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17 | 10 | 2017
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Auf dem Weg zu optimierten Therapiekonzepten

Fortschritte bei verschiedenen hämatologischen Tumoren

 

Leverkusen/Berlin (21. Februar 2008) ‑ Fortschritte hat es in den vergangenen Jahren in der Onkologie vor allem bei den hämatologischen Tumoren gegeben. Diese Entwicklung scheint sich auch künftig fortzusetzen, wie verschiedene neue Therapieansätze belegen, die derzeit erprobt werden und anlässlich des Deutschen Krebskongresses in Berlin vorgestellt wurden.

Ein Beispiel dafür, dass es weiterhin Bewegung in den Therapiekonzepten hämatologischer Tumore gibt, ist die chronisch lymphatische Leukämie (CLL). Der anti-CD52-Antikörper Alemtuzumab hat sich bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer CLL nach einer Fludarabin‑haltigen Behandlung etabliert und auch bei Patienten mit 17p-Chromosomen-Deletion, die als Risikopatienten gelten, wird der Wirkstoff regelmäßig eingesetzt. „Es gibt zudem einen gewissen Trend hin zu einer früheren Anwendung von Alemtuzumab bei der CLL", erklärte Professor Dr. Michael Hallek, Köln.

 

 

Alemtuzumab steigert die Ansprechraten und das progressionsfreie Überleben bei der CLL

 

Die Hoffnungen auf verbesserte Behandlungsaussichten bei der CLL durch Alemtuzumab gründen sich insbesondere auf die Ergebnisse der CAM 307-Studie, in der 297 CLLPatienten als First-Line-Therapie entweder mit Alemtuzumab (MabCampath®) oder Chlorambucil behandelt wurden. Dabei wurde unter dem anti-CD-52-Antikörper eine Ansprechrate von 83 Prozent gesehen gegenüber nur 55 Prozent unter Chlorambucil. „Der Unterschied war statistisch signifikant", so Hallek. Auch die Rate kompletter Remissionen war mit 24 Prozent unter Alemtuzumab signifikant höher als unter Chlorambucil, das nur bei 2 Prozent der Patienten eine volle Remission erwirkte. Laut Hallek wurde ferner unter der Antikörpertherapie ein statistisch eindeutig längeres progressionsfreies Überleben beobachtet und das sowohl bei Patienten mit normalem Karyotyp als auch bei Hochrisikopatienten mit 17p-Deletion.

 

Als bemerkenswert bezeichnete der Kölner Hämatologe die Tatsache, dass abgesehen von einer möglichen Reaktivierung einer CMV in der Studie keine relevante Zunahme an Infektionen festgestellt wurde, was die Sicherheit der Medikation unterstreicht. Geprüft wird nach Hallek derzeit, inwieweit Alemtuzumab im Rahmen einer Konsolidierungs­therapie eine Verbesserung des Remissionsstatus bei Patienten mit partieller Remission erwirken kann.

 

Radioimmuntherapie: Wirksam und sicher bei der Konsolidierungstherapie des follikulären Lymphoms

Beim follikulären Lymphom lassen sich ersten Daten zufolge bei der Konsoli­dierungsbehandlung Fortschritte durch den Einsatz einer Radioimmuntherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan (Zevalin®) erzielen. Darauf weisen nach Professor Dr. Lorenz Trümper, Göttingen, die Ergebnisse der FIT-Studie (First-line Indolent Trial) hin, in der 414 Patienten mit fortgeschrittenem follikulärem Lymphom, die auf eine First-Line­Therapie mit partieller oder kompletter Remission angesprochen hatten, randomisiert entweder eine einmalige Infusion von 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan oder im Kontrollarm keine zusätzliche Behandlung erhielten.

 

Die Studie, bei der inzwischen die Daten eines 3,5jährigen Follow‑ups vorliegen, belegt eine statistisch signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens unter 90Y-Ibritumomab‑Tiuxetan und das von durchschnittlich 13,5 Monaten in der Kontroll­gruppe auf 37 Monate nach Infusion des radioaktiven Antikörpers. Darüber hinaus wurde bei 77 Prozent der Patienten, die zunächst nur eine partielle Remission erreicht hatten, durch die Radioimmuntherapie eine komplette Remission erwirkt. Die Daten zeigen nach Trümper, dass eine Konsolidierungsbehandlung mit Zevalin® nach der Induktionstherapie beim follikulären Lymphom wirksam und sehr gut durchführbar ist.

 

 

Bringt Sorafenib auch bei der AML Therapiefortschritte?

 

Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) sind laut Professor Dr. Hubert Serve, Frankfurt, multiple molekulare Veränderungen beschrieben worden. Der Mediziner sieht vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse Potenzial für einen Einsatz des Multikinase-Hemmers Sorafenib in der Behandlung der AML. In Studien bei soliden Tumoren wie dem Nierenzellkarzinom und dem Leberzellkarzinom hat Sorafenib (Nexavar®) eindeutige Überlebensvorteile erwirkt und ist bei beiden Tumoren bereits zur Behandlung zugelassen.

 

Der Wirkstoff hemmt nicht nur die Serin‑Threonin‑Kinasen der Raf-Familie, sondern darüber hinaus mehrere Rezeptor‑Tyrosinkinasen wie VEGFR, PDGFR und Kit. Noch bedeutsamer für die AML ist laut Serve die Beeinflussung von FIt3 und aktivierender Mutationen dieses Rezeptors, die in den Blasten von mehr als 30 Prozent der AML-Patienten zu finden sind.

 

Inwieweit der Multikinasehemmer auch bei der AML Überlebensvorteile erwirken kann, wird nach Angaben des Frankfurter Mediziners zurzeit im Rahmen einer multizentrischen, doppelblinden Phase llb-Studie bei Patienten über 60 Jahren untersucht. 200 Patienten sollen in die Studie eingeschlossen werden, wobei in einem Arm mit Sorafenib zusätzlich zu einer Chemotherapie mit Cytarabin und Daunorubicin behandelt wird. Geprüft wird laut Serve, ob sich Fortschritte beim ereignisfreien Überleben sowie beim Gesamtüberleben und/oder bei der Rate kompletter Remissionen durch den Multikinasehemmer erzielen lassen.


Quelle: Satellitensymposium der Firma Bayer HealthCare zum Thema „Neue Wege in der Hämatologie" beim 28. Deutschen Krebskongress am 21.02.2008 in Berlin (tB).
 
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