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21 | 10 | 2017
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Eine Expertenrunde diskutiert über die Zukunft der HIV-Behandlung

Zwischen Heute und Heilung: Wieviel Umdenken braucht die moderne HIV-Therapie?


Innsbruck, Österreich (13. Juni 2013) - In der HIV-Therapie ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zweifellos viel erreicht worden. Aus der tödlichen Bedrohung der ersten Zeit ist eine chronische Erkrankung geworden, die sich in gewissem Umfang beherrschen lässt. Diese Erfolge dürfen jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass nach wie vor zahlreiche ungelöste Probleme und therapeutische Bedürfnisse existieren. Trotz des Erreichten ist in vielerlei Hinsicht ein Umdenken in der HIV-Behandlung notwendig – so der Tenor der Experten in einer vom Unternehmen ViiV Health­care, München, veranstalteten Diskussionsrunde mit dem Titel „Zwischen Heute und Heilung: Wie­viel Umdenken braucht eine moderne HIV-Therapie?“ unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh, Universitätsklinik Bonn, im Rahmen des Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses (DÖAK) 2013.

 

Damit ist in erster Linie gemeint, sich nicht mit den bisherigen Erfolgen in der HIV-Behandlung zu­frieden zu geben, sondern sich stärker mit den bestehenden Lücken und Anforderungen an eine lebenslange und individuelle Therapie zu beschäftigen. Für einen Therapiestarter ohne übertragene Resistenzen kann eine ausreichende Wirksamkeit der verfügbaren Medikamente bei regelmäßiger Ein­nahme mittlerweile vorausgesetzt werden. Schon länger infizierte Patienten müssen hingegen oft mit erworbenen Resistenzen zurechtkommen, was die Therapieanpassung deutlich erschweren kann. Die hauptsächlichen Herausforderungen im Management der HIV-Infektion beinhalten heutzu­tage die Vermeidung der Akkumulation von Resistenzen im Langzeitverlauf und die Integration der Therapie in den Alltag, eine optimale Langzeitverträglichkeit der Medikation sowie den Erhalt der Lebensqualität.

 

 

Stigmatisierung einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig

 

Die vielfältigen medizinisch bedingten Herausforderungen des täglichen Lebens zu meistern, stellt für HIV-Patienten häufig nur die eine Seite der Medaille dar. Die andere Seite ist geprägt durch die Stigmatisierung, die in vielen Fällen mit der Krankheit verbunden ist. Noch immer sind HIV-Infizierte Vorurteilen – bis hin zur massiven Ablehnung im Privat- und Arbeitsleben – ausgesetzt, wie Sepideh Hassani von der Aids Hilfe Wien und Dr. Ulrich Heide von der Deutschen AIDS-Stiftung beklagten. Dies ist einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig und eine Stigmatisierung addiert sich auf fatale Weise zu den krankheitsbedingten persönlichen Sorgen und Alltagsnöten der Betroffenen hinzu. Auch wenn in der gesellschaftlichen Information und Aufklärung – insbesondere durch die engagierte Arbeit von Organisationen wie z.B. der Deutschen AIDS-Stiftung oder der Aids Hilfe Wien – viel erreicht wurde, so ist die Stigmatisierung immer noch ein real existierendes Problem, das sich heute aufgrund der verbesserten Therapieoptionen oft bis ins hohe Alter und damit auch bis in die Pflegeheime fortsetzt. Auch auf gesellschaftlicher Ebene ist also immer noch ein Umdenken gefordert.

 

 

Lebenserwartung der behandelten HIV-Infizierten steigt kontinuierlich

 

Was eine erfolgreiche HIV-Behandlung angeht, so besteht ihr primäres Ziel nach wie vor in einer effektiven und dauerhaften Suppression der viralen Replikation. Betrachtet man aber gleichzeitig die Notwendigkeit einer lebenslangen Therapie, so ist die nachhaltige Gewährleistung einer guten Lebens­qualität heute mindestens ebenso wichtig.

 

Wie der Bonner HIV-Experte betonte, nähern sich nämlich heute die Mortalitätsraten von HIV-Patienten bereits an die der Allgemein­bevölkerung1 an, wenn unter konsequenter Therapie dauer­haft eine CD4-Zellzahl ≥ 500/mm3 erreicht wird. Rockstroh wies darauf hin, dass sich die durch­schnitt­liche Lebenserwartung eines 35jährigen HIV-Patienten mit HAART, die zwischen 1996 und 1999 im Durchschnitt 25 Jahre betrug, im Untersuchungszeitraum von 2003 bis 2005 bereits um über 12 Jahre erhöhte.2 Rockstrohs eigene Untersuchungen bestätigen diese Tendenz. So betrug der Anteil der über 50-jährigen Patienten an der Bonner HIV-Kohortenstudie im Jahr 2011 schon ca. 30 %, während dieser noch zehn Jahre zuvor lediglich bei ca. 12 % lag.3

