Home Hämatologie Bispezifischer Antikörper bei Hämophilie A: Emicizumab reduziert jährliche Blutungsrate signifikant
19 | 10 | 2017
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Bispezifischer Antikörper bei Hämophilie A

Emicizumab reduziert jährliche Blutungsrate signifikant

Berlin (10. Juli 2017) - Auf dem Kongress der International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) wurden erste positive Ergebnisse des umfassenden Studienprogramms HAVEN vorgestellt. Der bispezifische Antikörper Emicizumab wird für die prophylaktische Therapie bei Menschen mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII geprüft. In der Phase-III-Studie HAVEN 1 reduzierte die wöchentliche subkutane Applikation von Emicizumab als prophylaktische Therapie bei Jugendlichen und Erwachsenen (mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII) die Blutungsrate signifikant und klinisch relevant, verglichen mit der typischen intravenösen Bedarfstherapie mit Bypass-Medikamenten.1 Positive Ergebnisse zeigte auch eine Interimsanalyse der Phase-III-Studie HAVEN 2, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Emicizumab bei Kindern mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII untersucht.2



Rate behandelter Blutungen um 87 % reduziert

Die Studie HAVEN 1 nahm Erwachsene und Jugendliche älter als 12 Jahre auf.3 Die Rate behandelter Blutungen a verringerte sich bei einmal wöchentlicher, subkutaner Injektion von Emicizumab um 87 % gegenüber einer ausschließlich bedarfsabhängigen Therapie mit Bypass-Medikamenten (Beobachtungszeitraum median 29,5 Wochen; primärer Endpunkt; Tab. 1).1 Der Anteil der Studienteilnehmer ohne Blutungen betrug nach einer Beobachtungszeit von mindestens 24 Wochen 62,9 % im Emicizumab-Arm gegenüber 5,6 % im Kontrollarm.1 Die jährliche Blutungsrate unter Emicizumab lag bei 2,9, die der Vergleichstherapie bei 23,3.1

Die Studie erreichte alle sekundären Endpunkte (Tab. 2). Dazu zählte unter anderem die signifikante Reduktion der Anzahl an Gesamtblutungen, auch unbehandelter, um 80 % gegenüber dem Kontrollarm mit By-pass-Medikament nach Bedarf für den Zeitraum von 24 Wochen ab Baseline.1 Über 25 Wochen verbesserte Emicizumab verglichen mit dem Kontrollarm auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Health-Related Quality of Life, HRQoL) signifikant und klinisch relevant.1 Diese umfasste die Haem-A-QoL-Domäne Physical Health, den Haem-A-QoL Total Score sowie die EQ-5D-5L VAS und den Total Utility Score.

Zu den unerwünschten Ereignissen (UE), die bei mehr als 5 % der Patienten unter Emicizumab auftraten, zählten Reaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Fatigue, Infektionen der oberen Atemwege und Arthralgie.1 Diese UE waren mild bis moderat und gut handhabbar. Thromboembolien sowie thrombotische Mikroangiopathien (TMA) traten bei 2 bzw. 3b Patienten im Emicizumab-Arm auf. Diese Patienten hatten zur Behandlung von Durchbruchsblutungen zusätzlich zu Emicizumab aktiviertes Prothrombinkomplex-Konzentrat erhalten. Im Rahmen der HAVEN 1-Studie bildeten sich keine therapierelevanten Inhibitoren gegen Emicizumab.


Positive Interimsergebnisse für Kinder unter 12 Jahren

Eine Interimsanalyse der Daten aus HAVEN 2 zeigt: Bei 19 Kindern unter 12 Jahren mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII trat unter prophylaktischer Behandlung mit Emicizumab lediglich eine behandelte Blutung auf (Beobachtungszeitraum median 12 Wochen).2 In diesem Zeitraum kam es zu keinen Gelenk- oder Muskelblutungen.2 Mit einer geplanten Fallzahl von insgesamt 60 Teilnehmern, die über 52 Wochen beobachtet werden, ist HAVEN 2 die bislang umfangreichste Studie, die bei Kindern unter 12 Jahren mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII durchgeführt wird.4 Die häufigsten UE in der HAVEN 2-Studie bildeten leichte Reaktionen an der Einstichstelle sowie Nasopharyngitis.

Die Primär- bzw. Interimsergebnisse aus HAVEN 1 und HAVEN 2 zeigen, dass der Einsatz von Emicizumab die Therapie von Menschen mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII wirkungsvoll gestalten und erleichtern kann. Die weitere Erforschung sowohl bei Erwachsenen und Jugendlichen (≥12 Jahre) als auch bei Kindern (<12 Jahre) könnte zukünftig einen dringenden medizinischen Bedarf decken helfen.

