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Osterbotschaft

„Kreuz und Auferstehung Christi machen den Kopf frei für das Wesentliche“

 

Hannover (8. April 2012) - „Ostern bietet für uns die Gelegenheit innezuhalten und zu fragen: Was ist wirklich wichtig? Worauf kann ich vertrauen, worauf kann ich mein Leben gründen? Wo lohnt sich meine Entrüstung, weil Menschen in ihrer Würde und ihrer Freiheit gefährdet sind, weil Leid und Elend ‚zum Himmel schreien‘? Ostern schärft den Blick für die Not anderer und für Gottes Gerechtigkeit auf dieser Erde.“ Das sagt der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, in seiner diesjährigen Osterbotschaft. „Kreuz und Auferstehung Christi machen den Kopf frei für das Wesentliche“, so Schneider.

 

„Der Osterglaube trennt das wirklich Wichtige vom Unwichtigen. Das relativiert unsere Aufgeregtheiten und ruft uns zur Besinnung auf das Wesentliche. Gott eröffnet für die Welt und für alle Menschen durch Jesu Leben, Sterben und Auferstehen einen Weg, selig – also von Gott begleitet – zu leben und zu sterben.

 

Zu Ostern geht es um alles – es geht um Leben und Tod. An Kreuz und Auferstehung Christi zeigt sich: Gott macht lebendig. Gott ist in die Welt gekommen, er ist Mensch geworden und er durchlebt das menschliche Leben bis zum Tod am Kreuz. Gottes Weg führt durch den Tod hindurch zu neuem Leben. Deshalb feiern wir Ostern, gerade angesichts aller Karfreitage in unserer Welt.

 

An Skandalen oder dem, was wir dafür halten, an Empörungszyklen und raschen Schuldzuweisungen leiden wir keinen Mangel. Leicht erregbar scheint unsere Gesellschaft zu sein – kaum wird ein Skandal gewittert, entflammt das Entrüstungsfeuer. Über soziale Netzwerke verbreitet sich Empörung in Minutenschnelle. Viel zu viele schließen sich ohne Überprüfung oder Nachdenken an. Wie wohltuend ist dann eine besonnene Stimme von Menschen, die durch ihren Osterglauben befähigt sind, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden.

 

An Ostern geht es um den Sieg des Lebens über den Tod: Der Tod, radikaler und ultimativer Ausdruck menschlicher Sünde, hat nicht das letzte Wort. Kann es eine wichtigere Botschaft geben?

 

Das bleibt wahr, auch wenn wir wissen: Die Auswirkungen der Sünde sind noch immer und überall in der Welt und in unserem Leben zu sehen. Weil Gott ihre absolute Macht durch Christus gebrochen hat, müssen wir uns damit nicht abfinden. Gott ermutigt und befähigt uns zur Gestaltung einer gerechteren Welt. Christinnen und Christen werden von der Verheißung unzerstörbaren Lebens getragen und werden gleichsam zu einem „Brief Christi“.

 

Ostern eröffnet einen realistischen Blick auf die Welt und die Menschen. Menschen werden im Hier und Jetzt nicht das Paradies errichten können. Also sollten wir an Menschen auch nicht Heilserwartungen richten, nicht an Politikerinnen, nicht an Prominente, nicht an Sportlerinnen – das kann sie nur maßlos überfordern.

 

An Karfreitag und Ostern hat Gott die Welt schon gerettet, uns Menschen erlöst. Kein anderes Opfer, aber auch kein anderer Heilsbringer sind mehr nötig.“

 

 

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Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), 08.04.2012. (tB)