Home Gynäkologie und Geburtshilfe Schwangerschaftskardiomyopathie: Herzerkrankung durch Schwangerschaft: Selten und gefährlich
20 | 10 | 2017
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Schwangerschaftskardiomyopathie

Herzerkrankung durch Schwangerschaft: Selten und gefährlich

 

Frankfurt am Main (7. August 2013) - Für die betroffenen Frauen ist es ein Schock: Obwohl bisher herzgesund, wird bei ihnen völlig überraschend eine seltene, aber möglicherweise lebensbedrohliche Herzerkrankung festgestellt, die schlimmstenfalls zur Herzschwäche oder gar zum Tod durch Herzversagen führen kann: die Peripartum-Kardiomyopathie (PPCM), auch Schwangerschaftskardiomyopathie genannt. Die PPCM kann sich bei herzgesunden Frauen gegen Ende der Schwangerschaft oder in den Folgemonaten entwickeln. Entscheidend für eine erfolgversprechende Behandlung der Krankheit ist eine frühzeitige Diagnose. Die rasche und richtige Deutung der Beschwerden setzt beim Arzt allerdings Erfahrung mit der PPCM voraus, was aufgrund der Seltenheit der Krankheit nicht immer der Fall ist.


„Wie die PPCM entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Genauere Erkenntnisse, auch über die Behandlung der Erkrankung, sind aber für die Versorgung dieser Patientinnen dringend notwendig“, betont der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Die PPCM ist deshalb Gegenstand einer Forschungsarbeit von Dr. med. Arash Haghikia, Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die von der Deutschen Herzstiftung mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis in Höhe von 10 000 Euro prämiert worden ist. Das Gutachtergremium, zusammengesetzt aus dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Stiftung für Herzforschung gab von insgesamt zwölf Arbeiten der Studie aus Hannover mit dem Titel „Charakterisierung und Behandlungsstrategie der peripartalen Kardiomyopathie in Deutschland: eine prospektive Studie“ die höchste Bewertung.


Ärzte müssen die Beschwerden der PPCM kennen

Im Zuge dieser Arbeit wurde 2004 ein in Europa einzigartiges Register zur PPCM eingerichtet, um systematisch Daten von bislang mehr als 115 Patientinnen zu sammeln. „Dieses Register zeichnet diese Arbeit aus. Denn nur mit Hilfe einer Vielzahl individueller Patientenfälle lässt sich das Krankheitsbild besser charakterisieren und auch verstehen, wodurch die Erkrankung entsteht, wer besonders gefährdet ist und was man während der Schwangerschaft oder danach für einen günstigen Ausgang tun kann“, würdigt Prof. Meinertz die prämierte Studie.

Die Verbreitung der PPCM ist regional sehr unterschiedlich und betrifft nach Schätzungen z. B. in den USA eine von 3 000 Schwangerschaften und in Deutschland womöglich eine von 2.500 bis 4.000. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Abgeschlagenheit, Atemnot, Reizhusten, Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen. Aber nicht immer ordnen Ärzte die PPCM-Beschwerden sofort dem Herzen zu“, bestätigt Dr. Haghikia. „Uns ist es wichtig, dass die Beschwerden richtig gedeutet und nicht als normale schwangerschaftstypische Beschwerden fehlinterpretiert werden. Insbesondere Internisten und Frauenärzte müssen daher unbedingt über die PPCM informiert sein.“


Wie entsteht die PPCM, auf welche Risiken ist zu achten?

Forschungsergebnisse aus Hannover deuten darauf hin, dass eine fehlerhafte Spaltung des Stillhormons Prolaktin in den Herzen der PPCM-Patientinnen die Erkrankung auslöst. Das Spaltprodukt wirkt sich demnach giftig auf die Herzgefäße aus und schädigt die Herzmuskelzellen. Möglicherweise ist die PPCM auch erblich bedingt. Dies gilt besonders bei Patientinnen, in deren Familie die Kardiomyopathie bereits vorgekommen ist. Ebenso werden Entzündungen, auch autoimmunologische, als mögliche Ursache diskutiert, wie Dr. Haghikia berichtet.
Entsprechend wurden im Rahmen der Studie genetische Aspekte der Krankheitsentstehung näher untersucht und nach möglichen Risikofaktoren und neuen Biomarkern zur Früherkennung der PPCM geforscht. Alle Studienteilnehmerinnen hatten eine PPCM und eine durchschnittliche Auswurfleistung der linken Herzkammer pro Herzschlag von 27 % (normal ist 65 %). Sie wurden mit gesunden Schwangeren verglichen. „Unsere Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Rauchen, Alter, Mehrlingsschwangerschaft und Bluthochdruck in der Schwangerschaft Risikofaktoren für eine PPCM in Deutschland sind“, sagt Dr. Haghikia.


Was ist neu?

Darüber hinaus entdeckte das Forscherteam mögliche Biomarker für die PPCM, die zur Sicherung der Diagnose in einem frühen Stadium und dadurch zu einer frühzeitigen Behandlung beitragen könnten. Zu diesen neuen Markern zählen das Enzym Cathepsin D, zuständig für die Spaltung des Prolaktins, und das Asymmetrische Dimethylarginin (ADMA). Auch entdeckt werden konnte eine sogenannte MicroRNA (miR-146a), die im Serum der Patientinnen erhöht ist und auf eine Veränderung der Genregulation hindeutet.


Auch konnte die Studie zeigen, dass das Medikament Bromocriptin zur Verbesserung der Herzfunktion bei PPCM beitragen kann, wenn es zusätzlich zur medikamentösen Behandlung der Herzschwäche verabreicht wurde. Dieses Bromocriptin hemmt die Prolaktinfreisetzung aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Bei 96 von den insgesamt 115 Studienteilnehmerinnen zeigten sich folgende Ergebnisse: Etwa 85% der Patientinnen zeigten eine Verbesserung der Herzfunktion, 47% sogar eine vollständige Erholung. Allerdings sprachen etwa 15%, d.h. 14 von den insgesamt 96 Patientinnen nicht auf die Therapie an. Von diesen 14 Frauen erhielt eine Patientin ein Kunstherz und sieben eine Herztransplantation. Zwei Patientinnen starben, eine nach der Herztransplantation und eine durch plötzlichen Herztod. Der therapeutische Nutzen des Bromocriptins zusätzlich zur etablierten medikamentösen Behandlung der Herzschwäche wird derzeit in einer größeren Studie unter Beteiligung mehrerer Zentren geprüft. Geklärt werden soll, warum bei einigen Patientinnen die Therapie mit diesem Medikament unwirksam ist. „Für diese müssen wir eine individualisierte Behandlungsstrategie entwickeln“, sagt Dr. Haghikia.

Der Wilhelm P. Winterstein-Preis der Deutschen Herzstiftung wird alljährlich für eine wissenschaftlich herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bevorzugt aus einem patientennahen Forschungsbereich, vergeben. Wilhelm P. und Ursula Winterstein sind seit 15 Jahren die Stifter dieses Wissenschaftspreises, der jedes Jahr auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Herzstiftung verliehen wird.

 

Weitere Informationen

 

 


 

Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung, 07.08.2013 (tB).

 
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