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Generalistische Pflegeausbildung: „Es ist noch nicht entschieden!“

Köln (2. Juni 2016) - Am vergangenen Montag hat die Anhörung zum neuen Pflegeberufsgesetz in den zuständigen Ausschüssen Gesundheit und Familie im Bundestag in Berlin statt-gefunden. Mehr als 60 Verbände und Einzelsachverständige waren eingeladen. Pflege- und Lehrerverbände, die Pflegewissenschaft und viele Wohlfahrtsverbände, die eine besondere Nähe zu den Pflegeberufen haben, haben sich in der Anhörung durchgängig für die gemeinsame Pflegeausbildung ausgesprochen. Prof. Dr. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP), Einzelsachverständiger und Befürworter der neuen Pflegeausbildung ist sich sicher: „Auch wenn von Gegnern der gemeinsamen Pflegeausbildung im Nachgang der Anhörung Gerüchte gestreut wurden, dass die Generalistik bereits gescheitert sei, wird jetzt erst einmal weiterberaten und dann erst entschieden!“

Weidner geht davon aus, dass in den nächsten Wochen erst einmal die zahlreichen schriftlichen Eingaben der Verbände und Sachverständigen zum Gesetzentwurf von den Ausschüssen gründlich geprüft werden müssen. Es bestehen noch Klärungsbedarfe in einigen Details. Auch die angekündigte Ausbildungs- und Prüfungsverordnung steht noch aus. Daher ist auch vor der Sommerpause nicht mehr mit einer Entscheidung des Bundestages zu rechnen. Weidner: „Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die CDU/ CSU-Bundestagsfraktion so unklug ist, sich jetzt ohne Not gegen den Gesetzentwurf des Kabinetts zu stellen und damit ihre eigene Hausspitze im Gesundheitsministerium zu demontieren!“ Die Meldungen in einigen Medien, dass Gesundheitsminister Gröhe (CDU) bereits den Gegnern gegenüber Zugeständnisse gemacht habe, hält Weidner für ein Fake. „Das ist doch ein übliches Spiel, wenn es um solche wichtigen Entscheidungen geht. Da werden dann gerne mal ein paar Verneblungsaktionen gestartet.“ Weidner rät allen Abgeordneten jetzt Ruhe und einen kühlen Kopf zu bewahren und wie geplant bei der Sache zu bleiben.

Der geplanten neuen Pflegeausbildung war eine Vielzahl von wissenschaftlichen Modellprojekten vorangegangen, die sämtlich gezeigt haben, dass eine gemeinsame Pflegeausbildung erhebliche Vorteile bietet. Auch international ist die sogenannte generalistische Pflegeausbildung Standard. „Es gibt kein anderes Land in Europa, dass sich so wie Deutschland gleich drei Pflegeausbildungen nebeneinander leistet!“, sagt Weidner. Hintergrund ist, dass die Bundesregierung 2013 im Koalitionsvertrag vereinbart hat, die drei bislang nebeneinander bestehenden Pflegeausbildungsberufe zur Kinderkranken-, Alten- und Krankenpflege in einem gemeinsamen Beruf zusammenzuführen. Dazu hatte im Januar dieses Jahres das Bundeskabinett den Gesetzentwurf einer neuen, einheitlichen Pflegeausbildung verabschiedet und auf den Weg gebracht. Noch vor kurzem hatte sich der Verwaltungsrat des DIP einstimmig für die Generalistik ausgesprochen.


Quelle: Deutsches Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP), 02.06.2016 (tB).