Drucken

Deutscher Hebammenverband

Spektakel „Kaisergeburt“

 

Karlsruhe (15. Januar 2013) - Seit Dezember 2012 geistert eine neue Geburtsmethode durch die Medien: Die sogenannte Kaisergeburt soll eine sanfte Variante des Kaiserschnitts sein. Das blaue OP-Tuch wird beiseite gelegt und dann soll das Baby sanft aus dem Mutterleib gezogen werden. Die Mutter darf sogar mitpressen und zusehen, bevor ihr der Säugling auf den Bauch gelegt wird. Hebammen sind skeptisch bis entsetzt: Für sie bleibt die Sectio ein schwerwiegender chirurgischer Eingriff, der für Notfälle vorbehalten sein sollte.

 

„Es ist eine Illusion, dass eine Operation sanft und irgendwie natürlich sein kann“, sagt Susanne Steppat, DHV-Beirätin für den Angestelltenbereich. „Die sogenannte Kaisergeburt könnte den seit Jahren anhaltenden Trend zu immer mehr ‚Wunschsectios’ verstärken“, befürchtet sie. „Das Ganze rückt die Operation noch mehr in die Lifestyle-Ecke.“ Ein Kaiserschnitt müsse aber immer die letzte Möglichkeit sein, da die gesundheitsschädlichen Folgen für Mutter und Kind nicht unerheblich seien.


Angela Nieting, DHV-Beauftragte für Familienhebammen, bemerkt zynisch: „Hoffentlich bekommt die Frau keinen Schock, wenn der Arzt bis zum Ellenbogen in ihr steckt um den im Becken verkeilten Kopf des Kindes zu erreichen oder gibt es die Kaisergeburt nur nach strenger Indikation?“ Auch Ute Wronn, Kreißsaalhebamme und DHV-Beauftragte für internationale Hebammenarbeit, ergänzt: „Um das Kind aus der schmalen Öffnung zu bekommen, ist meiner Erfahrung nach immer ein Handgriff nötig, der für die Frau trotz Spinalanästhesie unangenehm bis schmerzhaft sein kann. Ich bezweifle, dass sie in diesem Moment offen ist für das ‚Wunder der Kaisergeburt’.“

 

 

Weitere Informationen

 

 


 

Quelle: Deutscher Hebammenverband e.V., 15.01.2013 (tB).