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Erste deutschsprachige S3-Leitlinie zur Hormontherapie in und nach den Wechseljahren 

 

Berlin (7. September 2009) - Heute ist im Rahmen einer Pressekonferenz die erste interdisziplinäre evidenzbasierte Leitlinie zur Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HT) veröffentlicht worden. Die neue Stufe-3 (S3)-Leitlinie wurde unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) entwickelt. Prof. Dr. Olaf Ortmann arbeitete als Koordinator des Prozesses gemeinsam mit Mandatsträgerinnen und -trägern von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden, Arbeitsgemeinschaften und Selbsthilfegruppen etwa zwei Jahre an der S3-Leitlinie.

 

Frauen in den Wechseljahren suchen häufig ärztliche Beratung, um sich über eine Hormontherapie mit Östrogenen - gegebenenfalls auch in Kombination mit Gelbkörperhormonen - zu informieren. Sie erwarten von dieser Behandlung eine Linderung der Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüche und dadurch womöglich eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. Häufig stellen betroffene Frauen Fragen über denkbare präventive Wirkungen einer Hormontherapie auf Erkrankungen, die nach den Wechseljahren (Postmenopause) entstehen könnten. Sie befürchten allerdings auch, dass diese Therapie Nebenwirkungen zeigt.
Die Bewertung von Nutzen und Risiken der HT wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. "Um ein differenziertes ärztliches Beratungsgespräch führen zu können, sind hochwertige evidenzbasierte Leitlinien dringend erforderlich", sagte Prof. Dr. Olaf Ortmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik Regensburg, auf der von der DGGG einberufenen Pressekonferenz in Berlin. In Deutschland existieren derartige Leitlinien zur HT nicht und auch international seien diese nur vereinzelt vorhanden. Und das, obwohl die HT eine der am häufigsten durchgeführten Arzneimitteltherapien sei.

Die DGGG hat sich vor drei Jahren die Aufgabe gestellt, diesen Mangel zu beheben und den Gynäkologen Ortmann beauftragt, die Koordination der Entwicklung einer S3-Leitlinie zu übernehmen. "Die HT hat zweifelsfrei eine Reihe von Nutzen", so DGGG-Präsident Prof. Dr. Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm. "Dennoch muss ihr Einsatz gründlich abgewogen werden, da die HT gesundheitliche Risiken bergen kann."

Leitlinie empfiehlt differenzierten Umgang durch fundierte Risikokommunikation

Zu Beginn der Leitlinienerstellung formulierten Expertinnen und Experten relevante klinische Fragen zu Themen wie klimakterische Beschwerden, Trockenheit der Vagina (vulvovaginale Atrophie), Harninkontinenz, koronare Herzkrankheit, venöse Thromboembolie, Bewegungsapparat und Knochenstoffwechsel, Demenz oder Krebserkrankungen. Die Leitliniengruppe suchte dann nach Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien zur HT für mögliche Antworten und bewertete den Grad der Evidenz. Schließlich wurden Empfehlungen formuliert, die Ärztinnen und Ärzte zukünftig für den Entscheidungsprozess bei der Indikationsstellung einer HT heranziehen können. Die Steuergruppe* koordinierte das Verfahren der Leitlinienerstellung.

Ein besonderes Anliegen der Leitliniengruppe war die Empfehlung zur Risikokommunikation: Die adäquate Bewertung von Nutzen und Risiken im ärztlichen Gespräch. "Dieser Teil der Leitlinie ist besonders beachtenswert, da Nutzen und Risiken unterschiedlich ausgeprägt sein können", betonte Ortmann auf der Pressekonferenz. Ärztinnen und Ärzte müssen beispielsweise Frauen mit bereits bestehenden Erkrankungen anders beraten, als Gesunde. "Auf der Basis dieser Leitlinie ist eine individualisierte, umfassende Aufklärung möglich, sodass die Patientin gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu einer Entscheidung kommen kann", so Ortmann.

Eine Kurzfassung (20 Seiten) der "Interdisziplinären S3-Leitlinie Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause" finden Sie unter: DGGG_S3-LL-HT 2009_kurz.pdf DGGG_S3-LL-HT 2009_kurz.pdf (82.61 KB)

Der Methodenreport ist im Internet unter www.awmf-leitlinien.de frei zugänglich.

*Mitglieder der Steuergruppe: Prof. Dr. Olaf Ortmann, Prof. Dr. Martina Dören, Prof. Dr. Eberhard Windler, Dr. Christian Albring, Prof. Dr. Ludwig Kiesel


Über die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)

Die DGGG fördert als wissenschaftliche Fachgesellschaft Forschung und Wissenschaft in der Frauenheilkunde und garantiert damit die ständige Erneuerung diagnostischer und therapeutischer Richtlinien und Empfehlungen. Sie befasst sich zudem mit der Qualitätssicherung, der Weiterbildung und der Fortbildung in der Frauenheilkunde. Dies dient der Sicherheit bei der gynäkologischen Beratung und Behandlung von Patientinnen.
Darüber hinaus vertritt die Fachgesellschaft die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber den Gremien des Bundesministeriums für Gesundheit, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Bundesärztekammer sowie der Öffentlichkeit.


Alle zwei Jahre richtet die Gesellschaft den Deutschen Kongress für Gynäkologie und Geburtshilfe aus, auf dem Gynäkologen und Wissenschaftler neueste Erkenntnisse vorstellen und diskutieren. Der nächste Kongress findet vom 5. bis 8. Oktober 2010 in München statt (www.dggg-kongress.de).



Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) vom 07.09.2009.