Home Glaube und Ethik Kirche "Gute Theologie und die Kirche der Freiheit" - Vortrag Bischof Hubers anlässlich des 40. Todestages von Karl Barth
11 | 12 | 2017
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"Gute Theologie und die Kirche der Freiheit"

Vortrag Bischof Hubers anlässlich des 40. Todestages von Karl Barth

 

Hannover / Berlin / Basel, Schweiz (12. Dezember 2008) - Was sind Kriterien für eine gute Theologie? Das Charisma des Theologen, die Bindung der Theologie an die Wirklichkeit der Kirche und die gleichzeitige Beheimatung am Ort der Wissenschaft, das Reden von Gott unter Berücksichtigung globaler Pluralität und die Bewegung der Theologie in der "Kirche der Freiheit" – dies sind vier Gesichtspunkte, die der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, bei der Bestimmung guter Theologie als entscheidend skizziert. Diese Aspekte einer guten Theologie umriss er am Freitag, dem 12. Dezember, beim Symposium "Theologie als kirchliche Dogmatik? Transatlantische Erkundungen zur Aktualität der Theologie Karl Barths im 21. Jahrhundert", das zum 40. Todestag Barths in Basel stattfand.

 

Karl Barth sei ein entscheidendes Beispiel der "personalen Dimension" guter Theologie, betonte Huber. Allerdings verbiete es sich, die Positionen von wichtigen Lehrern der Theologie absolut zu setzen: "Ein guter Theologe zu sein bedeutet, stets ein Lernender zu bleiben." Entscheidend ist für den Ratsvorsitzenden auch, die Feststellung des Inhalts des Evangeliums nicht dem "Erlebnis" des Einzelnen zu überlassen. Unabdingbar seien überdies geschichtliches Wissen und kritisches Nachdenken. Bestätigt sieht Huber seine These von der unlösbaren Gebundenheit guter Theologie an denjenigen, "der Theologie treibt" auch durch die Tatsache, dass herausragende Theologen wie etwa Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer und Paul Tillich über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus "diesseits und jenseits des Atlantiks" theologisches Denken zu stimulieren vermochten.

 

"Gute Theologie ist ohne ein Ja zur Kirche weder denkbar noch lebbar", betonte der Ratsvorsitzende mit Blick auf den "Ort" einer guten Theologie. Als besonderes Charakteristikum der christlichen Theologie identifizierte er den "Brückenschlag zwischen der Bindung an die Kirche und der Bindung an Orte der Wissenschaft" wie etwa Universitäten. Nach evangelischem Verständnis sei Theologie selbst eine Teilhabe am Lehramt der Kirche; damit gelte sie als eine "praktische Wissenschaft", die, so der Ratsvorsitzende "auch für uns Heutige eine bleibende Orientierungskraft entfalten kann".

 

Zwischen Theologie und Kirche machte Huber eine doppelte Bindung aus: Die Theologie sei auf die Aufgaben der Kirchenleitung ausgerichtet, "nämlich darauf, dass ihre Kenntnisse und Kunstregeln angeeignet und gebraucht werden". Umgekehrt sei die Kirchenleitung auf Theologie angewiesen, "nämlich darauf, dass ihr praktisches Handeln kritisch auf sein Zusammenstimmen mit den entsprechenden Kenntnissen und Kunstregeln überprüft wird".

 

Angesichts der institutionellen Trennung von Theologie und Kirche könnten die Theologie zur kritischen Instanz der kirchlichen Praxis, und die Kirchenleitung zur kritischen Instanz der Theologie werden. Diese kritische Verbundenheit sieht der Ratsvorsitzende indes nur "unter der Voraussetzung der Freiheit wirklich fruchtbar". Nur unter der Bedingung der Freiheit könne sich die Verpflichtung der Theologie auf die Wahrheit entfalten; ohne diese Wahrheitspflicht würde die Theologie zuallererst gegenüber ihrem Auftrag zum Dienst an der Kirche versagen.

 

"Gute Theologie redet von Gott" – so überschrieb der Bischof seine Ausführungen zum wichtigsten "Thema" guter Theologie. "Dazu holt sie ihre Inspiration aus der Bibel und erhält dafür Orientierung aus der kirchlichen Tradition." Allerdings müsse christliche Selbstverständigung dem ökonomischen, kulturellen und auch religiösen Charakter der Interdependenz in der Welt Rechnung tragen: "Die Wahrnehmungsfähigkeit heutiger Theologie muss sich nicht nur auf andere konfessionelle Gestalten des Christentums und auf die Ausprägungen des Christentums in anderen Kontinenten ausdehnen; sie muss sich ebenso mit anderen Religionen, weltanschaulichen Überzeugungen und nichtreligiösen Lebensformen auseinandersetzen." In dieser "Doppelaufgabe der Beheimatung im Eigenen und der Wahrnehmung des Fremden" sieht Huber die heutige theologische Herausforderung. Gelöst werde diese Aufgabe weder dadurch, dass man im Zuge einer allgemeinen Religionshermeneutik die Differenz religiöser Haltungen zum Verschwinden bringe, noch dadurch, dass man sich in das Schneckenhaus der eigenen Tradition verkrieche. Theologie rede, in dem sie von Gott rede, zugleich vom Menschen, unterstrich der Bischof. Sie reflektiere, dass und wie der Mensch sich in seiner Beziehung zu Gott wahrnehme. Vor diesem Hintergrund hob Huber hervor, dass gute Theologie durch ein "spezifisches Grenzbewusstsein" geprägt ist: Sie stelle – zum Beispiel hinsichtlich der Möglichkeiten der modernen Medizin - die Frage, welche Grenzen menschlichen Bemächtigungsansprüchen gestellt sind.

 

Im Blick auf die Frage nach dem "Weg" guter Theologie unterstrich Huber: "Wer einsieht, dass der Glaube sich für sein Verstehen der menschlichen Vernunft bedient, wird auch nicht davor zurückscheuen, dass er für seine Darstellung von den Möglichkeiten menschlicher Kultur Gebrauch macht." Evangelische Theologie müsse daher nicht davon ausgehen, die Freiheit der Offenbarung durch eine Befreiung von der kulturellen Gestalt sichern zu müssen, in der sie sich vermittle. Vielmehr sei die Freiheit des Glaubens nicht nur als Freiheit von der Welt, sondern auch als Freiheit in der Welt, nicht nur als Freiheit von der Kultur, sondern auch als Freiheit zur Kultur zu verstehen.

 

Vor dem Hintergrund der Kirchenreform in evangelischem Verständnis sei die Kirche, die "sichtbare, erfahrbare Gemeinschaft der Glaubenden", nach Hubers Auffassung als "Kirche der Freiheit" gestaltet. Der Ratsvorsitzende betonte: "Eine Kirche, die aus der Freiheit des Wortes lebt und sich in der Freiheit unter dem Wort bewährt, muss auch als Kirche der Freiheit erkennbar sein." Zwar sei Kirche nicht "machbar", da im Zentrum des kirchlichen Selbstverständnisses das Element der Unverfügbarkeit stehe. "Aber das schließt das Gestalten des Verfügbaren nicht aus." Nicht Resignation gegenüber erwartbaren Entwicklungen, sondern konkretes theologisches Handeln sei die Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. Der Ratsvorsitzende unterstrich dabei den Auftrag zur Mission, der sich "nicht nur anderwärts, sondern auch im eigenen Land stellt."

 

 

Text des Vortrags von Bischof Wolgang Huber im Wortlaut unter

http://www.ekd.de/vortraege/081212_huber_basel.html

 


 

Quelle: Presseinformation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 12.12.2008.

 
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