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Systematische Überbewertung deutscher Pflegeeinrichtungen

Kritik an Pflege-TÜV

 

Bonn (5. Februar 2015) - Die Kritik am Pflege-TÜV reißt nicht ab. Gesundheitspolitiker jeder Couleur sowie Vertreter der Pflegebranche bemängeln zu Recht die systematische Überbewertung deutscher Pflegeeinrichtungen. Dies verhindere nach Ansicht von Ilse Müller, Vorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, eine realistische Leistungsschau für Betroffene und Angehörige. 2009 war der TÜV eingeführt worden und bewertet seitdem sämtliche 12.000 Pflegeheime sowie 12.000 ambulante Dienste anhand eines festgelegten Scoring-Modells.


„Die unrealistische Durchschnittsnote von 1,3 konnte nur durch die mögliche Aufhebung schlecht bewerteter Einzelaspekte der Pflegeleistung durch „Schönwetterkriterien“ wie Freizeitangebote, gute Speisepläne oder die Gestaltung der Speiseräume zustande kommen. Eine mögliche Weiterentwicklung der Scoring-Systematik muss dazu führen, dass K.O.-Kriterien entwickelt werden, die die Qualität und das Angebot von Pflegeeinrichtungen transparent darstellen und Betroffenen die notwendige Orientierung bei der Auswahl der passenden Einrichtung erleichtern. Diese Kriterien dürfen nicht kompensierbar sein und müssen ohne Aggregationsmöglichkeit isoliert betrachtet werden. Wir benötigen einen konstruktiven, nicht zerstörerischen Wettbewerb der Pflegeeinrichtungen zum Wohle der Betroffenen. Das setzt konsequente Maßnahmen zur Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen voraus, bessere Löhne und eine generelle Entschlackung der bürokratischen Zusatzbelastungen des Pflegepersonals. Pflege muss als Berufsfeld höhere gesellschaftliche Anerkennung erfahren“, so Ilse Müller.


Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH ist die größte deutsche Fachorganisation auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Weiterhin bietet der BDH rechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an. Die stationäre neurologische Rehabilitation nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten. Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken. Dazu kommen das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das Neurologische Therapie- und Beratungszentrum Ortenau in Offenburg.

 


Quelle: BDH Bundesverband Rehabilitation, 05.02.2015 (tB).