Home Gynäkologie und Geburtshilfe Mehr Kaiserschnitte - weniger Fertigkeiten in der Geburtshilfe?
17 | 10 | 2017
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Will das geburtshilfliche Handwerk bewahren: Prof. Ekkehard Schleußner, Direktor der Abteilung Geburtshilfe am UKJ, hier mit einer glücklichen Mutter. Photo: H.-G. Schröder/UKJMehr Kaiserschnitte - weniger Fertigkeiten in der Geburtshilfe?

 

Geburtshilfe-Symposium am UKJ rückt am 2. April klassisches „Handwerkszeug“ in den Vordergrund

 

Jena (30. März 2011) - Jedes 3. Kind in Deutschland kommt heute per Kaiserschnitt auf die Welt. Damit dominiert das operative Geburtsverfahren der Sektio inzwischen den Alltag in deutschen Kreißsälen. „ Wir haben hier in den letzten zehn Jahren eine starke Verschiebung erlebt“, konstatiert Prof. Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Abteilung Geburtshilfe am Universitätsklinikum Jena. Im Durchschnitt liegt der Anteil der Kaischerschnitte bei 31 Prozent in deutschen Kliniken.


Am UKJ ist er mit 26 Prozent deutlich niedriger. „Und das, obwohl wir als Zentrum für Risikoschwangerschaften einen viel höheren Anteil an Problemfällen, extremen Frühgeburten und Schwangerschaftserkrankungen haben als andere Kliniken“, betont Schleußner. Unter den Universitätskliniken hat das Jenaer damit eine der niedrigsten Kaiserschnittraten. Auch, weil es zur Philosophie von Prof. Ekkehard Schleußner gehört, eine natürliche Geburt zu ermöglichen, wann immer es die Gesundheit von Mutter und Kind zulässt. „Doch der Trend zu operativen Entbindungen ist eindeutig“, so Schleußner.


Gerät vor diesem Hintergrund das über Generationen erworbene Wissen der Geburtshelfer in Vergessenheit? Wie sind die verschiedenen Verfahren heute im Lichte neuer wissenschaftlicher Untersuchungen zu bewerten? Diesen Fragen widmet sich daher das am 2. April an der Jenaer Frauenklinik stattfindende 13. Jenaer Geburtshilfe-Symposium. Die Tagung, zu der ca. 130 Teilnehmer aus Mitteldeutschland erwartet werden, steht unter dem Motto „Geburtshilfliches Handwerk – Standortbestimmung 2011“. „Wir haben den Begriff bewusst gewählt, weil Handwerkszeug auch im Wissenschaftszeitalter wichtig ist“, sagt Tagungsleiter Schleußner. „Natürlich muss aber auch kritisch hinterfragt werden, was heute zeitgemäß ist und was nicht“, so der Geburtshelfer.


Neben den vielen Kaiserschnitten bereitet eine weitere Entwicklung den Geburtshelfern Sorgen: Die steigende Zahl stark übergewichtiger Frauen. Schon jetzt sind viele Schwangeren adipös, was mit einem höheren Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen verbunden ist. Die Ärzte rechnen damit, dass dieser Trend in den nächsten Jahren an Dynamik gewinnt. „Zu den damit verbundenen Probleme gehört auch, dass bei starkem Übergewicht unsere Diagnosemethoden wie Ultraschall und Wehenschreiber nicht mehr perfekte Daten liefern können“, erklärt Schleußner. „Das sind Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.“


Für all diese Themen soll die Jenaer Tagung eine Plattform bieten. Dass stark auf die alltägliche Praxis ausgerichtete Symposium wird zudem in diesem Jahr erstmals um eine dreitägige Intensiv-Fortbildung zur Geburtshilfe der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin ergänzt. Der auf 30 Teilnehmer beschränkte Kurs thematisiert alle Bereiche von der Diagnostik über Kreißsaalpraxis bis hin zu Erkrankungen von Mutter und Kind.

Terminhinweis
2. April 2011, Beginn: 09.00 Uhr
13. Jenaer Geburtshilfe-Symposium „Geburtshilfliches Handwerk – Standortbestimmung 2011“
Ort: Intershoptower, 29.OG

Intensiv-Fortbildung
31. März – 2. April 2011, Beginn: 09.30 Uhr
Hörsaal Frauenklinik des Universitätsklinikum Jena, Bachstraße 18

 

 

Will das geburtshilfliche Handwerk bewahren: Prof. Ekkehard Schleußner, Direktor der Abteilung Geburtshilfe am UKJ, hier mit einer glücklichen Mutter. Photo: H.-G. Schröder/UKJ

 

 


Quelle: Universitätsklinikum Jena, 30.03.2011 (tB).

 
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