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12 | 12 | 2017
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Neue Daten belegen die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit der HIV-Therapie mit Tipranavir (Aptivus®) bei vorbehandelten Kindern

 

Ingelheim (7. August 2008) - Boehringer Ingelheim stellte heute auf der Internationalen AIDS-Konferenz in Mexiko-Stadt die neuen 100-Wochen-Daten vor, die die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit von Aptivus® (Tipranavir) bei vorbehandelten Kindern belegen. Die Ergebnisse dieser zweijährigen Studie zeigen, dass die Kinder unter Aptivus® ein anhaltendes virologisches und immunologisches Ansprechen erzielten und die antiretrovirale Therapie gut vertrugen.
Die Ergebnisse basieren auf den 2006 anlässlich der Internationalen AIDS-Konferenz in Toronto, Kanada, vorgestellten positiven 48-Wochen-Daten, die auch die Grundlage für die Zulassung von Aptivus® als Lösung zum Einnehmen vor Kurzem durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen in den USA bildeten. Diese Daten werden derzeit von der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA für die Marktzulassung einer Lösung zum Einnehmen und für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen in Europa geprüft.



Bei den Zwei-Jahres-Follow-up-Daten wurde Tipranavir, das zusammen mit niedrig dosiertem Ritonavir (Aptivus®/r) verabreicht wurde, bei 78 vorbehandelten Kindern geprüft. Die Teilnehmer, welche die ursprüngliche 48-Wochen-Studie abschlossen, hatten die Möglichkeit, in einer Erweiterung der Studie ihre Behandlung mit Aptivus® fortzusetzen. Die weitergehende Analyse bestätigt die Ergebnisse der 48-Wochen-Daten und belegt die dauerhafte Wirkung von Aptivus®. Bei mehr als der Hälfte der jüngeren Kinder in der Studie kam es zu einem anhaltenden virologischen Ansprechen; die Lösung zum Einnehmen war auch über die Dauer von 100 Wochen gut verträglich.

 

Da für vorbehandelte Kinder weniger Behandlungsoptionen als bei Erwachsenen verfügbar sind, werden dringend neue Therapiemöglichkeiten benötigt; auch sind Therapien notwendig, die den spezifischen Bedürfnissen von Kindern entsprechend entwickelt wurden. Die Anzahl der Kinder, bei denen HIV/AIDS diagnostiziert wird, nimmt weiter zu. Derzeit sind weltweit circa 2,1 Millionen Kinder mit dem HI-Virus infiziert; nach neueren statistischen Berechnungen werden allein in diesem Jahr weitere 29.000 Kinder an einer HIV-Infektion erkranken. HIV-infizierte Kinder sind wesentlich stärker gefährdet, das Vollbild Aids zu entwickeln, wenn sie nicht erfolgreich mit einer antiretroviralen Therapie behandelt werden können. Wie bei Erwachsenen, so können HI-Viren auch bei Kindern Resistenzen gegenüber bestimmten Therapieregimen entwickeln. Dies unterstreicht das Bedürfnis für eine Ausweitung der Therapieoptionen, die gegenüber medikamentenresistenten HIV-Stämmen wirksam sind.

Die Daten, die in mehr als 26 Prüfzentren in Europa, USA und Lateinamerika erhoben wurden, zeigen, dass HIV-1-positive Kinder und Jugendliche, die Tipranavir mit Ritonavir-Boosterung als Teil ihrer antiretroviralen Kombinationstherapie erhalten, einen anhaltenden virologischen und immunologischen Behandlungserfolg nach 100 Behandlungswochen erreichen können: dann erreichten 56 Prozent der Kinder zwischen zwei und sechs Jahren eine Viruslast unter 400 Kopien pro ml, und bei 48 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe sank die Viruslast unter die Nachweisgrenze (weniger als 50 Kopien pro ml).

In der Altersgruppe der Sechs- bis Zwölfjährigen sank bei 30 Prozent die Viruslast unter die Nachweisgrenze (weniger als 50 Kopien pro ml), und in der Gruppe der Zwölf- bis Achtzehnjährigen erreichten immerhin noch 20 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Dass weniger der älteren Kinder eine Viruslast unter der Nachweisgrenze erreichten, ist darauf zurückzuführen, dass ältere Kinder stärker vorbehandelt und mit medikamentenresistenteren HI-Viren infiziert sind als jüngere Kinder.

 

„Da es viele HIV-infizierte Kinder und Jugendliche gibt, bei denen die Virusunterdrückung versagt, ist eine neue, speziell für diese Gruppe entworfene Generation an Therapien erforderlich“, betonte Dr. Juan Salazar, Associate Professor of Paediatrics am Connecticut Children's Medical Centre in Hartford, USA, und Erstautor der Analyse. „Für diese vorbehandelten Kinder, für die nur begrenzte Optionen zur Beibehaltung eines aktiven und dauerhaften Therapieregimes zur Verfügung standen, haben wir nun den Nachweis, dass Tipranavir wirksam und verträglich ist.“

Einigen Studien zufolge gelingt es bei bis zu 50 Prozent der HIV-infizierten Kinder und Jugendlichen nicht, die Vermehrung der HI-Viren über die zwei Jahre der Anfangsbehandlung hinaus dauerhaft unterdrückt zu halten, und bis zu 90 Prozent der Kinder, bei denen eine antiretrovirale Therapie scheitert, sind mit medikamentenresistenten HIV-Stämmen infiziert. Diese Statistiken zeigen, dass es von außerordentlicher Bedeutung ist, neue Optionen verfügbar zu machen, die das HI-Virus auch in der vorbehandelten pädiatrischen Gruppe unterdrücken können.

