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Assoziation von Proteinzufuhr im Säuglings- und Kindesalter mit späterem Risiko für Übergewicht

 

Leipzig (17. Juni 2010) - Auf der Suche nach den Ursachen für den seit Jahren kontinuierlichen Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen, werden zunehmend mögliche Einflüsse sowohl der pränatalen Ernährung als auch der Ernährung in der Säuglingsphase sowie in der frühen Kindheit diskutiert und untersucht. Hierbei kommt aufgrund von bisher vorliegenden Befunden der täglichen Proteinaufnahme eine zentrale Bedeutung zu. Die sogenannte "early protein hypothesis" besagt, dass eine hohe, über dem metabolischen Bedarf liegende Proteinzufuhr in der frühen Lebensphase hormonale Regulationsmechanismen und den Stoffwechsel so programmiert, dass später mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Übergewicht beziehungsweise eine Adipositas auftreten. Beim Kongress „Ernährung 2010“ (17. bis 19. Juni 2010 in Leipzig) hat das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) seinen Förderpreis an Dr. Anke Günther von der Hochschule Fulda für ihre Forschungen in diesem Bereich verliehen.

 

Ausgehend von den bisher bekannten, die "early protein hypothesis" stützenden, Befunden hat die Preisträgerin des „Förderpreis des Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V.“ Dr. Anke Günther eine Arbeit mit dem oben genannten Titel vorgelegt. Die Befunde wurden am "Forschungsinstitut für Kinderernährung" in Dortmund basierend auf den Langzeitdaten der "Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study (DONALD Studie)" erarbeitet. Diese Untersuchungen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie die Ernährung der Kinder zu mehreren Zeitpunkten erfassen, den Körperfettanteil und den Beginn der Pubertät als Zielgrößen mit einbeziehen und die Bedeutung verschiedener Proteinquellen untersuchen.

Sowohl in der frühen als auch in der mittleren Kindheit betrug die Gesamtproteinaufnahme das zwei- bis dreifache der Referenzwerte. Ab dem Ende des ersten Lebensjahres waren etwa zwei Drittel des Nahrungsproteins tierischen und ein Drittel pflanzlichen Ursprungs. Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse von insgesamt vier mittlerweile publizierten Studien kurz zusammengefasst:

Studie 1: Kinder mit einer hohen Proteinzufuhr im Alter von zwölf Monaten hatten mit sieben Jahren einen höheren prozentualen Körperfettanteil und einen höheren Body-Maß-Index (BMI).

Studie 2: Lag die Proteinzufuhr mit 12 Monaten hoch (im Mittel >14% der Energiezufuhr) und blieb sie bis zum 18.-24.Monat auf diesem hohen Niveau, so fand sich mit sieben Jahren ein mehr als 2-fach erhöhtes Risiko für einen BMI oder einen Körperfettanteil über der 75 Perzentile. Als Ursache für diesen Effekt einer hohen Proteinzufuhr wird eine vermehrte Stimulation der Sekretion von Insulin und des Wachstumsfaktors "insulin-like growth factor-I (IGF-I)" diskutiert.

Studie 3:In Bezug auf unterschiedliche Proteinquellen ergaben die Analysen, dass vor allem eine hohe Zufuhr an tierischem Protein mit 12 Monaten und auch mit 5-6 Jahren, später mit einem höheren Körperfettanteil einher ging.

Studie 4: Die Auswertung von Daten der DONALD-Studie ergab weiterhin, dass eine hohe Aufnahme von tierischem Protein in der mittleren Kindheit (etwa 5-6 Jahre) mit einem früheren Beginn des pubertären Wachstumsspurts, mit einer frühen maximalen Wachstumsgeschwindigkeit, sowie einer früheren Menarche bzw. einem früheren Stimmbruch einher geht. Eine hohe Zufuhr von pflanzlich-em Protein, scheint verzögernd auf den Beginn der Pubertät zu wirken.

Diese Ergebnisse bieten wichtige Ansatzpunkte für Konzepte der frühen primären und sekundären Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen und von damit in Verbindung stehenden gesundheitlichen Entwicklungen.


Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE)

Das IDE wurde im November 1992 durch die Danone GmbH gegründet und ist mit weiteren 17 eigenständigen Danone-Instituten weltweit in ein internationales Netzwerk eingebunden. Es ist eine unabhängige wissenschaftliche Institution, die ausgewählte Forschungsprojekte der Bereiche Ernährungswissenschaft und -medizin fördert. Bis heute wurden über 160 Projekte unterstützt. Darüber hinaus leistet das Institut Ernährungsaufklärung unter strikter Wahrung der Produkt- und Firmenneutralität: Speziell für Journalisten wird in jedem Jahr ein wissenschaftlicher Workshop zu einem aktuellen Thema veranstaltet. Für verschiedene Zielgruppen werden anschauliche Materialien über praktisches Ernährungswissen erstellt. Das IDE bietet damit Wissenschaftlern, Ärzten, Ernährungsfachkräften und anderen Interessierten Zugang zu aktuellen ernährungswissenschaftlichen, und -medizinischen Erkenntnissen. Weitere Informationen unter www.institut-danone.de.


Literatur

  1. Günther ALB, Buyken AE, Kroke A. Protein intake levels during the period of complementary feeding and early childhood and the association with body mass index and percentage body fat at 7 y of age. Am J Clin Nutr 2007; 85: 1626-1633
  2. Karaolis-Danckert N, Günther ALB, Kroke A, Hornberg C, Buyken AE. How dietary factors modify the effect of rapid weight gain in infancy on subsequent body-composition development in term children whose birth weight was appropriate for gestational age. Am J Clin Nutr 2007; 86: 1700-170
  3. Günther ALB, Remer T, Kroke A, Buyken AE. Early protein intake and later obesity risk: Which protein sources at which time points throughout infancy and childhood are decisive for body mass index and body fat percentage at 7 y of age? Am J Clin Nutr 2007; 86: 1765-1772
  4. Günther ALB, Karaolis-Danckert N, Kroke A, Remer T, Buyken AE. Dietary protein intake throughout childhood is associated with the timing of puberty. J Nutr 2010; 140: 565-571

 


Quelle: Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (Fleishman Hillard) (tB).