Home Hämatologie Innovatives Faktor VIII-Produkt: Praktische Erfahrungen und neue Studie belegen verbesserte pharmakokinetische Eigenschaften von Kovaltry®
17 | 12 | 2017
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Innovatives Faktor VIII-Produkt

Praktische Erfahrungen und neue Studie belegen verbesserte pharmakokinetische Eigenschaften von Kovaltry®

  • Positive Ergebnisse und hohe Zufriedenheit nach Umstellung zahlreicher Patienten
  • Neue Studie bestätigt überlegene Pharmakokinetik auch gegenüber Advate®
  • Bayer setzt hohes Engagement in der Hämophiliebehandlung fort

Leverkusen (23. Mai 2017) - Das unmodifizierte rekombinante Faktor VIII-Produkt (rFVIII) Kovaltry® von Bayer ist seit Februar 2016 zur Behandlung und Prophylaxe von Hämophilie A in Deutschland zugelassen. Zahlreiche Patienten wenden das Produkt bereits an, das verbesserte pharmakokinetische Eigenschaften gegenüber anderen rFVIII-Produkten aufweist. Dies belegen aktuelle Erfahrungen aus der klinischen Praxis ebenso wie eine aktuelle randomisierte Crossover-Studie mit einem Vergleichsprodukt1. Die Zulassung von Kovaltry® basiert auf dem LEOPOLD-Studienprogramm , das aus drei multinationalen klinischen Studien besteht und die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Produkts in allen Altersklassen - sowohl bei der Prophylaxe als auch bei der Behandlung von Blutungen - bestätigt2,3,4. Kovaltry® kombiniert die identische Aminosäuresequenz der seit 25 Jahren bewährten Vorgängerprodukte Kogenate® bzw. Kogenate® Bayer mit moderner Technologie in der Herstellung5.



Besser geschütztes, intakteres Molekül

Zur Herstellung von Kovaltry® wird ein neuartiges Verfahren eingesetzt, das eine zuverlässige Herstellung von rFVIII mit hoher Produktqualität sichert - plasmaproteinfrei und ohne Zusatz tierischer Proteine. Durch Koexpression des humanen Heat Shock Proteins 70 (HSP70) wird eine hohe Anreicherung von funktionsfähigem FVIII erreicht. Das patentierte Verfahren begünstigt die korrekte Faltung des Moleküls und unterstützt eine komplexe Glykosylierung und Sialylierung (Capping) mit hochverzweigten Oligosacchariden. Membranadsorption und Nanofiltration sorgen für eine hocheffiziente und schonende Aufreinigung. "Dank des innovativen Herstellungsverfahrens von Kovaltry® entsteht ein besser geschütztes und intakteres Molekül, was die überlegene Pharmakokinetik mit verlängerter Halbwertszeit erklären könnte", erläutert Prof. Dr. med. Andreas Tiede von der Medizinischen Hochschule Hannover.


Hämophiliezentrum Bonn: Patienten sprechen sehr gut auf Kovaltry® an

Hämophilie A-Patienten sind ihr ganzes Leben auf eine FVIII-Substitution angewiesen und vertrauen in der Regel dem Produkt, mit dem sie gute Erfahrungen gemacht haben. Weil Kovaltry® den gleichen Wirkstoff (Octocog alfa) wie Kogenate® Bayer hat, waren die klinischen Erfahrungen im Zuge der Umstellung auf das neue Produkt entsprechend problemlos - das berichtet Dr. med. Georg Goldmann vom Institut für experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin der Universitätsklinik Bonn, einem der weltweit größten Versorgungszentren für Patienten mit seltenen hämorrhagischen Diathesen (Blutungserkrankungen). Im Beobachtungszeitraum von März 2016 bis 1. Mai 2017 wurden im Hämophiliezentrum Bonn 72 Patienten erfolgreich auf Kovaltry® umgestellt. Sie injizierten sich über 16 Millionen internationale Einheiten des rFVIII - und die Erfahrungen sind durchweg positiv. Beispielsweise wurde ein an schwerer Hämophilie A erkrankter 5-jähriger Junge von Kogenate® Bayer auf Kovaltry® umgestellt, weil die erforderliche Venenpunktion die Familie jedes Mal vor große Herausforderungen stellte. Der Junge wurde im März 2016 von drei- auf zweimal wöchentliche Prophylaxe bei identischer wöchentlicher Dosierung auf Kovaltry® umgestellt. Unter dem veränderten Therapieregime kam es bei dem jungen Patienten zu keinen größeren Blutungen. "Durch die verbesserte Pharmakokinetik von Kovaltry® sind je nach Blutungsphänotyp patientenindividuelle Anpassungen der Dosierung möglich", erläutert Dr. Georg Goldmann. "Wir konnten erwartungsgemäß keine Inhibitorbildung beobachten", resümiert der Oberarzt, "und 91 Prozent unserer Patienten sind mit dem Produkt zufrieden."

