Home Epilepsie Antikonvulsive und anxiolytische Therapie mit Pregabalin: Epilepsie, Schmerz und Angst – eng verlinkt, schwer beherrschbar
21 | 10 | 2017
PDF Drucken

Antikonvulsive und anxiolytische Therapie mit Pregabalin

Epilepsie, Schmerz und Angst – eng verlinkt, schwer beherrschbar

 

Hamburg (26. September 2012) - Das herausfordernde Management der eng miteinander verknüpften Krankheitsbilder neuropathische Schmerzen und fokale Epilepsien sowie die Chancen ihrer Behandlung mit Pregabalin (LYRICA®) standen im Fokus eines Satellitensymposiums1, das im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im September 2012 stattfand. Da Pregabalin kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweist, kann es auch bei älteren und multimorbiden Patienten eingesetzt werden. Darüber hinaus eröffnet die seit Kurzem verfügbare flüssige Darreichungsform von Pregabalin die Möglichkeit, Patienten mit zusätzlichen Problemen beim Schlucken von Kapseln zu behandeln2. Aufgrund seines breiten Indikationsspektrums ist Pregabalin auch bei Epilepsiepatienten mit psychiatrischen Komorbiditäten wie Generalisierten Angststörungen eine therapeutische Option.

 

Neuropathische Schmerzen sind komplex. Den unterschiedlichen Phänotypen liegen verschiedene Schmerzmechanismen zugrunde; die Therapieerfolge sind entsprechend limitiert. Aufgrund des zugrundeliegenden Pathomechanismus weisen Patienten unabhängig von der Grunderkrankung charakteristische Symptomprofile auf, berichtete Professor Ralf Baron, Kiel. Mit dem Ansatz der Mechanismen-orientierten Therapie können diese Subgruppen erfolgreich einer individualisierten Therapie zugänglich gemacht werden. In der Praxis könne der painDETECT®-Fragebogen dabei helfen, Neuropathie-Patienten mit bestimmten Symptomprofilen schnell zu identifizieren und sie entsprechend den zugrundeliegenden Mechanismen zu behandeln. Bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen stellt die Behandlung mit Pregabalin einen Mechanismus-orientierten Ansatz dar: Pregabalin wirkt modulierend auf die α2δ-Untereinheit präsynaptischer Kalziumkanäle. Diese Unter-einheit wird im Rückenmark überexprimiert und ist an der Entstehung einer zentralen Sensibilisierung beteiligt3. Durch die Bindung an die α2δ-Untereinheit vermindert Pregabalin laut Baron die spinale Sensibilisierung.

 

 

Zentrale Schmerzen: eine therapeutische Herausforderung

 

Nach der neuen Definition der International Association for the Study of Pain (IASP) ist ein zentraler neuropathischer Schmerz durch eine Läsion oder durch eine Erkrankung des zentralen somatosensorischen Nervensystems bedingt. Schmerzen nach Schlaganfall sind besonders herausfordernd: „Der Schmerz durch eine zentrale Schädigung nach Schlaganfall ist besonders therapierefraktär", konstatierte Professor Thomas Tölle, München. Die Prävalenz ist hoch: Eine Untersuchung aus Dänemark zeigte, dass 7,3% der Schlaganfall-patienten zentrale Schmerzen entwickeln4. Daher empfiehlt Tölle, bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten gezielt auf mögliche Schmerzen zu achten. Typischerweise treten die Schmerzen mit einer Latenz von Wochen bis Monate nach dem Schlaganfall auf – häufig sogar erst dann, wenn sich die Akutsymptomatik bereits verbessert hat – und können durch Emotionen oder Bewegung verstärkt werden. Zentrale Schmerzen wie der Thalamusschmerz gehören dabei zu den am schwierigsten zu behandelnden Schmerzformen. Für die Pharmakotherapie neuropathischer Schmerzen empfiehlt die aktuelle Leitlinie der European Federation of Neurological Sciences (EFNS) unter anderem den Einsatz von Pregabalin und Gabapentin neben bestimmten Antidepressiva als Mittel der Wahl5. Bei Schlaganfallpatienten mit Schmerzen könne auch die neue Darreichungsform von Pregabalin als Lösung zum Einnehmen hilfreich sein, hob Tölle hervor. Damit könnten Patienten mit Problemen beim Schlucken von Kapseln in den Vorteil einer effektiven und gut verträglichen First-Line-Therapie kommen. Die Pharmakotherapie zentraler Schmerzen sollte durch nicht-medikamentöse Verfahren wie Neuromodulation, physikalische Therapie, Ergotherapie, psychologische Therapie oder neurodestruktive Verfahren ergänzt werden.