 

Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren kontinuierlich ansteigenden Lebenserwartung von HIV-Infizierten ergeben sich laut Rockstroh die größten Herausforderungen für die therapeutische Strategie. Nach der akuten therapeutischen Intervention tritt nämlich – bei steigender Lebenser­wartung – weitaus stärker als bisher die langfristige Perspektive der Patienten und damit Alltags­tauglichkeit sowie Verträglichkeit der Medikation in den Vordergrund. Untersuchungen wie die prospektive Kohortenbeobachtungsstudie aus der Schweiz zeigen – bei kontinuierlichem Rückgang der direkt AIDS-bedingten Mortalität – zudem eine ständige und deutliche Zunahme der nicht AIDS-bedingten Todesursachen, etwa durch kardiovaskuläre Begleiterkrankungen.4 Die Ziele einer erfolgreichen medikamentösen Langzeittherapie – darüber war sich die Expertenrunde einig – bestehen deshalb neben einer dauerhaften Wirksamkeit, z.B. durch Anwendung von Substanzen mit geringer Resistenzentwicklung, in einer Senkung des Risikos für Begleiterkrankungen wie etwa kardiovaskuläre oder metabolische Störungen sowie weiteren Vereinfachungen der Behandlung.4

 

Grundlage einer erfolgreichen HIV-Therapie ist die Therapietreue des Patienten, die wiederum maßgeblich von Alltagstauglichkeit und Verträglichkeit abhängt. In diesem Zusammenhang präsentierte Rockstroh die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung von Boyle et al., die für den kurzen Therapie-Zeitraum von 18 Monaten bereits bei 12 % einen toxizitätsbedingten Wechsel des Therapieregimes aufweisen. Die unerwünschten Begleiterscheinungen reichten dabei von ZNS-Nebenwirkungen über gastrointestinale Störungen bis hin zu Einschränkungen der Leber- und/oder Nierenfunktion.5 Diese Veröffentlichung zeigt, dass mittlerweile auch Therapieanpassungen aus Verträglichkeitsgründen in der Praxis üblich werden und somit ein Umdenken erfolgt.

 

 

Individualisierung der Therapie – ein Gebot der Stunde

 

Als Fazit der Expertenrunde wurde deutlich, dass kaum eine andere medizinische Behandlung so individuell zu betrachten ist wie die HIV-Therapie. Um eine langfristige HIV-Kontrolle sicherzustellen, ist nach Meinung Rockstrohs eine individualisierte Behandlung durchzuführen, die von den jeweiligen Komorbiditäten, den konkreten Lebensumständen und den spezifischen Charakteristika des Patienten abhängt. Der gesundheitliche Gesamtstatus einschließlich der Risikoabschätzung, das soziale Umfeld und die Belastbarkeit des Patienten sowie potenzielle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind für die Wahl der Behandlungsstrategie und somit für den langfristigen Therapieerfolg entscheidend. Dieser bedeutet konkret eine stabile Suppression der Viruslast, eine erhöhte CD4-Zellzahl, ein stabileres Immunsystem und daraus resultierend eine geringere Anfälligkeit für Sekundärinfektionen und HIV-assoziierte Erkrankungen. Um diesem Ziel noch näher zu kommen, ist in einigen Bereichen der HIV-Therapie ein Umdenken erforderlich, wie die Veranstaltung deutlich machte.

 

 

Quellen 

  1. The Collaboration of Observational HIV Epidemiological Research Europe (COHERE) in EuroCoord, International Journal of Epidemiology 2012; 41: 433-445
  2. The Antiretroviral Therapy Cohort Collaboration, Lancet 2008; 372: 293-299
  3. Wasmuth JC, Rockstroh JK, persönliche Mitteilung
  4. Ruppik M et al. 18th CROI, Boston, MA, 27 Feb. - 2 März 2011; Abstr. 789
  5. Boyle A et al. HIV11 2012, oral 312

 

Über ViiV Healthcare

 

ViiV Healthcare ist ein global agierendes, auf HIV spezialisiertes Unternehmen, das 2009 von GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer (PFE) ins Leben gerufen wurde und sich der Aufgabe widmet, Fortschritte auf dem Gebiet der Therapie und Versorgung für HIV-infizierte Menschen zu erzielen. 2012 kam Shionogi als zehnprozentiger Anteilhaber hinzu. Das Ziel von ViiV ist es, sich stärker im Bereich HIV/AIDS zu engagieren, als es ein anderes Unternehmen je getan hat, und neue Ansätze zu finden, um hochwirksame und innovative HIV-Therapien zu entwickeln, wie auch betroffene Communities zu unterstützen. Für weitere Informationen zu Firma, Management, Portfolio, Pipeline und Engagement besuchen Sie www.viivhealthcare.com

 


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Quelle: GlaxoSmithKline, 13.06.2013 (hB).

 
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