Diverse Fallbeispiele des Hämophiliezentrums Bonn zeigen zudem verbesserte Laborwerte unter Kovaltry® gegenüber der bisherigen Therapie. So erhielt ein erwachsener Patient zur Blutungsprophylaxe täglich 2.000 Einheiten (34 IE/kg KGα) Helixate® NexGen, das identische FVIII-Produkt wie Kogenate® Bayer. Nach einer Hüftgelenkimplantation wurde die Blutungsprophylaxe postoperativ auf zweimal täglich 2.000 Einheiten Helixate® NexGen erhöht. Unter diesem Regime erreichte der Patient nach zwölf Stunden eine Faktor VIII-Aktivität von 50 Prozent. Nach Umstellung des Patienten auf Kovaltry® im Juli 2016 wurde bei identischer Dosierung und Prophylaxe-Intervall eine verbesserte Faktor VIII-Aktivität gemessen, nämlich 64 Prozent.


Problemlose Umstellung auch bei Patienten mit Helixate® NexGen

Wie dieses Beispiel zeigt, ermöglicht Kovaltry® auch Patienten unter Helixate® NexGen-Therapie eine einfache und problemlose Umstellung. Da der Liefervertrag zwischen Bayer und CSL Behring über Helixate® NexGen zum 31.12.2017 endet, müssen diese Patienten zukünftig auf ein anderes FVIII-Produkt umgestellt werden.


Längere Halbwertszeit und Faktor VIII-Aktivität )

Die Pharmakokinetik-Überlegenheit von Kovaltry® bestätigt auch eine neue randomisierte Crossover-Studie, in der das Bayer-Produkt gegen das wirkstoffgleiche rFVIII-Produkt Advate® getestet wurde 1. Die Studie schloss 18 Patienten mit schwerer Hämophilie A (FVIII-Restaktivität < 1 Prozent) ein. Sie erhielten randomisiert entweder zuerst eine Injektion Kovaltry® (50 IE/kg KG) oder des Vergleichsprodukts Advate® in gleicher Dosierung. Daran schloss sich ein Crossover zum jeweils anderen Produkt an. Das Ergebnis zeigte, dass Kovaltry® unter anderem eine signifikant längere Halbwertszeit aufweist als Advate®. Zudem zeigte ein Simulationsmodell auf Basis der gewonnenen Daten, dass bei gleicher Dosierung und Frequenz mit Kovaltry® höhere Talspiegel erreicht werden können. Da höhere Talspiegel das Risiko für spontane Blutungen reduzieren, könnte so Kovaltry® bei gleicher Dosierung einen besseren Schutz für die Patienten bieten.

In den umfassenden internationalen LEOPOLD-Zulassungsstudien zeigte Kovaltry® auch gegenüber Kogenate® Bayer eine erhöhte Halbwertszeit von 13,4 versus 12,2 Stunden 6 im intraindividuellen Vergleich. Außerdem konnte die Überlegenheit einer Prophylaxe mit Kovaltry® gegenüber der Bedarfstherapie in einer randomisierten Studie nachgewiesen werden 3. Durch die Prophylaxe konnte eine Reduktion von 97 Prozent in der medianen Blutungsrate erzielt werden. Am LEOPOLD-Studienprogramm nahmen 204 Patienten aus 60 Prüfzentren und 25 Ländern teil. Eingeschlossen wurden Männer und männliche Jugendliche im Alter von 12 bis 65 Jahren (LEOPOLD I-II) sowie Jungen von 0 bis 12 Jahren (LEOPOLD Kids) mit schwerer Hämophilie A, die bereits vorher mit FVIII behandelt waren.2,3,4


Leben mit Hämophilie heißt täglich Herausforderungen meistern

Im Leben von Patienten mit Hämophilie A dreht sich alles um eine wirksame Blutungsprophylaxe und -behandlung. Da der fehlende Gerinnungsfaktor VIII nur intravenös zugeführt werden kann, gehören regelmäßige Injektionen zu den größten alltäglichen Herausforderungen für Betroffene und Angehörige. Ein hohes Vertrauen in die Zuverlässigkeit, Wirksamkeit und Sicherheit eines Faktor-Produkts ist wichtig, um Patienten ein Leben lang zu regelmäßiger Prophylaxe zu motivieren.

