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Testung als Voraussetzung für personalisierte Therapie

Metastasiertes Kolorektales Karzinom: RAS-Status bekannt?

München/Frankfurt am Main (9. Mai 2017) – Damit Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC) von den Vorteilen einer personalisierten Anti-EGFR (epidermal growth factor receptor)-Therapie wie Panitumumab (Vectibix®)* profitieren können, muss zuvor der Zulassung entsprechend ein RAS-Wildtyp (RAS-WT) nachgewiesen worden sein.1,2 Dies ist ebenfalls in den Leitlinien entsprechend verankert.3,4 Auch hinsichtlich der Therapiesequenz ist der RAS-Status relevant: Die Ergebnisse klinischer Studien ergaben bei RAS-WTPatienten einen klaren Überlebensvorteil bei Kombination aus einem EGFR-Inhibitor und Chemotherapie in der Erstlinientherapie gegenüber einer alleinigen Chemotherapie oder der Kombination von Chemotherapie und VEGF-Inhibitoren.5 Zusätzlich zeigen aktuelle Erkenntnisse zur Lokalisation des Tumors, dass Patienten mit linksseitig lokalisiertem mCRC und RAS-WT in der Erstlinientherapie offenkundig von einer Chemotherapie in Kombination mit einem Anti-EGFR-Antikörper wie Panitumumab profitieren.6,7 Die RAS-Testung ist in Deutschland fester Bestandteil der Therapieplanung geworden, wie Daten des Tumorregisters zeigen.8 Patienten profitieren von dieser guten Ausgangslage, wie Experten anlässlich eines Pressegesprächs von AMGEN betonten.


Dr. Anja Kuhn, Senior Medical Advisor, AMGEN, resümierte die wichtigsten Stationen der RAS-Forschung, die ihren Ursprung in den 1960er Jahren mit der Entdeckung des RAS murinen Sarkomavirus durch Jennifer Harvey nahm.9 Für Kuhn stellt die Entdeckung von RAS als erstem und bis dato einzigem prädiktivem und etabliertem Biomarker für das Ansprechen auf die Therapie beim mCRC eine bahnbrechende Errungenschaft dar10,11: „Den Erkenntnissen zu RAS und seinen Auswirkungen auf die Wirksamkeit einer Therapieoption wurde dahingehend Rechnung getragen, dass Panitumumab seit 2013 ausschließlich bei Patienten mit RAS-Wildtyp indiziert ist.1,2 Die umfangreiche Datenlage zu RAS hat entscheidend zur Entwicklung des Konzeptes der personalisierten Therapie beim mCRC beigetragen. Sie ermöglicht es, den richtigen Patienten zur richtigen Zeit eine wirksame Therapie zukommen zu lassen.“ Die Voraussetzungen für eine RAS-Testung sind mit mehr als 100 zertifizierten pathologischen Zentren in Deutschland, die eine solche Testung durchführen, gut8 und auch die Kostenerstattung ist gewährleistet.


RAS-Testung – der Schlüssel zur personalisierten Medizin

Dr. med. Norbert Marschner, Freiburg, stellte aktuelle Daten zur RAS-Testung aus dem seit 2006 geführten deutschen klinischen Tumorregister Kolorektales Karzinom (TKK) vor, das zurzeit mehr als 6.000 Patienten umfasst.8 Erst die Bestimmung des RAS-Status ermögliche es, die geeignete Therapie zu wählen, so Marschner: „Bei einem RAS-Wildtyp hat eine EGFR-Kombinationstherapie, zum Beispiel mit Panitumumab, eine überlegene Wirksamkeit. Wir können durch die Bestimmung des RAS-Status ziemlich gut vorhersagen, bei welchem Patienten welche Therapie einen Nutzen bringt.“ Auch auf gesundheitsökonomischer Ebene ergeben sich Vorteile, da Therapien lediglich dann begonnen werden, wenn sie sinnvoll und voraussichtlich wirksam sind.12

Die Auswertung der Krebsregisterdaten zeigte seit 2007 eine stetig steigende Testrate für (K)RAS mit einer aktuellen Abdeckung von über 80%.8 „Das heißt, dass bei nahezu allen Patienten, bei denen eine RAS-Testung für die weitere Therapieplanung relevant ist, dieser Biomarker auch untersucht wird“, betonte Marschner. Sowohl die TKK-Daten als auch die Auswertung des IMS Onco Analyzers zeigten jedoch um das Jahr 2016 einen Rückgang der Testungsrate (-4 bzw. -14%). Für das erste Quartal 2017 konnte jedoch wieder ein Anstieg der Testrate verzeichnet werden.8 „In Deutschland bieten mehr als 100 Zentren die RASTestung an, die Kosten werden erstattet. Wir haben somit optimale Voraussetzungen, um bei unseren Patienten vor Therapiebeginn den RAS-Status identifizieren zu lassen“, resümierte der Experte.


Panitumumab: Überlegene Wirksamkeit bei Patienten mit RAS-Wildtyp

Patienten, bei denen ein mCRC mit RAS-WT diagnostiziert wurde, können in der Erstlinientherapie eine bessere Wirksamkeit erreichen, wenn sie einen EGFR-Inhibitor erhalten.13,14 Die wichtigsten Forschungsergebnisse zu den Firstline-Studien PRIME (Phase 3), PEAK und PLANET (beide Phase 2) mit Panitumumab erläuterte Univ.-Professor Dr. med. Stefan Kasper, Essen.

