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Systematische Strategien zur weltweiten Islamisierung

 

Bonn (3. Mai 2010) - Auf die systematischen Anstrengungen internationaler islamischer Organisationen, die Einladung (da'wa) zu einem universal und politisch verstandenen Islam weltweit zu verstärken, macht Albrecht Hauser vom Institut für Islamfragen aufmerksam. Dabei gehe es nicht nur darum, den islamischen Glauben zu verkünden, sondern auch darum, zunehmend islamischen Rechtsvorstellungen Einfluss zu verschaffen und sie in der Gesellschaft zu verankern. Der Großteil des Geldes für die weltweite Islammission kommt aus den reichen Ölstaaten der Golfregion. Im Dezember 2005 hat der saudische König Fahd auf seiner Webseite erklärt, durch seine persönlichen Anstrengungen bereits 210 islamische Zentren, mehr als 1.500 Moscheen und mehr als 2.000 muslimische Schulen etabliert zu haben. Der frühere saudische Großscheich Ibn Baaz hat Ende der Neunziger die weltweite Schaffung spezieller Institutionen für die islamische Da'wa gefordert, um die göttliche Botschaft und Ordnung mit allen möglichen Mitteln zu verbreiten und zu vermitteln.

 

 

Islam als die natürliche und vernünftige Urreligion der Menschheit

 

Der missionarische Anspruch des Islam findet sich in mehreren Koranstellen. In Sure 116, Vers 125 heißt es: "Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und streite mit ihnen auf die beste Art. Dein Herr weiß besser, wer von seinem Weg abirrt, und Er weiß besser, wer die sind, die der Rechtleitung folgen." Laut Sure 3, Vers 110 sind die Muslime die "beste Gemeinschaft" unter den Menschen, die das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten. Den islamischen Missionaren gelten der Koran als fehlerlose himmlische Urschrift und das Leben des Propheten als absolutes und nicht hinterfragbares Vorbild in allen Lebensfragen. Wer Muslim wird, kehrt aus ihrer Sicht zur natürlichen und vernünftigen Urreligion der Menschheit zurück.

 

 

Gesetzliche Ächtung jeglicher Islamkritik als Gefährdung des Weltfriedens

 

Für die meisten Erweckungsprediger ist der Islam daher die Lösung für alle politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme. Wer den Islam kritisiert oder sich gegen die weltweite Durchsetzung seiner Bestimmungen ausspricht, gefährdet folglich Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Die Organisation islamischer Staaten (OIC) versucht daher auf ihre 57 Mitgliedsstaaten sowie die westlichen Regierungen gezielt Druck auszuüben, damit jegliche Kritik am Islam durch gesetzliche Androhung empfindlicher Strafen unterbunden wird. Im UNO-Menschenrechtsrat hat sie mithilfe von Resolutionen gegen die Diffamierung von Religionen erfolgreich durchgesetzt, dass Menschenrechtsverletzungen im Namen der Scharia nicht mehr thematisiert werden. Wer vom Islam abfällt oder einzelne seiner Prinzipien kritisiert oder verletzt, soll sich nach den Plänen der OIC künftig nicht mehr auf Menschenrechte wie die Religions- oder Meinungsfreiheit berufen können.

 

 

Prozess der Islamisierung: Von der beherrschten Minderheit zur herrschenden Mehrheit

 

Bereits in den Achtzigern haben islamische Missionare und Meinungsbildner im Westen die Notwendigkeit betont, ihre Botschaft zu "kontextualisieren", um vermeintliche Vorurteile gegenüber dem Islam zu entkräften und ein positiveres Bild ihrer Religion zu entwerfen. Das heißt: Der Inhalt bleibt, die Präsentation wird angepasst. Zum Beispiel wird nicht mehr von einem islamischen Staat gesprochen, sondern die Schaffung einer gerechten Weltordnung gefordert. Diese soll sich aber auf die Unterwerfung unter den einen Gott und den Gehorsam gegenüber seinen Gesandten stützen. Oder wenn es um Fragen von Toleranz und Gewalt im Islam geht, wird vornehmlich auf die milden Verse aus der mekkanischen Lebensphase Muhammads verwiesen. Damals befand sich Muhammad mit seinen ersten Anhängern noch in der Minderheitenposition. Die eindeutigen Aufrufe zum gewaltsamen Kampf gegen die Ungläubigen aus der medinensischen Zeit Muhammads als politischen und militärischen Führers bleiben in diesem Kontext meist unerwähnt. Das bedeutet aus Sicht Hausers aber keineswegs, dass man sich von diesem politischen Erbe des Islam lösen wolle. Einflussreiche Vordenker der islamischen Da'wa in Europa, wie der ägyptische Gelehrte Yusuf al-Qaradawi, sehen die Muslime im Westen vielmehr in einem Prozess der Erweckung. Muslime in Nordamerika und Europa sollen dabei Muhammad und seinen ersten Anhängern nacheifern, die nach der Auswanderung von Mekka nach Medina 622 n. Chr. von der beherrschten Minderheit zur herrschenden Mehrheit wurden. Der gewaltsame Jihad ist für al-Qaradawi derzeit weder praktikabel noch notwendig. Er ist überzeugt, dass die Muslime Europa friedlich mit den Mitteln der Predigt und Ideologie erobern werden, nachdem sie zuvor zweimal vertrieben worden sind.

 

 

Scharia als Befreiung für die Frau und das Kopftuch als Zeichen der Emanzipation

 

Als weiteren einflussreichen Vertreter einer europäischen Kontextualisierung des Islam nennt Hauser den Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan. Der Enkel Hasan al-Bannas, des Gründers der ägyptischen Muslimbruderschaft, definiert die Scharia nicht länger als "politische Ordnung", sondern als "globales Konzept der Schöpfung". Statt den ungläubigen Westen als "Haus des Krieges" zu definieren, spricht er vom "Haus des Zeugnisses". Gegenüber Feministinnen beschreibt er die Schariavorgaben als Befreiung für die Frauen. Das Kopftuch wird zum Symbol der Emanzipation erklärt. Linksorientierten Globalisierungskritikern verspricht Ramadan einen islamischen Sozialismus. Auf diese Weise versucht er, die Moderne mit dem Islam zu versöhnen und europäische Werte zu islamisieren, ohne die fundamentalen Prinzipien des Islam infrage zu stellen.

 

Beim Sichten verschiedener islamischer Quellen fiel Hauser auf, dass die in jüngster Zeit zunehmenden islamischen Dialog-Initiativen als integraler Bestandteil der Da'wa gesehen werden.  Nach seiner Einschätzung besteht die große Herausforderung für Europa in der Zukunft darin, zwischen den vorübergehenden und langfristigen Zielen islamischer Missionare und Erweckungsprediger zu unterscheiden. Dabei dürften insbesondere die geschickten Strategien der begrifflichen Kontextualisierung nicht über den unveränderten Anspruch hinwegtäuschen, Staat und Religion unter dem Dach der Scharia zu vereinen. Dem organisierten und politischen Islam gehe es darum, zunehmend Einfluss auf das Denken und Handeln von Staat und Gesellschaft zu nehmen.

Link zum Thema Islam

www.islaminstitut.de


Download zum Thema Christen und Muslime (darin Kapitel 4: Muslime im Evangelischen Krankenhaus oder Altersheim):

Christen und Muslime - Eine Orientierungshilfe für die evangelischen Gemeinden in Westfalen (2008) - http://www.ekd.de/bilder/themen_texte/Christen_und_Muslime_Nachruck_4-2008_Screen.pdf


 

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Islamfragen, 03.05.2010 (tB).