Auch abseits der medikamentösen Behandlung gibt es für Patienten mit Hämophilie und ihre Familien Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. So müssen die Eltern kleiner Kinder Verantwortung für die konsequente Einhaltung der Therapie übernehmen und ihrem Kind - notfalls auch gegen dessen Willen - das Faktorpräparat spritzen. Später müssen die Eltern lernen, ihr chronisch krankes Kind loszulassen und es bei der Integration in einen möglichst normalen Alltag zu unterstützen. "Kinder mit Hämophilie sollten nicht in Watte gepackt und vor allem nicht vom Schulsport abgehalten werden", sagt Dr. Christine Heller von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt. Eine gute motorische Entwicklung und der Aufbau eines funktionierenden Muskelapparats schützen vor Verletzung und sind deshalb gerade für Kinder mit Hämophilie von großer Bedeutung, betont die Oberärztin. Sie wünscht sich mehr öffentliche Aufklärung und Wissen über die Hämophilie, damit Betroffene weniger mit Vorurteilen konfrontiert werden.


Hohes Engagement in der Hämophiliebehandlung

Um Menschen mit Hämophilie in jedem Lebensabschnitt bestmöglich in der Behandlung zu unterstützen, engagiert sich Bayer seit Jahrzehnten konsequent für die Erforschung neuer Therapien und die Entwicklung verbesserter Faktorenkonzentrate wie Kovaltry®. In der klinischen Entwicklung befindet sich zum Beispiel ein länger wirksamer rFVIII. Zusätzlich verfolgt Bayer andere Behandlungsansätze in präklinischen und frühen Stadien der klinischen Entwicklung, darunter FVIII-Gentherapie und die Inhibierung von TFPI (Tissue Factor Pathway Inhibitor) im Bereich der Hämophilie. Aber auch jenseits der Versorgung macht Bayer Angebote, die Alltag und Umgang mit der chronischen Erkrankung erleichtern. Das Unternehmen zeichnet zum Beispiel kreative Betreuungskonzepte von gemeinnützigen Trägern mit dem Förderpreis PHILOS (
http://www.philos.bayer.de ) aus.


Anmerkungen
  • *) Long-Term-Efficacy Open-Label Program in Severe Hemophilia A Disease
  • α) Körpergewicht


Referenzen

  1. Shah A et al.; Clin Pharmacokinet 2016; DOI: 10.1007/s40262-016-0492-2
  2. Saxena K et al., Haemophilia 2016, 22:706-712
  3. Kavakli K et al.; J Thromb Haemostat 2015:13:360-369
  4. Ljung R et al.; Haemophilia 2016; 22(3):354-360
  5. Garger S, et al, Haemophilia (2016); 1-12
  6. Shah A et al.; Haemophilia 2015;21:766-771



Über Hämophilie A

Hämophilie A, umgangssprachlich auch "Bluterkrankheit" genannt, ist eine genetische Erkrankung. Durch einen Mangel oder einen Defekt des Gerinnungsfaktors VIII (FVIII) ist die Blutgerinnung gestört. Bei den Betroffenen kommt es daher immer wieder zu Blutungen in Muskeln, Gelenken oder anderen Geweben, die zu Langzeitschäden führen können. Äußere Verletzungen, auch wenn sie trivial sind, können schwerwiegende Folgen haben, da das Blut langsamer gerinnt als bei Gesunden. Das Gen für FVIII liegt auf dem X-Chromosom. Daher leiden in erster Linie Jungen und Männer an Hämophilie A. Frauen sind Überträgerinnern - sogenannte Konduktorinnen - der Krankheit und können sie an ihre Söhne weitergeben. Selbst leiden Frauen selten an den Symptomen der Hämophilie. In Deutschland leben rund 4.000 Menschen mit Hämophilie A. Neben Hämophilie A gibt es noch die seltenere Hämophilie B, bei der der Blutgerinnungsfaktor IX betroffen ist. Hämophilie ist bis heute nicht heilbar. Die frühzeitige Prophylaxe von Blutungen bei Kindern ist der Therapiestandard in Deutschland. Je früher ein Hämophilie-Patient Faktor-VIII vorbeugend erhält, desto seltener sind Gelenkblutungen, wodurch die Lebensqualität jedes einzelnen Patienten steigt. Hämophilie ist so gut behandel- und beherrschbar, dass die Betroffenen ein nahezu normales Leben führen können.


Bayer: Science For A Better Life

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig will der Konzern Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und handelt als "Corporate Citizen" sozial und ethisch verantwortlich. Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Konzern mit rund 115.200 Beschäftigten einen Umsatz von 46,8 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 4,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen schließen das Geschäft mit hochwertigen Polymer-Werkstoffen ein, das am 6. Oktober 2015 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht wurde.

Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland.


Quelle: Bayer Vital, 23.05.2017 (tB).

 
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