Drucken

gth_logo56. GTH-Jahrestagung zeichnet neues Bild der Hämostaseforschung:

am Outcome orientiert – interdisziplinär – zukunftsweisend

 

St. Gallen, Schweiz (8. Februar 2012) – Unter dem Leitthema «Klinische Forschung – Brücke zur Zukunft» befassten sich an der 56. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) in St. Gallen Anfang Februar rund 1.200 Ärzte und nichtärztliche Fachpersonen vier Tage lang mit dem Themenkomplex Blutung und Blutgerinnung. Die aus 22 Ländern angereisten Teilnehmer diskutierten unter anderem neueste Daten und Erkenntnisse zur Therapie und Prävention venöser Thromboembolien, zum perioperativen Gerinnungsmanagement sowie zu erblichen oder erworbenen Blutungs- oder Gerinnungs­störungen. Im Zentrum des Fortbildungsangebots stand die zentrale Bedeutung der Hämostaseologie für andere wichtige Fachbereiche der Medizin wie zum Beispiel für die Kardiologie oder die Gynäkologie und Geburtshilfe.

 

Mit einer Beteiligung von fast 1.200 Fachbesuchern aus 22 Ländern fand im ostschweizerischen St. Gallen vom 1. bis 4. Februar 2012 die 56. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) statt. Die GTH-Tagung hat sich als weltweit zweitgrösste Fachtagung auf diesem Gebiet etabliert – direkt hinter der ISTH, der International Society on Thrombosis and Haemostasis. Als wichtigster und grösster Gerinnungskongress in Europa erfreuen sich die GTH-Jahrestagungen auch ausserhalb des deutschsprachigen Raums wachsender Beliebtheit – nicht zuletzt dank ihrer hochstehenden wissenschaftlichen Programme. Die 128 international aner­kannten Referenten des diesjährigen Meetings stammten aus Europa, Japan und den USA. Gastland der 56. GTH-Jahrestagung war Italien mit vier Thrombose-Fachgesellschaften und -Arbeitsgruppen.

 

Der durchgehend in englischer Sprache abgehaltene wissenschaftliche Teil des Kongresses bot neben sechs Plenarvorträgen 21 je zweistündige «Educational Sessions» zu Spezialthemen wie dem Monitoring der oralen Antikoagulation, Blutungskomplikationen in der Schwangerschaft oder den verschiedenen Ursachen für Plättchenfunktionsstörungen. Über 80 Freie Mitteilungen und mehr als 300 Poster reflektierten die Vielfalt der akademischen und klinischen Projekte auf dem Gebiet der Hämostase- und Thromboseforschung. Der praktische Fortbildungsteil der 56. GTH-Jahrestagung fand seinen Auftakt am ersten Kongresstag mit fünf praxisorientierten Workshops, von denen sich drei explizit an nichtärztliches Fachpersonal richteten: ein interaktiver Kommunikations-Workshop für Hämophilie-Assistentinnen und zwei Workshops für Bioanalytiker; einer zur Lupus-Diagnostik und einer zur Methodik, Bedeutung und Indikation der Thrombin­generierung. Fragen aus der Praxis kamen zudem in den Sessions der verschiedenen GTH-Arbeitsgrupppen, Ausschüssen und ständigen Kommissionen zur Sprache.

 

 

Hämostase-Updates: Brücken zum klinischen Alltag

 

Eine wichtige Neuerung im Fortbildungsprogramm der GTH-Jahrestagungen bildeten die vier kompakten Hämostase-Updates für Nicht-Hämostaseologen und interessierte Blutgerinnungs­experten in Klinik und Praxis. Die überaus positiv aufgenommenen und stark frequentierten Halbtagessymposien waren exakt auf das Arbeitsgebiet von Kardiologen, Neurologen, Gynä­kologen und Geburtshelfer sowie von Chirurgen und chirurgischen Orthopäden zugeschnitten. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten auch hier die Vermeidung thromboembolischer Ereignisse und das praktische Vorgehen in Risikosituationen.

 

«Es war ein wichtiges Anliegen des Tagungskomitees, die enge Verknüpfung von Hämostase und Thrombose mit anderen klinischen Disziplinen herauszustreichen und klar zu machen, was die Forschungsergebnisse aus unserem Fachgebiet für unsere Kollegen beispielsweise in der Kardiologie oder in der Neurologie bedeuten» sagte Prof. Dr. med. Wolfang Korte, Tagungspräsident der 56. GTH-Jahrestagung und Leiter des Zentrums für Labormedizin am Kantonsspital St. Gallen. «Im Bereich des perioperativen Managements hat es sich seit längerem etabliert, dass Hämostaseologen bzw. Labormediziner eng mit der Anästhesiologie und der Chirurgie zusammenarbeiten. Dieser Trend setzt sich auch in anderen Disziplinen fort».

 

«Die Blutgerinnung ist ein zentrales Thema in praktisch allen Bereichen der Medizin. Rund 50% der Menschen sterben an kardiovaskulären Komplikationen, die Hälfte davon alleine an kardiologisch bedingten Thrombosen», betonte Prof. Dr. med. Christoph Bode, Vorsitzender der GTH und Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin III (Kardiologie und Angiologie) der Universitätsklinik Freiburg i. Br. «Viele Patienten sterben aber auch an den Folgen von Hirn­schlägen oder Hirnblutungen. Nicht zu vergessen sind thrombotische Komplikationen bei onkologischen Patienten», ergänzte Prof. Bode. «Angesichts der Zunahme der Komplexität in den einzelnen Gebieten kommen wir längst nicht mehr ohne das Wissen des anderen aus und müssen verstärkt interdisziplinär zusammenarbeiten. Die hieraus entstehenden Vorteile für die optimale Versorgung unserer Patienten wurden an diesem Kongress anschaulich illustriert», so Prof. Bode.

