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Welt-Aids-Konferenz: Aidsprävention eine weltweite Aufgabe

Wissen und Erfahrung der Länder mit wirksamer Prävention ist gefragt

 

Köln (7. August 2008) -  HIV-Prävention ist das zentrale Thema der Welt-Aids-Konferenz in Mexiko City. Angesichts von 2,5 Millionen Neuinfektionen jährlich fordern die Experten aus aller Welt "kombinierte" Präventionsmaßnahmen, um die Zielgruppen mit den Angeboten zu erreichen. Noch immer fehlen in vielen Ländern umfassende Angebote der Aidsaufklärung. Aber es gibt auch Länder, in denen Aidsprävention funktioniert und die sich mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen auf der Konferenz einbringen. Deutschland gehört zu den Ländern, in denen Prävention wirkt.



Die Bundesrepublik steht bei den HIV-Neudiagnosen innerhalb der westeuropäischen Länder an zweitniedrigster Stelle, danach folgt nur noch Andorra. Im Jahr 2006 kamen in Deutschland 33 HIV-Neudiagnosen auf 1 Million Einwohner, in der Schweiz waren es 104, in USA nach neuester Schätzung 188 und in Portugal sogar 205 Neudiagnosen pro Million Einwohner. Diese Zahlen bestätigen die Wirksamkeit deutscher Präventionsstrategien. Der Anstieg der HIV-Neudiagnosen von ca. 4 Prozent pro Jahr in Deutschland zeigt aber, dass auch in Deutschland die Prävention aufgrund neuer Entwicklungen vor weiteren Herausforderungen steht.

Das gilt für alle Länder, die Präventionsstrategien entwickelt haben. Die meisten trifft diese Entwicklung allerdings in einer aktuell wesentlich ungünstigeren epidemiologischen Situation. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) reagiert mit ihrer Kampagne "Gib Aids keine Chance", indem sie in Kooperation mit der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) und anderen Partnern wirksame, moderne und zielgruppenspezifische Aufklärungskampagnen entwickelt und umsetzt. Dazu gehören massenmediale Maßnahmen wie Plakate und TV- und Kinospots genauso wie direkte Kommunikationsangebote in Schulen, in Ausstellungen, im Internet oder über die Telefonberatung. Damit verfolgt Deutschland das in Mexiko vehement geforderte Konzept der maßgeschneiderten, "kombinierten" Aidsprävention und passt diese immer wieder aktuellen Entwicklungen an. Die klare Fokussierung der Aidsprävention auf die Kondomnutzung als besten Schutz vor einer HIV-Infektion hat viel zum Erfolg der Kampagne beigetragen.

Im Rahmen ihrer regelmäßigen Repräsentativerhebungen zu Wissen, Einstellungen und Verhalten der Bevölkerung im Hinblick auf HIV/Aids befasst sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch intensiv mit der Frage, was die Ursache für den Anstieg der Neudiagnosen
ist. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass es weder eine wachsende Sorglosigkeit noch eine Nachlässigkeit im Schutzverhalten gibt. So ist die Kondomnutzung in der Gruppe der unter 45-jährigen Alleinlebenden mit 74 Prozent im Jahr 2007 so hoch wie noch nie ist. Das gilt auch für die Gruppe der Jugendlichen. Es schützen sich - mit steigender Tendenz - heute mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen regelmäßig beim ersten Sex mit Kondomen. Die Kondomabsatzzahlen nehmen mit 209 Millionen verkauften Kondomen in 2007 einen Spitzenplatz ein.

Die steigenden Zahlen der diagnostizierten HIV-Infektionen finden sich vor allem in der besonders gefährdeten Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Nach Angaben des Robert Koch-Instituts nimmt die absolute Zahl der HIV-Neudiagnosen bei MSM von 2006 auf 2007 um 12 Prozent zu. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Immer mehr Menschen lassen sich testen und bisher unentdeckte Infektionen werden erfasst. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung Infizierter mit der Folge, dass die Wahrscheinlichkeit, auf einen infizierten Sexualpartner zu treffen, ebenfalls zunimmt. Angesichts optimistischer wissenschaftlicher Erfolgsmeldungen sinkt gerade in Teilen der gefährdeten Gruppen die gefühlte Bedrohung, z.B. durch die Vorstellung, dass Aids bald heilbar und ein Leben mit einer Therapie leicht sei. Aussagen, wonach der Anteil der Frauen bei den HIV-Neudiagnosen steigt, stimmen nicht. Ihr prozentualer Anteil an den Neudiagnosen hat in Deutschland den niedrigsten Wert seit 1993 erreicht.

Das Ansteigen anderer sexuell übertragbarer Krankheiten (STD) erhöht gerade in den besonders gefährdeten Gruppen die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion um ein Vielfaches. Allerdings stimmt es nicht, dass steigende Zahlen sexuell übertragbarer Krankheiten ein Zeichen dafür seien, dass weniger Kondome benutzt würden. Da z.B. Syphilis, Herpes oder Tripper viel leichter und auch auf anderen Wegen als HIV übertragen werden (z.B. Schmierinfektionen, Küssen, Oralsex), schützen Kondome dagegen nur bedingt. Der durchgehende Gebrauch von Kondomen schützt sehr gut vor HIV, aber nicht vor allen anderen STD. Deshalb stehen sexuell übertragbare Krankheiten zunehmend im Zentrum der Prävention.


 

Quelle: Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 07.08.2008 (tB).