 

 

Die Tücken der Altersepilepsie

 

Obschon die Inzidenz der Epilepsie nach dem 50. Lebensjahr deutlich ansteigt, ist deren Management häufig schwieriger als bei jüngeren Patienten. Zerebrovaskuläre Erkrankungen sind die wichtigste Ursache von Epilepsien im Alter, erklärte Professor Christian Elger, Bonn. Allerdings könne ein epileptischer Anfall auch ein Prädiktor für einen Schlaganfall sein. Das Hauptproblem von Anfällen im höheren Lebensalter und vor allem bei Patienten mit einem Schlaganfall im Mediastromgebiet sei die postiktale Phase, die viele Stunden anhalten könne. Eine postiktale Phase könne verschiedene neurologische Erkrankungen vortäuschen, insbesondere nach einem Schlaganfall, erinnerte Elger. Verwirrtheitszustände seien oftmals das einzige Zeichen eines epileptischen Anfalls. In Fällen plötzlich auftretender Verwirrtheit muss daher an einen epileptischen Anfall oder einen nicht-konvulsiven Status gedacht werden.

 

 

Komorbiditäten der Epilepsie berücksichtigen

 

Patienten mit schwer behandelbaren Epilepsien leiden häufig an zusätzlichen Komorbiditäten wie Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen, Psychosen, kognitiven Störungen oder Persönlichkeitsstörungen, berichtete Professor Bernhard J. Steinhoff, Kehl-Kork. Eine aktuelle Untersuchung bei 285 Epilepsiepatienten im Epilepsiezentrum Kehl-Kork habe ergeben, dass 36,8% der Patienten eine psychiatrische Komorbidität aufwiesen, allen voran affektive und neurotische Störungen. Nur 35% von ihnen erhielten eine adäquate psychiatrisch orientierte Zusatztherapie – und das, obschon die Symptomatik in manchen Fällen schon seit Jahrzehnten bestand. „Epilepsiepatienten werden offensichtlich nach wie vor nicht angemessen psychiatrisch behandelt“, konstatierte der Experte. Nicht immer ist eine Mehrfachmedikation erforderlich. Das Antikonvulsivum Pregabalin beispielsweise könne nicht nur die Anfallsfrequenz als Zusatztherapie bei partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung reduzieren, sondern auch bei komorbidem neuropathischem Schmerz, schmerzbedingten Schlafstörungen und generalisierten Angststörungen günstige Zusatzeffekte erzielen, hob Steinhoff hervor. 3

 

 

Referenzen  

  1. Satellitensymposium „Epilepsie und Schmerz – enger verlinkt als gedacht?“ im Rahmen des 85. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Hamburg, 26. September 2012
  2. Fachinformation LYRICA® Lösung zum Einnehmen, Stand November 2011
  3. Bauer CS. J Neurosci 2009; 29: 4076–4088
  4. Klit H et al. Pain 2011; 152: 818-824
  5. Attal N et al. Europ J Neurology 2010; 17:1113-e88

 

Pfizer – Gemeinsam für eine gesündere Welt

 

Pfizer erforscht und entwickelt mit weltweit über 100.000 Mitarbeitern moderne Arzneimittel für alle Lebensphasen von Mensch und Tier. Mit einem der höchsten Forschungsetats der Branche setzt der Weltmarktführer mit Hauptsitz in New York neue Standards in Therapiegebieten wie Krebs, Entzündungskrankheiten, Schmerz oder bei Impfstoffen. Pfizer erzielte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 67,8 Milliarden US-Dollar.

In Deutschland beschäftigt Pfizer derzeit rund 4.000 Mitarbeiter an vier Standorten: Berlin, Freiburg, lllertissen und Karlsruhe.

 


 

Quelle: Pfizer, 05.11.2012 (tB).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson