Infektiologie

Multiresistenter Tuberkulosestamm wird im Schnelltest nicht erkannt

 

Braunschweig (23. März 2015) - Mehr als ein Viertel der multiresistenten (MDR) Tuberkulosestämme, die im Rahmen einer nationalen Studie in Swasiland isoliert wurden, können durch die aktuell verwendeten molekularbiologischen Tests nicht erkannt werden. Grund dafür ist eine bestimmte resistenzvermittelnde Mutation des Erregerstammes, wie Ärzte ohne Grenzen und Wissenschaftler vom Forschungszentrum Borstel und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in der aktuellen Ausgabe des New England Journals of Medicine aufzeigen konnten.

Abb.: Schlagzeilen über Epidemien beeinflussen deren Wahrnehmung - inwiefern untersuchten HZI-Forscher in einer Studie. © HZI / DornbuschWahrnehmung der Ebola-Krise in Deutschland

Unzureichende Aufklärung über Ebola

 

Braunschweig (23. März 2015) - Ob Schweinegrippe, SARS oder Ebola, immer wieder sind in den letzten Jahren weltweit Epidemien ausgebrochen. Ausbrüche, die für Schlagzeilen sorgen und das Verhalten von Menschen beeinflussen, selbst wenn diese weit weg vom Krisengebiet leben. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun untersucht, wie der aktuelle Ebola-Ausbruch von den Menschen in Niedersachsen wahrgenommen wurde und wie er ihr Verhalten beeinflusst hat.

Abb.: Öffentliche Toiletten sind Hygiene-Hotspots. Viele Menschen verkehren dort und hinterlassen ihre Spuren. Foto: Michael Bernkopf/Vetmeduni ViennaListerien-Check in öffentlichen Toiletten Wiens

 

Wien, Österreich (3. März 2015) - Die Wiener Toiletten stehen im Mittelpunkt einer Studie der Forschungsgruppe „Globale Lebensmittelsicherheit“ an der Vetmeduni Vienna. WissenschafterInnen untersuchten darin 224 öffentliche Wiener Klosetts, das sind etwa 91 Prozent aller öffentlichen Toiletten in der Hauptstadt, auf den Lebensmittelkeim Listeria monocytogens. Das Resultat: Zwei Prozent aller untersuchten WCs waren mit dem Bakterium verunreinigt. WC-Anlagen in Parks und in der Nähe von Märkten sind häufiger mit dem Keimbelastet als WCs in Einkaufszentren oder Bahnhöfen. Die Studie wurde im Journal Zoonoses and Public Health veröffentlicht.

InfectoGnostics

Testverfahren für Lungenentzündung

 

Jena (9. Februar 2015) - Den Patienten richtig und personalisiert behandeln, Zeit und Kosten sparen, eine Vor-Ort-Versorgung ermöglichen, diese vorrangingen Ziele verfolgt unter dem Schlagwort „Diagnostik vor Therapie“ das Verbundprojekt „Pneumonie bei Immunsuppression“ des Forschungscampus InfectoGnostics, das Anfang Februar an den Start gegangen ist. Dazu wollen die am Projekt beteiligten Partner ein handliches Testgerät entwickeln, das eine patientennahe Schnelldiagnostik ermöglicht. Die technologische Grundlage bildet eine direkte und weitgehend kultivierungsunabhängige Diagnostik von Erregern. Aufnahme und Verarbeitung der Proben wie Urin, Blut oder Proben aus der Lunge werden vereinfacht und miniaturisiert. Zur Bestimmung der Erreger oder der Wirtsantwort werden neue Methoden zur Vervielfältigung des Erbgutes erforscht und direkte lichtbasierte Verfahren wie Mikroskopie oder Spektroskopie weiterentwickelt.

Abb.: Tuberkulose-Bakterien vom Beijing-Typ sind weltweit verbreitet und mit hohen Übertragungsraten und Antibiotikaresistenz assoziiert. Modifiziert nach http://commons.wikimedia.orgVon Ostasien in die ganze Welt

Neue Studie zur Ausbreitung multiresistenter Tuberkulose-Erreger

 

Braunschweig (19. Januar 2015) - Wissenschaftler unter der Leitung des Forschungszentrums Borstel und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), des Instituts Pasteur de Lille und des Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris konnten erstmals die weltweite Verbreitung eines multiresistenten (MDR)-Tuberkulose-Stammes des sogenannten Beijing-Genotyps nachweisen. Die Studie zeigt, dass die effiziente Tuberkulose-Überwachung mit molekularbiologischen Methoden wichtig ist, um Ausbrüche von MDR-Stämmen rechtzeitig zu erkennen und die Ausbreitung der multiresistenten Tuberkulose in Zukunft einzudämmen.