Tabelle 1: Primärer Endpunkt von HAVEN 1

Studienarm

keine prophylaktische Therapie

(vorab Bedarfstherapie mit Bypass-Medikament[en])

(Arm B; n = 18)

prophylaktische Therapie mit Emicizumab

(vorab Bedarfstherapie mit Bypass-Medikament[en])

(Arm A; n = 35)

behandelte Blutungen

jährliche Blutungsrate, ABR, (95 %-KI)

23,3

(12,33; 43,89)

2,9

(1,69; 5,02)

Reduktion

87 %

(Risikorate = 0,13; p <0,0001)

mediane ABR

(Interquartilsabstand)

18,8

(12,97; 35,08)

0,0

(0,00; 3,73)

Anteil Patienten ohne Blutungsereignisse, in Prozent, (95 %-KI)

5,6

(0,1; 27,3)

62,9

(44,9; 78,5)

 

Tabelle 2: Wichtige sekundäre Endpunkte von HAVEN 1

Endpunkt

Risikorate

p-Wert

Reduktion der Anzahl an Gesamtblutungen

0,20

< 0,0001

Reduktion der Anzahl an behandelten Spontanblutungen

0,08

≤ 0,0001

Reduktion der Anzahl an behandelten Gelenkblutungen

0,11

0,0050

Reduktion der Anzahl an behandelten Zielgelenkblutungen

0,05

0,0002



Anmerkungen

  • a Blutungen, die mit einem Bypass-Medikament behandelt wurden
  • b einer der drei Fälle von TMA trat nach dem für die Primäranalyse relevanten Abschluss-Stichtag (Cut-off) auf


Literaturverweise

  1. Oldenburg J et al., Efficacy, Safety and Pharmacokinetics (PK) of Emicizumab (ACE910) Prophylaxis (Px) in Persons with He-mophilia A with Inhibitors (PwHAwI): Randomized, Multicenter, Open-label, Phase 3 Study (HAVEN 1), Abstract ASY 01.1, ISTH 2017
  2. Young G, Efficacy, Safety and Pharmacokinetics (PK) of Once-weekly Prophylactic (Px) Emicizumab (ACE910) in Pediatric (&LT; 12 years) Persons with Hemophilia A with Inhibitors (PwHAwI): Interim Analysis of Single-arm, Multicenter, Open-label, Phase 3 Study (HAVEN 2), Oral Communication Session, OC 24.1, Hemorrhagic Disorders: Pediatric Aspects, 10.07.2017, ISTH 2017
  3. F. Hoffmann-La Roche. ClinicalTrials.gov NCT02622321. Verfügbar unter https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02622321 (abgerufen am 30.06.2017)
  4. F. Hoffmann-La Roche. ClinicalTrials.gov NCT02795767. Verfügbar unter https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02795767 (abgerufen am 30.06.2017)


Über Emicizumab

Das Prüfmedikament Emicizumab ist ein bispezifischer monoklonaler Antikörper. Er wurde speziell entwickelt, um die Gerinnungs-faktoren IXa und X zu binden und dadurch die Aktivierung von Faktor X zu ermöglichen. Dieser Schritt erfolgt bei Menschen mit Hämophilie A unzureichend, ist aber von zentraler Bedeutung, damit die Blutgerinnung normal ablaufen kann. Emicizumab wird zunächst als einmal wöchentliche subkutane Applikation erforscht. Der Antikörper wird derzeit im HAVEN-Studienprogramm un-tersucht. Daran nehmen Menschen ≥12 Jahre mit Hämophilie A mit oder ohne Inhibitoren gegen Faktor VIII teil, zudem Kinder <12 Jahre mit Hämophilie A und Inhibitoren gegen Faktor VIII. Weitere Untersuchungen prüfen die Wirksamkeit und die Sicherheit von Emicizumab bei geringeren Applikationsfrequenzen. Das klinische Prüfprogramm erforscht auch das Potenzial von Emicizumab, um den gegenwärtigen medizinischen Bedarf in der Behandlung der Hämophilie A zu decken. Dies betrifft vor allem die unter einer konventionellen Therapie mit Faktorpräparaten auftretenden Schwankungen in den Wirkspiegeln, die Bildung von Inhibitoren gegen Faktorpräparate sowie die Notwendigkeit häufiger venöser Zugänge. Emicizumab wird auf Basis von Grundlagenforschung von Chugai in einer Kooperation zwischen Roche und Chugai erforscht. An den klinischen Studien sind auch Hämophilie-Zentren in Deutschland beteiligt.