 

 

Klinische Forschung als Motor für den Fortschritt in der Medizin

 

«Als wichtige Triebfeder des medizinischen Fortschritts kommt der klinischen Forschung weltweit eine wachsende Bedeutung zu», sagte Tagungspräsident Prof. Korte im Hinblick auf das Tagungsmotto 'Klinische Forschung – Brücke zur Zukunft'. «Wissenschaftliche Entwicklungen werden heute vor allem an ihrem klinischen Outcome beurteilt, das heisst an den für die Patienten spürbaren und somit klinisch messbaren Verbesserungen. Grosse klinische Studien, wie etwa Zulassungsstudien für neue Medikamente, untersuchen daher seit längerem den 'Net Clinical Benefit' als neuen klinischem Endpunkt. Dieser erlaubt eine bessere Abwägung des Nutzens einer Therapieoption gegenüber ihren Risiken und Nachteilen». Ein Beispiel hierfür seien die neuen oralen Antikoagulantien, die sich in immer mehr Indikationsgebieten als sinnvoll erweisen, so Prof. Korte.

 

 

Auszeichnungen, Preise und Stipendien

 

An der 56. Jahrestagung verlieh die GTH erneut zahlreiche Preise und Stipendien für heraus­ragende Leistungen bzw. für innovative Projektideen auf dem Gebiet der Thrombose- und Hämostaseforschung. Die Ehrungen wurden durch den GTH-Präsidenten Prof. Christoph Bode im Rahmen der Eröffnungsfeier vorgenommen, in der auch die Gesundheitsministerin des Kantons St. Gallen, Frau Heidi Hanselmann, zu den Gästen sprach.

 

Der angesehene Alexander-Schmidt-Preis der GTH in Höhe von 10 000 EUR ging an PD Dr. med. Cihan Ay (Wien) für die 2011 im Journal of Clinical Oncology publizierte Arbeit zur Vorhersage venöser Thromboembolien bei Krebspatienten durch Messung der Thrombinbildung («Prediction of venous thromboembolism in patients with cancer by measuring thrombin generation: results from the Vienna Cancer and Thrombosis Study»).

 

Das mit 30 000 EUR ausgestattete Hans-Egli-Stipendium (Sponsor: Bayer Vital) wurde Dr. med. Sonja Werwitzke, Ph.D. (Hannover), zugesprochen. Die Forscherin erhält das Stipendium zur Umsetzung eines Forschungsprojekts, das sich mit der Unterdrückung der gegen Faktor VIII gerichteten Immunantwort von B-Gedächtniszellen befasst. Darüber hinaus verlieh die GTH die mit je 2500 EUR dotierten Nachwuchspreise für Blutungserkrankungen (Sponsor: Pfizer) und Thromboseforschung (Sponsor: Sanofi) an die in zwei verschiedenen Arbeitsgruppen in Frankfurt am Main tätigen Dr. Peter Milanov und Dr. Sascha Meyer dos Santos. Beide Preisträger hatten 2011 zusammen mit ihren Teams im angesehenen Journal «Blood» je eine Arbeit publiziert.

 

Abgerundet wurde die 56. GTH-Jahrestagung, an der auch wie immer die Mitgliederversammlung stattfand, durch 21 Satellitensymposien und eine 1400 m2 umfassende Industrieausstellung mit rund 45 Anbietern. Die 57. GTH-Jahrestagung mit dem Motto «Hämostaseologie – Interdisziplinär» findet vom 20. bis 23. Februar in München statt. Erste Informationen finden Sie unter www.gth2013.org

 

 

Über die GTH

 

Die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. (GTH) ist ein gemeinnütziger Verein im Sinne einer interdisziplinären, wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft und dient ausschließlich den Zwecken der Wissenschaft und Weiterbildung. Ziele der GTH sind unter anderem die Förderung und Unterstützung wissenschaftlicher Forschung auf den Gebieten Thrombose, Hämostase, vaskuläre Medizin und Biologie, die Vereinigung von Forschern aus dem deutschsprachigen Raum zur Förderung und Unterstützung interdisziplinärer Forschung und Zusammenarbeit auf diesen Gebieten, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf ihrem Fachgebiet sowie die Verbreitung des Wissens in dem Fachgebiet Thrombose- und Hämostaseforschung in der interessierten Öffentlichkeit. Die GTH unterhält enge Kooperationen mit nationalen und internationalen Fachgesellschaften. Auf den Jahrestagungen der Gesellschaft werden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert. Vorsitzender ist Prof. Dr. med. Christoph Bode, Freiburg im Breisgau. Ständige Kommissionen der GTH bestehen in den Gebieten Pädiatrie (Dr. med. Wolfgang Eberl) und Hämophilie (Dr. med. Robert Klamroth und Dr. med. Karin Kurnik). Aktuelle Arbeitsgruppen der GTH sind die AG Thrombophilie (Prof. Dr. med. Edelgard Lindhoff-Last), die AG Erworbene Hämophilie (Dr. med. Andreas Tiede) und die AG Labordiagnostik (Prof. Dr. med. Carl-Erik Dempfle). Weitere Informationen finden Sie unter www.gth-online.org.

 


 

Quelle: Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. (GTH), 08.02.2012 (tB).