Die häufigsten Nebenwirkungen betrafen den Magen-Darm-Trakt, beispielsweise Erbrechen und Durchfall. Bei über sechs Prozent der Patienten kam es zu einem Grad-3-Anstieg der Leberenzyme (ALT), aber bei keinem Patienten zu einem Grad-4-Anstieg, was auf ein akzeptables hepatotoxisches Profil hinweist.

 

 

Aptivus®

 

Der Wirkmechanismus von Aptivus®, einem neuartigen nicht peptidischen Proteasehemmer, beruht auf einer Hemmung der HIV-Protease, einem Enzym, das benötigt wird, um den HIV-Vermehrungszyklus abzuschließen. Nach den verfügbaren klinischen und in vitro-Daten behält Aptivus® seine antiretrovirale Wirksamkeit auch gegenüber den meisten HIV-1-Stämmen, die gegen andere derzeit verfügbare Proteasehemmer resistent sind. Aptivus®/r ist für die antiretrovirale Kombinationstherapie der HIV-1-Infektion bei mehrfach vorbehandelten Erwachsenen zugelassen, bei denen die Viren eine Resistenz gegenüber mehreren der zurzeit zugelassenen Proteasehemmer entwickelt haben.

Die RESIST-I- und die RESIST-II-Studie, zwei klinische Großstudien zu Aptivus® mit über 1.400 Patienten, waren die beiden zulassungsrelevanten Studien für die traditionelle Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA und die uneingeschränkte Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur EMEA. Das RESIST-Studienprogramm ist eines der größten Studienprogramme, das mit einem antiretroviralen Forschungswirkstoff bei HIV-positiven Patienten durchgeführt wurde, die mit Mehrfachkombinationen antiretroviraler Medikamente vorbehandelt waren.

Aptivus® kann mit neuen Medikamenten mit neuartigen Wirkmechanismen (z. B. Integrasehemmer und CCR-5-Antagonisten) zu einem wirksamen und dauerhaften Behandlungsregime kombiniert werden, ohne dass eine Dosisanpassung erforderlich ist. Ein solcher Nutzen wurde durch die günstigen Ergebnisse bei der gleichzeitigen Anwendung von Aptivus® in Kombination mit neuen Medikamentenklassen eindeutig belegt.

Die häufigsten Nebenwirkungen mit mindestens mäßiger Intensität bei Patienten, die in den RESIST-Studien Aptivus® erhielten, betrafen den Magen-Darm-Trakt und äußerten sich in Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Außerdem traten Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bronchitis, Depression und Hautausschläge auf. Erhöhte Transaminase-, Cholesterin- und Triglyzeridspiegel traten häufiger im Aptivus®-Arm als in der Vergleichsgruppe auf, machten jedoch nur in wenigen Fällen eine Beendigung der Therapie erforderlich.

Aptivus®, das zusammen mit niedrig dosiertem Ritonavir verabreicht wird, wurde in einigen Berichten mit die Leber betreffenden Ereignissen, einschließlich einzelner Todesfälle, in Verbindung gebracht. Diese traten im Allgemeinen bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion auf, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnahmen. Besondere Aufmerksamkeit in Form engmaschiger Kontrollen erfordern Patienten mit einer gleichzeitigen chronischen Hepatitis B- oder Hepatitis C-Infektion, da bei diesen Patienten das Risiko für Leberfunktionsstörungen erhöht ist. Die häufigsten mäßigen bis starken Veränderungen der Laborparameter bezogen sich auf erhöhte Leberenzym- und Triglyzeridwerte, jedoch verliefen die meisten Laborparameterabweichungen asymptomatisch und die meisten Patienten konnten ohne ein Absetzen des Medikaments erfolgreich behandelt werden.

Bei einigen intensiv vorbehandelten Patienten wurden unter HAART-Regimes, die Aptivus® enthalten, über tödliche und nicht tödliche intrakranielle Blutungen berichtet. Daher ist besondere Vorsicht bei der Verschreibung von Aptivus®/r an Patienten angezeigt, die ein erhöhtes Blutungsrisiko aufweisen oder Medikamente einnehmen, von denen bekannt ist, dass sie das Blutungsrisiko erhöhen.

 

Aptivus® kann weder eine HIV-Infektion/AIDS heilen, noch die Übertragung des HI-Virus auf andere Personen verhindern. Patienten können auch weiterhin opportunistische Infektionen und andere mit der HIV-Infektion in Zusammenhang stehende Komplikationen erleiden.

Aptivus® 250 mg Weichkapseln wurden im Oktober 2005 in Europa durch die EMEA zugelassen. Aptivus® OS (Lösung zum Einnehmen) erhielt am 24. Juni 2008 die Marktzulassung durch FDA zur Anwendung bei vorbehandelten Kindern und Jugendlichen in den USA.


 

Quelle: Pressemitteilung der Firma Boehringer Ingelheim Pharma vom 07.08.2008 (tB).

 
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