Durch Addition von Panitumumab (n=259) zu einer FOLFOX4-basierten Chemotherapie (n=253) verlängerte sich in PRIME das Gesamtüberleben (OS) der Patienten mit mCRC und RAS-WT von 20,2 auf 26,0 Monate (p=0,043).15 Patienten mit RAS-MT (RAS-Mutationstyp) hingegen profitierten nicht von der EGFR-Inhibition (OS: 15,6 versus 19,2 Monate, p=0,03).15

Ähnlich waren die Ergebnisse der Studie PLANET, die Panitumumab in Kombination mit entweder FOLFOX4 (P-FOLFOX4) oder FOLFIRI (P-FOLFIRI) bei Patienten mit auf die Leber beschränkter Metastasierung (LLD) verglich.16 Zwischen den beiden Studienarmen waren bei RAS-WT das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) und das OS ähnlich, unabhängig des Chemotherapie-backbones. Das mediane OS betrug im P-FOLFOX4-Arm (n=27) 39,0 Monate, im P-FOLFIRI-Arm (n=26) 45,8 Monate (p=0,634).16 Insbesondere hob Kasper die Wirksamkeitsergebnisse der PEAK-Studie hervor17: Beim Vergleich von Panitumumab (n=88) und Bevacizumab (n=82), jeweils in Kombination mit mFOLFOX6, erreichten Patienten mit RAS-Wildtyp im Panitumumab-Arm ein klinisch relevantes, medianes Gesamtüberleben von 36,9 Monaten im Vergleich zu 28,9 Monaten im VEGF-Arm (HR 0,76, p=0,15).17 Das Sicherheitsprofil von Panitumumab stimmte mit bereits veröffentlichten Studien überein, neue Risikosignale wurden nicht identifiziert.11



Tumorlokalisation als Baustein zur Therapieentscheidung

Vor dem Hintergrund der personalisierten Medizin sind auch aktuelle Erkenntnisse zur Tumorlokalisation und Therapieeffektivität relevant.6 Die einheitliche Datenlage, die Vorteile von Anti-EGFR- und Anti-VEGF-haltigen Therapieregimen bei linksseitiger Lage des Primärtumors und bei dieser Tumorlage einen statistisch signifikanten Überlebensvorteil unter Anti-EGFR-Therapie versus VEGF-Inhibition zeigte, veranlasste die AIO (Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie) zu einer Therapieempfehlung.18 Für linksseitige RAS-WT Tumoren sollten in der Erstlinientherapie EGFR-Inhibitoren, z.B. Panitumumab, plus Chemotherapie eingesetzt werden. Bei rechtsseitiger Lage wird gegenwärtig eine VEGF-basierte Therapie empfohlen. Dabei weist die AIO jedoch auf die geringere Patientenzahl der Studien hin.18

„Anders sieht es bei Patienten mit potenziell resektablen Lebermetastasen aus“, so Kasper. „Interessanterweise waren die Ansprechraten auch bei rechtsseitigen Tumoren im Trend höher bei EGFR-Inhibition. Hier bestünde die Möglichkeit, einen EGFR-Inhibitor wie Panitumumab einzusetzen und nach einem erfolgreichen Therapieansprechen eine Resektion der Lebermetastasen durchzuführen.“


Amgen in der Onkologie

Amgen Onkologie engagiert sich für Patienten, die unter besonders schweren Krebsarten leiden. Dazu gehören Tumore, die nicht auf Medikamente ansprechen, oder die sich sehr schnell im ganzen Körper verbreiten und für die es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gibt. Supportive Therapien von Amgen helfen Patienten bei ihrem Kampf gegen bestimmte Nebenwirkungen einer starken Chemotherapie. Unsere Arzneimittel und Immuntherapien konzentrieren sich auf mehr als ein Dutzend verschiedener Krebserkrankungen und reichen von Blutkrebs bis zu soliden Tumoren. Amgen verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Bereitstellung von Therapien für Krebspatienten und erweitert ständig sein Portfolio innovativer Biologika, Onkologika und Biosimilars. Wir hoffen, dass heute noch unbesiegbare Erkrankungen wie z.B. Krebs in absehbarer Zukunft mit unseren Präparaten gezielt behandelt und geheilt werden können.



Über Amgen

Amgen ist ein weltweit führendes unabhängiges Biotechnologie-Unternehmen, das mit nahezu 20.000 Mitarbeitern in fast 100 Ländern weltweit seit über 35 Jahren vertreten ist. In Deutschland arbeiten wir an zwei Standorten mit rund 810 Mitarbeitern jeden Tag daran, Patienten zu helfen. Weltweit profitieren jährlich Millionen von Patienten mit schweren oder seltenen Erkrankungen von unseren Therapien. Unsere Arzneimittel werden in der Nephrologie, Kardiologie, Hämatologie, Onkologie, Knochengesundheit und bei Entzündungserkrankungen eingesetzt. Wir verfügen über eine vielfältige Pipeline und werden bald Biosimilars mit in unser Portfolio aufnehmen.




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