Home Gynäkologie und Geburtshilfe Chlamydieninfektionen - Sex-Risiko mit Spätfolgen
20 | 10 | 2017
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Chlamydieninfektionen

Sex-Risiko mit Spätfolgen


München (23. April 2008) - Die Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen hat nach statistischen Erhebungen in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen. Die höchsten Zuwachsraten weisen Chlamydieninfektionen auf und immer mehr Jugendliche sind betroffen. Jede zehnte Siebzehnjährige hierzulande ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Prävention mit Chlamydien infiziert ohne die geringste Ahnung davon zu haben, dass sich daraus ein folgenschweres gesundheitliches Risiko wie Sterilität entwickeln kann. Übrigens: Insgesamt sind in Deutschland 1,1 Millionen Menschen von Chlamydieninfektionen betroffen.

Was sind Chlamydien?
Die Übeltäter sind winzige Bakterien, sprich mikrometerkleine Lebewesen, die der Gruppe Chlamydia trachomatis zugeordnet werden. Diese Gruppe verursacht die meisten Geschlechtskrankheiten mit weitem Abstand vor Tripper, Syphilis oder Aids. Vor allem unter sexuell aktiven Jugendlichen, die frühzeitig mit den Kontakten beginnen und öfter den Partner wechseln, breiten sich die hoch ansteckenden Chlamydien beängstigend aus. Chlamydia trachomatis ist ein typischer Schleimhautparasit, der ausschließlich Menschen infiziert. In dem feuchtwarmen Milieu der Vagina fühlt er sich wohl und kann sich rasant vermehren. Wichtig ist: Eine Chlamydieninfektion kann man sich nicht auf der Toilette holen, wie oft angenommen wird! Sie wird nur durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Ein weiteres Missverständnis beschreibt Dr. Gisela Gille. Die engagierte Ärztin aus Lüneburg erklärt 14-17jährigen in den Schulen, dass Liebe einschneidende Nebenwirkungen haben kann. Sie sagt: „Aids kennen sie alle, Tripper können sie buchstabieren, aber bei Chlamydien denken sie eher an eine seltene Zimmerpflanze.“ Eine Interventionsstudie der Charité in Berlin zeigte, dass über 80% der Schülerinnen noch nie etwas von Chlamydien gehört hatte.

Aufklärung und Prävention
Ein Chlamydientest an 265 Berliner Schülerinnen erschreckte sogar die Mediziner: Bei 10% der 17jährigen Mädchen wurde Chlamydien festgestellt und bei den unter 15jährigen stieß man bei 4% auf die Keime. Hätten sie bei jedem Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzt, bliebe ihnen ein 20-25-prozentiges Risiko erspart, später auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen zu können. Die Faustregel lautet: Wird die Infektion frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt, sind Spätfolgen vermeidbar. Doch das Tückische an den Chlamydien ist: 80% aller infizierten Mädchen und Frauen spüren nach Angaben der International Union Sexually against Transmitted Infections (IUSTI) keine Beeinträchtigungen ihres Befindens. Deshalb kommen sie auch gar nicht auf den Gedanken, ihren Frauenarzt aufzusuchen und so bleiben die Infektionen unerkannt. Ein Großteil der im Genitaltrakt angesiedelten Keime ruft keine Immunreaktionen hervor. Bisher fehlt es dafür an einer stichhaltigen Erklärung.
Leichtfertigkeit, Unkenntnis und wechselnde Partner führen dazu, dass in Deutschland jährlich mit 300.000 neuen Chlamydieninfektionen gerechnet werden muss. Den Jugendlichen sei ans Herz gelegt, Kondome zu benutzen; und das nicht nur wegen Aids, sondern auch um die Fruchtbarkeit der Mädchen zu schützen. Kondome bieten den einfachsten und sichersten Schutz vor Sexualkrankheiten.

Bei der Benutzung von Kondomen ist zu beachten:

- Man schaue immer auf das Haltbarkeitsdatum; am besten man besorgt sich Kondome in der Apotheke.
- Die Verpackung muss unbeschädigt sein und darf unter Druck keine Luft verlieren.
- Das Gummi sollte niemals hart und brüchig sein.
- Naturdarmkondome bieten keinen ausreichenden Schutz.

Wie sehen akute Beschwerden aus?
Gelegentlich wird erschwertes Wasserlassen verspürt und meistens als Unpässlichkeit gewertet. Diese kann sich zu einer Harnröhrenentzündung entwickeln, die sich durch gelblich-grünen Ausfluss äußert. Auch unbestimmte Bauchschmerzen sind ein Symptom. Nach einiger Zeit steigen die Keime von der Harnröhre und dem Gebärmutterhals auf und führen zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut. Im weiteren Verlauf können die Eileiter verkleben und vernarben und sich letztendlich vollkommen verschließen, sodass befruchtete Eizellen nicht mehr zur Gebärmutter gelangen können.
Chlamydieninfektionen gelten deshalb als hauptsächliche Ursache für die weibliche Unfruchtbarkeit. In Deutschland sind mindestens 100.000 Frauen betroffen. Durch die Infektionen besteht das Risiko für Eileiterschwangerschaften und Frühgeburten und außerdem steigert eine Infektion mit Chlamydien die Wahrscheinlichkeit, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr HIV-positiv zu werden.

Wie sieht die Behandlung aus?
Auch ohne Beschwerden – eventuell nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr – sollte eine Infektion erkannt und behandelt werden. In einem frühen Stadium lassen sich die Keime durch einen einfachen Abstrich aus der Vagina erkennen und mit einer circa 14-tägigen Gabe von Antibiotika in den meisten Fällen folgenlos ausheilen. Im Gespräch mit dem Frauenarzt/Frauenärztin sollte diese Früherkennungsmaßnahme auf den Sexpartner ausgedehnt werden, um den Keimen möglichst alle Wege zu verbauen.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassen haben sich auf die Finanzierung des Screenings für junge Frauen geeinigt. Demnach können Mädchen und Frauen bis 25 Jahre ab sofort den jährlichen Test auf Chlamydien zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen in Anspruch nehmen.
Die Honorierung der Beratungsleistung verweigern die Kassen jedoch. Bis Ende 2007 konnten sich nur schwangere Frauen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge auf Kosten der Kassen untersuchen lassen, um vorsorglich Schäden für das Neugeborene zu verhindern. Das Screening für beschwerdefreie Mädchen und Frauen bis 25 wurde zu Beginn dieses Jahres in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen.

Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte begrüßen das Einschwenken auf ihre jahrelange Forderung nach Einführung eines Screenings auf Chlamydien. Die Verweigerung der Honorierung einer ärztlichen Leistung ist jedoch inakzeptabel.

Maria-E. Lange-Ernst


Quelle: Pressemitteilung des Berufsverband der Frauenärzte e.V. vom 23.04.2008.
 
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