Roche weltweit

Roche ist ein globales Unternehmen mit Vorreiterrolle in der Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Diagnostika und ist darauf fokussiert, Menschen durch wissenschaftlichen Fortschritt ein besseres, längeres Leben zu ermöglichen. Dank der Kombina-tion von Pharma und Diagnostika unter einem Dach ist Roche führend in der personalisierten Medizin – einer Strategie mit dem Ziel, jeder Patientin und jedem Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.

Roche ist das größte Biotech-Unternehmen weltweit mit differenzierten Medikamenten für die Onkologie, Immunologie, Infektions-krankheiten, Augenheilkunde und Erkrankungen des Zentralnervensystems. Roche ist auch der bedeutendste Anbieter von In-vitro- Diagnostika und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement.

Seit der Gründung im Jahr 1896 erforscht Roche bessere Wege, um Krankheiten zu verhindern, zu erkennen und zu behandeln, und leistet einen nachhaltigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung. Zum Ziel des Unternehmens gehört es, durch Kooperationen mit allen relevanten Partnern den Zugang von Patientinnen und Patienten zu medizinischen Innovationen zu verbessern. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen heute 28 von Roche entwickelte Medikamente, da-runter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Krebsmedikamente. Ausgezeichnet wurde Roche zudem bereits das achte Jahr in Folge als das nachhaltigste Unternehmen innerhalb der Pharma-, Biotechnologie- und Life-Sciences-Branche im Dow Jones Sustainability Index.

Die Roche-Gruppe mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist in über 100 Ländern tätig und beschäftigte 2016 weltweit über 94.000 Mitar-beiterinnen und Mitarbeiter. Im Jahr 2016 investierte Roche CHF 9,9 Milliarden in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von CHF 50,6 Milliarden. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan.

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt


Roche in Deutschland

Roche beschäftigt in Deutschland rund 15.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Pharma und Diagnostik. Das Unternehmen ist an den drei Standorten in Grenzach-Wyhlen (Roche Pharma AG), Mannheim (Roche Diagnostics GmbH, Roche Diabetes Care GmbH sowie Roche Diagnostics Deutschland GmbH und Roche Diabetes Care Deutschland GmbH) und Penzberg (Biotechnologie-Kompetenzzentrum, Roche Diagnostics GmbH) vertreten. Die Schwerpunkte erstrecken sich über die gesamte Wert-schöpfungskette der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics: von Forschung und Entwicklung über Produktion, Logistik bis hin zu Marketing und Vertrieb, wobei jeder Standort neben dem Deutschland-Geschäft auch globale Aufgaben wahrnimmt. Ro-che bekennt sich klar zu den deutschen Standorten und hat in den letzten fünf Jahren in diese rund 2 Milliarden Euro investiert.

  • Weitere Informationen zu Roche in Deutschland finden Sie unter www.roche.de


Roche Pharma AG

Die Roche Pharma AG im südbadischen Grenzach-Wyhlen verantwortet mit rund 1.400 hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das deutsche Pharmageschäft. Dazu gehören Marketing und Vertrieb von Roche Medikamenten in Deutschland sowie der Austausch mit Wissenschaftlern, Forschern und Ärzten in Praxen und Krankenhäusern. Im Bereich der klinischen Forschung koordiniert der Standort alle zulassungsrelevanten Studien für Deutschland sowie Studien für bereits auf dem Markt befindliche Produkte. Für den europäischen Raum erfolgen in Grenzach-Wyhlen zudem zentrale Elemente der technischen Qualitätssicherung.


Chugai Pharma

Chugai Pharmaceutical ist eines der führenden japanischen Pharmaunternehmen mit Fokus auf biotechnologische Produkte und neue innovative Therapieprinzipien – knapp 17 Prozent des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert. 2016 be-schäftigte Chugai 7.245 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Japan sowie in seinen Niederlassungen in Europa (u.a. auch in Deutsch-land), in den USA und Asien. Ein wichtiger Schritt für Chugai Pharma war die globale strategische Allianz mit Roche im Jahr 2002 bei gleichzeitiger Wahrung der unternehmerischen Unabhängigkeit des Unternehmens in den Ländern, in denen bereits eigene Filialen bestanden.


Quelle: Roche Pharma, 10.07.2017 (tB).

 
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