Home Hämatologie Hämophilie A-Therapie: Neues Faktor VIII-Präparat Kovaltry® ermöglicht Flexibilität und patientenindividuelle Dosierung bei der Blutungsprophylaxe
17 | 12 | 2017
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Hämophilie A-Therapie

Neues Faktor VIII-Präparat Kovaltry® ermöglicht Flexibilität und patientenindividuelle Dosierung bei der Blutungsprophylaxe

  • Präparat mit verbesserten Eigenschaften
  • Innovativer Herstellungsprozess sorgt für hohe Anreicherung von funktionsfähigem rekombinanten Faktor VIII
  • Nachhaltiges Engagement von Bayer in der Hämophilietherapie

Leverkusen (15. März 2016) – Die therapeutischen Möglichkeiten für Hämophilie A-Patienten haben in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ein hohes Niveau erreicht. Dank der heute als Goldstandard geltenden Prophylaxe mit plasmatischen und gentechnisch hergestellten (rekombinanten) Gerinnungsfaktorenkonzentraten können spontane Blutungen in Gelenken, Muskeln und anderem Gewebe weitgehend verhindert werden. Der neu zugelassene unmodifizierte rekombinante Faktor VIII Kovaltry®(1) ermöglicht Flexibilität bei der patientenindividuellen Prophylaxe1.

Das LEOPOLD(2) Studienprogramm hat die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Kovaltry® bei der Bedarfstherapie und zwei- bis dreimal wöchentlicher Prophylaxe sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen und Erwachsenen gezeigt. Der rekombinante Faktor VIII (rFVIII) Kovaltry® kombiniert die identische Aminosäure-Sequenz des seit 25 Jahren bewährten Kogenate® bzw. Kogenate® Bayer (INN: Octocog alfa) mit einem innovativen Herstellungsprozess und setzt dabei neue Maßstäbe. Neueste Spitzentechnologie sorgt für eine besonders effiziente Aufreinigung und eine hohe Anreicherung von funktionsfähigem rFVIII im Endprodukt. Deutschland ist das erste Land weltweit, in dem Kovaltry® verfügbar ist und somit Hämophilie A-Patienten von dem neuen Arzneimittel mit dem rekombinanten Faktor VIII profitieren können.

LEOPOLD bestätigt Wirksamkeit und Verträglichkeit in allen Altersgruppen2,3,4

Das aus drei multinationalen klinischen Studien bestehende Zulassungsstudien-Programm LEOPOLD bestätigt die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Kovaltry® in allen Alterklassen sowohl bei der Prophylaxe und Behandlung von Blutungen als auch bei chirurgischen Eingriffen. Am LEOPOLD Studienprogramm nahmen insgesamt 204 Patienten aus 60 Prüfzentren und 25 Ländern teil. Die Studie umfasst somit weit mehr als die in den EMA-Guidelines geforderten Patienten. Eingeschlossen wurden Männer und männliche Jugendliche im Alter von 12 bis 65 Jahren (LEOPOLD I-II) sowie Jungen von 0 bis 12 Jahren (LEOPOLD Kids) mit schwerer Hämophilie A. Aufgrund der X-chromosomalen Vererbung sind nahezu ausschließlich Jungen und Männer von der chronischen Erkrankung betroffen.

Bei LEOPOLD I wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Kovaltry® bei der Prophylaxe zwei- oder dreimal wöchentlich untersucht. Im primären Endpunkt des ersten Teils der Studie bestätigen die Ergebnisse die Nichtunterlegenheit von Kovaltry® gegenüber Kogenate® Bayer. Darüber hinaus zeigte das neue Faktorpräparat im intraindividuellen Vergleich eine erhöhte Halbwertszeit von 13,4 versus 12,2 Stunden5. In LEOPOLD II, einer randomisierten, offenen Phase II/III-Studie, konnte die Überlegenheit der Prophylaxe gegenüber der Bedarfstherapie nachgewiesen werden. Durch die Prophylaxe konnte eine Reduktion von 97 Prozent in der medianen Blutungsrate erzielt werden. Auch im bereits abgeschlossenen ersten Teil der nicht randomisierten, offenen Phase III-Studie LEOPOLD Kids mit 51 vorbehandelten Jungen bis 12 Jahren zeigte sich die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Kovaltry® bei der Prophylaxe. Zurzeit läuft noch der zweite Teil der Studie mit zuvor unbehandelten Patienten (PUPs).

Bei 13 größeren, im Rahmen des LEOPOLD Studienprogramms durchgeführten Operationen (inkl. Gelenkersatz und Entfernung von Pseudotumoren) und bei 46 kleineren wurde die Hämostase unter Kovaltry® als gut oder exzellent beurteilt. Die Inzidenz behandlungsbedingter Nebenwirkungen, auch schwerwiegender Nebenwirkungen war niedrig. Kein vorbehandelter Patient (PTP) entwickelte einen Inhibitor. In einem Crossover der Patienten nach 6 Monaten (LEOPOLD I-II) konnte zudem nachgewiesen werden, dass der eingesetzte Gerinnungstest bei der Bestimmung der Wirkstärke (chromogener Assay vs. Ein-Stufen-Test) keinen Einfluss auf die klinischen Ergebnisse hatte.

„Die umfangreichen LEOPOLD-Daten belegen eindrucksvoll, dass Patienten aller Altersgruppen von der Prophylaxe mit Kovaltry® profitieren. Die studiengeprüfte Therapieoption mit zwei- bis dreimal wöchentlichen Gaben ermöglicht dem betreuenden Arzt eine individualisierte Prophylaxe je nach Blutungsphänotyp und Aktivitätslevel des Patienten“, sagt Dr. Dr. Christoph Königs, Arzt am Gerinnungszentrum der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt.

