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Epilepsie

Keine Angst vor Kombinationstherapien

 

Hamburg (27. September 2012) - Vier Jahre nach Markteinführung sind bereits über 200.000 Epilepsie-Patienten* weltweit mit Lacosamid behandelt worden. Als Antiepileptikum ohne klinische relevante Interaktion ist Lacosamid ein bevorzugter Kombinationspartner, der schon früh im Therapieverlauf eingesetzt wird – auch nach der ersten Monotherapie. Erste Auswertungen einer Praxisstudie mit Lacosamid zeigten unter diesem Therapieregime besonders hohe Anfallsfreiheitsraten [2]. Spricht dies dafür, alte Therapiestrategien zu überdenken? Dies diskutierten Experten u.a. im Rahmen des diesjährigen DGN-Symposiums von UCB in Hamburg.**

 

Ist der erste Anfall bereits der Beginn einer Epilepsie? Die aktuellen Leitlinien, erläuterte Prof. Christian Elger, Bonn, bejahen dies, wenn im MRT eine epileptogene Läsion nachgewiesen werden kann und/oder eine spezifisch pathologische EEG-Aktivität [3]. Dann ist die Wahrscheinlichkeit für weitere Anfälle innerhalb der nächsten Monate hoch und ein zweiter Anfall muss für eine medikamentöse Therapie nicht abgewartet werden.

 

Für die Ersttherapie der Epilepsie bleibt laut Prof. Bernhard Steinhoff, Kork, das Primat der Monotherapie bestehen. Doch unter der ersten Monotherapie erreichen nur 50% der Epilepsie-Patienten das gewünschte Therapieziel langfristiger Anfallsfreiheit. Scheitert die erste Monotherapie, stellt sich die Frage, ob eine von den Leitlinien favorisierte alternative Monotherapie oder eine Kombinationstherapie versucht wird. Die Evidenzlage für eine zweite Monotherapie ist laut Steinhoff gering, die Empfehlung zur alternativen Monotherapie basiert auf Erfahrungen mit älteren, interaktionsbelastenden Antiepileptika [4]. Daten und Erfahrungen mit interaktionsarmen Antiepileptika der neuen Generation führen jedoch zum Umdenken. Denn Studien, die eine alternative Monotherapie mit einer Kombinationstherapie verglichen, zeigten keinen relevanten Vorteil für die alternative Monotherapie im Hinblick auf Anfallsfreiheit, Nebenwirkungen und Therapieverbleib. Tendenziell weist die Kombinationstherapie sogar einen besseren Therapieverbleib aus [5,6].

 

 

Erfolgreich kombinieren, aber wie?

 

Ausschlaggebend für den Therapieerfolg sind auch die pharmakologischen Eigenschaften von Kombinationspartnern, wenn es gilt, Anfallsfreiheit zu erzielen und Störfaktoren bei Kombinationen zu vermeiden, erklärte Dr. Stefan Arnold, München. Die Leitlinien empfehlen, für die Kombinationstherapie bevorzugt inerte Antiepileptika einzusetzen, um Interaktionen aufgrund enzym-induzierender oder -hemmender Wirkungen zu vermeiden [3].

 

Die Kombination verschiedener Wirkmechanismen als ein rationaler Ansatz zur Optimierung von Therapiestrategien wurde in verschiedenen Studien untersucht [1,2]. In der nachträglichen Analyse der Zulassungsstudien mit Lacosamid zur Kombination mit Na+- und Nicht-Na+-Kanalblockern zeigte Lacosamid eine gute Wirksamkeit und Kombinierbarkeit mit einer Vielzahl verschiedener Antiepileptika. Mit klassischen Na+-Kanalblockern wie Lamotrigin und Oxcarbazepin konnte eine Responderrate von 40 % erreicht werden; mit Nicht-Na+-Kanalblockern wie Levetiracetam und Valproat sogar 62,3%. Die Verträglichkeit war unabhängig vom Kombinationspartner gut; Schwindel, Übelkeit und Diplopie zählten zu den häufigsten Nebenwirkungen [1].

