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Beckenboden-Chirurgie – Vorsicht mit Implantaten

 

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe warnt vor unkritischem Einsatz synthetischer Netze in der Beckenbodenchirurgie

 

Berlin (30. Dezember 2011) - Mehrere Geburten, starkes Übergewicht, Bindegewebsschwäche – es gibt viele Gründe, warum sich bei einer Frau eine Senkung des Beckenbodens entwickelt. Anzeichen für eine solche Senkung sind ungewollter Urinverlust, Druckgefühl im Unterbauch, der Eindruck, dass ein Fremdkörper in der Scheide liegt, Kreuz- und Rückenschmerzen, Schmerzen beim Sex. Allerdings sind die Möglichkeiten, diese Beschwerden zu heilen, heute ausgezeichnet.

 

Während in vielen Fällen ein gezieltes Beckenbodentraining hilft, können stärkere Senkungen oft durch eine Operation beseitigt werden. Wenn eine Frau sich sicher ist, dass sie keine Kinder mehr bekommen möchte, kann hierbei die Gebärmutter entfernt und gleichzeitig die vordere und die hintere Scheidenwand gerafft werden. Hierdurch einsteht eine durch Eigengewebe wieder verengte und damit natürliche Scheide. Alternativ bieten sich korrigierende Verfahren an, bei denen die Gebärmutter oder zumindest des Gebärmutterhals erhalten bleibt. Diese Eingriffe erfolgen ebenfalls durch die Scheide, werden nicht selten aber durch eine Bauchspiegelung oder einen Bauchschnitt durchgeführt und es wird bei diesen Verfahren in der Regel ein synthetisches Netz eingesetzt, das den Erfolg der Operation absichern soll. Auch wenn nach einer Erstoperation wieder Beschwerden aufgetreten sind, wird in einer zweiten Operation häufig ein solches Netz eingesetzt. Aber die Langzeitergebnisse bleiben hinter den Erwartungen bisher deutlich zurück. „Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA warnt davor, synthetische Netze unkritisch einzusetzen,“ so Prof. Werner Bader, Vorsitzender der AG Urogynäkologie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburthilfe (DGGG), „und dieser Einschätzung schließen wir uns in Deutschland an. Die guten Erfolge direkt nach der Operation werden letztlich zu häufig durch Komplikationen zunichte gemacht, die erst viel später auftreten können.“

 

Einen guten Tipp hat Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl, 1. Vizepräsident der DGGG: „Jede Frau, die sich wünscht, ihre Beckenbodensenkung durch eine Operation zu beseitigen, sollte sich ausführlich informieren. Wenn ein ‚Arzt oder eine Ärztin mehrere Alternativen vorschlägt und die Patientin in den Entscheidungs- und Genesungsprozess mit einbindet, dann kann das ein gutes Anzeichen dafür sein, dass in dieser Klinik nicht nur eine einzige Operationsmethode beherrscht wird und dass eine für die Patientin optimale Lösung gefunden werden kann. Viele Patientinnen haben nach einem sorgfältig durchgeführten Eingriff eine gute Chance, dass die Senkung mit all ihren unerwünschten Begleiterscheinungen dauerhaft verschwindet.“

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., 31.12.2011 (tB).