Innovativer Herstellungsprozess setzt neue Maßstäbe in der rFVIII Produktion6

Bei der Herstellung von Kovaltry® wird ein patentiertes Verfahren eingesetzt, bei dem u.a. durch Koexpression von Heat Shock Protein 70 (HSP70), ohne Zusatz humaner oder tierischer Proteine eine hohe Anreicherung von funktionsfähigem rFVIII erreicht wird. HSP70 unterstützt zudem eine komplexere Glykosylierung und ein höheres Capping. „Dadurch ist das Protein besser geschützt, was eine mögliche Erklärung für die verbesserte Pharmakokinetik mit verlängerter Halbwertszeit sein kann“, erläutert Prof. Dr. med. Andreas Tiede von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Hohes Engagement in der Hämophiliebehandlung

Mit der konsequenten Erforschung neuer Therapien und der Entwicklung verbesserter Faktorenkonzentrate wie Kovaltry® unterstreicht Bayer sein hohes Engagement im Bereich der Hämophiliebehandlung. Zum Portfolio gehört auch ein in der klinischen Entwicklung befindlicher, länger wirksamer rFVIII. Zusätzlich verfolgt Bayer andere Behandlungsansätze in präklinischen und frühen Stadien der klinischen Entwicklung, darunter FVIII-Gentherapie und die Inhibierung von TFPI (Tissue Factor Pathway Inhibitor) im Bereich der Hämophilie und anderen Erkrankungen des Blutes.

Aber auch jenseits der Versorgung mit hochentwickelten Faktorpräparaten macht Bayer Angebote, die Alltag und Umgang mit der chronischen Erkrankung erleichtern. Das Unternehmen fördert die Entwicklung maßgeschneiderter telemedizinischer Lösungen (z.B. smart medication™) und schafft Schnittstellen zwischen den Systemen. In Zusammenarbeit mit Hämophilie-Experten entwickelt Bayer Fach- und Weiterbildungsliteratur für Behandlungsteams und Patienten und fördert mit dem internationalen Bayer Hemophilia Awards Program und der Unterstützung des Hans-Egli-Forschungsstipendiums, vergeben durch die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH), die medizinische und klinische Weiterentwicklung im Bereich der Hämostaseologie. Weil das Leben mit Hämophilie trotz guter Therapiemöglichkeiten viele alltägliche Herausforderungen mit sich bringt, zeichnet Bayer mit dem PHILOS-Preis zudem kreative Betreuungskonzepte von gemeinnützigen Trägern aus.

Über Hämophilie A

Hämophilie A, umgangssprachlich auch „Bluterkrankheit“ genannt, ist eine genetische Erkrankung. Durch einen Mangel oder einen Defekt des Gerinnungsfaktors VIII (FVIII) ist die Blutgerinnung gestört. Bei den Betroffenen kommt es daher immer wieder zu Blutungen in Muskeln, Gelenken oder anderen Geweben, die zu Langzeitschäden führen können. Äußere Verletzungen, auch wenn sie trivial sind, können schwerwiegende Folgen haben, da das Blut langsamer gerinnt als bei Gesunden. Das Gen für FVIII liegt auf dem X-Chromosom. Daher leiden in erster Linie Jungen und Männer an Hämophilie A. Frauen sind Überträgerinnern – sogenannte Konduktorinnen – der Krankheit und können sie an ihre Söhne weitergeben. Selbst leiden Frauen selten an den Symptomen der Hämophilie. In Deutschland leben rund 4.000 Menschen mit Hämophilie. Neben Hämophilie A gibt es noch die Hämophilie B, bei der der Blutgerinnungsfaktor IX betroffen ist. Hämophilie A ist die häufigere Form der Erkrankung.

Hämophilie ist bis heute nicht heilbar. Die frühzeitige Prophylaxe von Blutungen bei Kindern ist der Therapiestandard in Deutschland. Je früher ein Hämophilie-Patient Faktor VIII vorbeugend erhält, desto seltener sind Gelenkblutungen, wodurch die Lebensqualität jedes einzelnen Patienten steigt. Hämophilie ist so gut behandel- und beherrschbar, dass die Betroffenen ein nahezu normales Leben führen können.

Bayer: Science For A Better Life

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig will der Konzern Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und handelt als „Corporate Citizen“ sozial und ethisch verantwortlich. Im Geschäftsjahr 2015 erzielte der Konzern mit rund 117.000 Beschäftigten einen Umsatz von 46,3 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 4,3 Milliarden Euro. Diese Zahlen schließen das Geschäft mit hochwertigen Polymer-Werkstoffen ein, das am 6. Oktober 2015 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht wurde. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de.


Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland.

Anmerkungen

(1) Kovaltry® ist zugelassen für die Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten aller Altersgruppen mit Hämophilie A.

(2) Long-Term-Efficacy Open-Label Program in Severe Hemophilia A Disease

Literaturverweise

  • 1. Fachinformation Kovaltry®, Stand Februar 2016
  • 2. LEO I: Saxena K et al., J Thromb Haemost 2013; 11(S2): 290-1019, PB 4.37–2
  • 3. LEO II: Kavakli K et al., J Thromb Haemost 2015; 13(3): 360–369
  • 4. LEO Kids: Ljung R et al., Haemophilia 2015, 1-7. DOI: 10.1111/hae.12866
  • 5. Shah A et al., Haemophilia 2015; 21(6): 766–771
  • 6. Garger S, et al, Haemophilia (2016), 22 (Suppl. 2), 13—111, P100

Quelle: Bayer HealthCare, 15.03.2016 (tB).

 
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