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Bundesweit erste Patientenverfügung in Gebärdensprache erschienen

 

gebaerdendolmetscherinBielefeld (6. Juli 2009) - Für Gehörlose gibt es jetzt erstmals eine Patientenverfügung in Gebärdensprache. Zu dem Dokument gehört eine DVD, auf der eine Gebärdendolmetscherin die Patientenverfügung übersetzt, wie die Evangelische Kirche von Westfalen in Bielefeld mitteilte. Zusätzlich laufe der Text in Schriftsprache als "Untertitel" neben dem Bild mit. Die Patientenverfügung kann durch Streichungen und Ergänzungen individuell formuliert werden. Ein Beiheft erkläre die wichtigsten medizinischen Begriffe in gebärdensprachlich orientierter Schriftsprache. Mit der speziellen Patientenverfügung können die Betroffenen nun klar ihren Willen im Fall einer tödlichen Krankheit oder Langzeitkoma zum Ausdruck bringen. Das Dokument ist an der so genannten Christlichen Patientenverfügung der evangelischen und katholischen Kirche orientiert. Der Bundestag hat am 18. Juni ein Patientenverfügungsgesetz beschlossen. Danach sind schriftliche Patientenverfügungen für Ärzte und Angehörige verbindlich.

 

Patientenverfügungen haben seit dem 18. Juni eine größere rechtliche Verbindlichkeit als bisher. Nun gibt es in Deutschland zum ersten Mal eine besondere Form dieses Dokuments, das auch gehörlosen Menschen die Möglichkeit eröffnet, ihren Willen für den Fall tödlicher Krankheit eindeutig zum Ausdruck zu bringen: Westfälische Gehörlosenseelsorger haben eine Patientenverfügung entwickelt, die aus einem Gebärdenfilm besteht. Am Montag (29. Juni) wurde die „Patientenverfügung und Vollmacht für die medizinische Betreuung für Gehörlose” in Bielefeld der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Eine völlig andere Sprache

Weil die Gebärdensprache eine völlig andere Sprache ist und man nicht davon ausgehen kann, dass alle gehörlosen Menschen geschriebene Texte verstehen, sei es an der Zeit gewesen, die christliche Patientenverfügung als Gebärdenfilm heraus zu bringen, erläutert Pfarrer Benno Weiß (Siegen), der Beauftragte für Gehörlosenseelsorge der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).

 

So werde die Kommunikationslücke, die zwischen Arzt und gehörlosem Patienten entstehen könne, wirksam geschlossen, meint sein Kollege Christian Schröder und fügt hinzu: "Die Gebärdensprache ist die Muttersprache der Gehörlosen.  "

 

Beiheft enthält alle wichtigen Erklärungen

Alle Aussagen der Patientenverfügung werden durch eine Gebärdensprach-Dolmetscherin dargestellt. Angela Brunner übersetzt sie in einem Film, der als DVD Bestandteil des Gesamtdokuments ist. Der Text in Schriftsprache läuft als „Untertitel” mit, ist aber auch in gedruckter Form mit Formularen zum Ausfüllen vorhanden. Ein zweites Beiheft enthält Erklärungen der wichtigen Begriffe in „gebärdensprachlich orientierter Schriftsprache".

 

Das westfälische Produkt darf übernommen werden

Die Fassung für Gehörlose wurde in einer Auflage von tausend Stück hergestellt, die Kosten von 4.250 Euro trägt die EKvW. Gehörlosenseelsorger anderer evangelischer Landeskirchen in ganz Deutschland können das westfälische Produkt ohne Lizenzgebühren übernehmen; Anfragen liegen bereits vor.

 

In der EKvW leben rund 2.600 gehörlose Menschen in 30 Gemeinden. Jeder der 31 westfälischen Kirchenkreise hat einen Beauftragten für die Seelsorge an Gehörlosen.

 

 

Download 

 

Video: Die Einleitung zur Patientenverfügung für Gehörlose (15,7 MB)

 

 

PDF: Die Christliche Patientenverfügung in Schriftsprache patientenverfuegung_formular.pdf patientenverfuegung_formular.pdf (890.33 KB)


 

Quelle: Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 06.07.2009.