 

 

Einzigartiger Wirkmechanismus

 

Ein Grund für die gute Kombinierbarkeit von Lacosamid kann in dem einzigartigen Wirkmechanismus begründet sein. Denn im Unterschied zu klassischen Na+-Kanalblockern verstärkt Lacosamid selektiv die langsame, nicht jedoch die schnelle Inaktivierung von Na+-Kanälen. Dadurch kann die neuronale Übererregbarkeit von Nervenzellen normalisiert werden, ohne die normale physiologische Funktion zu beeinflussen. Die hohe Effektivität konnte tendenziell auch durch erste Interimsdaten aus der Nicht-interventionellen Studie VITOBA gezeigt werden [2]. Am Ende der 6-monatigen Beobachtungsdauer waren 43,4% von 99 Patienten unter der Kombination von Lacosamid mit 1 anderem Antiepileptikum anfallsfrei. Insbesondere Patienten, die Lacosamid bereits nach der ersten Monotherapie in Kombination erhielten, profitierten: 66,7% waren anfallsfrei.

 

 

Chance auf Anfallsfreiheit durch Kombinationstherapie erhöhen

 

Kombinationstherapien tragen, laut Steinhoff wahrscheinlich dazu bei, dass auch Patienten mit schwer behandelbaren Epilepsien eine bessere Chance haben, anfallsfrei zu werden [4]. Antiepileptika der neuen Generation, wie z.B. Lacosamid, belegten in Zulassungsstudien und Studien aus der klinischen Praxis, dass durch die gute Kombinierbarkeit bei vielen Patienten Anfallsfreiheit zu erzielen war [1,2]. Daher gilt: Nicht aufgeben, keine Angst vor der Kombination mit einem wirksamen, verträglichen und interaktionsarmen Medikament.

 

Die Erkenntnisse der Praxis zeigen zudem, dass Nebenwirkungen nicht nur vom Kombinationspartner, sondern oftmals von der bestehenden Basismedikation herrühren können. Mit der 1½ -Therapie, so die Erfahrungen, lassen sich Nebenwirkungen, die durch die Basismedikation auftreten, oftmals reduzieren und die Wirksamkeit der neu eingesetzten Substanz voll ausschöpfen. Nach Hinzufügen des neuen Antiepileptikums wird bei dieser Strategie die Dosis der bestehenden Basismedikation bei Auftreten von Nebenwirkungen bis zu 50% abgesenkt.

 

 

Anmerkungen

 

  • *  Quelle: UCB IMS Kalkulation, Juni 2012.
  • ** Quelle: Satelliten-Symposium „Neue Leitlinien Epilepsie – Praxisrelevanz in Fallbeispielen“, Donnerstag, 27. September 2012, 13.00 -14.30 Uhr, Hamburg

 

 

Literatur  

  1. Sake J-K et al. A pooled analysis of lacosamide clinical trials data grouped by mechanism of action of concomitant epileptic drugs. CNS Drug 2010; 24(12): 1055-1068
  2. Noack-Rink M et al. Lacosamide as add-on to monotherapy in patients with partial-onset seizures: interim results of the post-marketing VITOBA (Vimpat Added to One Baseline AED). Poster UCB Scientific Exhibit, 65th Annual Meeting of the American Epilepsy Society, Baltimore, 2011
  3. Diener HC et al. (Hrsg). DGN- Leitlinien, 2012
  4. Steinoff BJ. InFo Neurologie & Psychiatrie 2012/6: 56-62
  5. Kwan P et al. Seizure, 2000
  6. Beghi E et al. Epilepsy Res 2003

 

Über Vimpat

 

In der Europäischen Union ist Vimpat® (Filmtablette, Sirup und Infusionslösung) für die Zusatzbehandlung fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Epilepsiepatienten ab 16 Jahren zugelassen. Die maximale empfohlene Tagesdosis liegt für Vimpat® in der Europäischen Union bei 400 mg/Tag. Vimpat® Infusionslösung kann eingesetzt werden, wenn eine orale Anwendung vorübergehend nicht möglich ist. Vimpat® hat einen neuen Wirkmechanismus, der sich von den bisher zur Verfügung stehenden Antiepileptika unterscheidet. Der genaue Wirkmechanismus, über den Vimpat® seine antiepileptische Wirkung beim Menschen ausübt, muss noch vollständig aufgeklärt werden

 

 

Über UCB

 

UCB, Brüssel, Belgien (www.ucb.com) ist ein weltweit tätiges biopharmazeutisches Unternehmen, das sich der Erforschung und Entwicklung von innovativer Medizin und Behandlungsmöglichkeiten in den Bereichen Zentrales Nervensystem, Immun- und Entzündungserkrankungen widmet, um Menschen mit schweren Krankheiten eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. UCB erreichte 2011 ein Umsatzvolumen von 3,2 Mrd. € und beschäftigt mehr als 8.000 Mitarbeiter in über 40 Ländern UCB wird an der Euronext Börse in Brüssel gehandelt.

 


 

Quelle: UCB, 27.09.2012 (tB).