke in folgenreiche Facetten der Epilepsie: Alter, Kognition und Angststörungen – Was muss ich als Spezialist beachten?“ am 22.05.2009 in Rostock (Medical Consulting Group-MCG) (tB).

 
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