UKL-Infektiologen belegen in Studie erstmals für Deutschland die Import-Häufigkeit ESBL-bildender Bakterien

Fernreisende importieren multiresistente Erreger

 

Leipzig (15. Januar 2015) - Ein zunehmendes Auftreten multiresistenter Keime stellt Krankenhäuser auch in Deutschland vor große Herausforderungen. Woher kommen die gefährlichen Erreger, und welche Maßnahmen bieten Patienten den geeigneten Schutz? Antworten auf diese Fragen liefern Infektiologen und Mikrobiologen des Universitätsklinikums Leipzig anhand der Daten von Fernreisenden: Die Erreger werden oftmals mit nach Hause gebracht. Diese Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „International Journal of Medical Microbiology“ veröffentlicht.

Abb.: Das Labor im Koffer ist ideal für den Einsatz in entlegenen Gebieten. Foto: Karin TilchNeue Methode ist sechs- bis zehnmal schneller als derzeitige und genauso empfindlich

„Labor-im-Koffer“ für schnellen Nachweis der Ebola-Infektion

 

Göttingen (8. Januar 2015) - Kein Strom, keine zuverlässige Kühlkette, keine funktionierende Ausrüstung – Wissenschaftler, die in Feldlaboratorien in Westafrika das Ebolafieber diagnostizieren und bekämpfen wollen, arbeiten oft unter sehr schwierigen Bedingungen. Infektionsforscher des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) haben daher einen Diagnosekoffer entwickelt, der alle notwendigen Reagenzien und Ausrüstung enthält, um das Ebolavirus innerhalb von 15 Minuten direkt vor Ort nachzuweisen.

Abb. Oben: Enterobacteriaceen zunehmend ein Problem. Photo: Institut für Medizinische Mikrobiologie, JLU GießenBewegliche Resistenzen

Eine neue Dimension von Krankenhaus-Infektionen

 

Braunschweig (5. Dezember 2014) - Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) konnten die Ausbreitung eines „Multiresistenz-Plasmides“ in einem Krankenhaus nachweisen. Hierbei handelt es sich um ein bewegliches genetisches Element, das die Resistenz gegen bestimmte Antibiotika auf unterschiedliche Bakterien überträgt. Dieser Mechanismus kann das Risiko für schwer einzudämmende Infektionsausbrüche in Krankenhäusern erhöhen. Multiresistente Bakterien, gegen die verschiedenste Antibiotika machtlos sind, stellen Ärzte und Gesundheitsbehörden in Deutschland immer häufiger vor kaum lösbare Probleme. Für Krankenhaus-Infektionen spielen neben den bekannten Staphylococcus-aureus-Stämmen zunehmend multiresistente gramnegative Bakterien – Enterobacteriaceen – eine wichtige Rolle.

Internisten warnen vor dem „Chamäleon der Medizin“

Syphilis in Deutschland auf dem Vormarsch

 

Wiesbaden (3. Dezember 2014) – Nachdem Syphilis-Infektionen in Deutschland zuletzt nur noch vereinzelt auftraten, nimmt ihre Zahl seit Anfang des Jahrzehnts wieder zu. Waren es 2009 noch rund 3.000 gemeldete Fälle, verzeichnete das Robert Koch-Institut 2013 bereits mehr als 5.000 Meldungen der Geschlechtskrankheit. Eine Syphilis-Infektion verläuft oft unbemerkt. Häufig erkennen Betroffene und auch Ärzte sie erst viele Jahre nach der Ansteckung. Angesichts der steigenden Zahlen rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) zu erhöhter Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild. Denn Syphilis kann tödlich enden. Doch bei früher Diagnose lässt sie sich wirksam behandeln, ohne bereits schwere bleibende Schäden verursacht zu haben.

Ebola

Hamburger Ebola-Patient überlebt schwere Komplikationen nur dank intensivmedizinischer Versorgung

 

Hamburg (22. Oktober 2014) - Nach fünf Wochen auf der Sonderisolierstation konnte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) einen mit dem Ebola-Virus infizierten WHO-Mitarbeiter Anfang Oktober geheilt entlassen. Wie die betreuenden Ärzte und Infektiologen des UKE, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) nun im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichen, hatte der Patient mit schweren Komplikationen zu kämpfen – auch als die zwischenzeitlich sehr hohe Viruslast selbst bereits wieder abnahm.

Abb. oben: Elektronenmikroskopische Aufnahme von Influenza-Viren. Photo: Gudrun Holland/RKIInfluenza in Deutschland 2014

Schutzmöglichkeiten gegen Grippe nutzen

 

Berlin (23. September 2014) - Die Grippewelle in der Saison 2013/2014 begann spät und endete früh. Die Zahl der zusätzlichen Arztbesuche während der Influenzawelle 2013/2014 wird auf 780.000 geschätzt. Das sind Daten aus dem neuen Bericht zur Influenzasaison 2013/2014. Mit 780.000 ist die Zahl der Influenza-bedingten Arztbesuche historisch gering und beträgt nur ein Zehntel des Wertes der außergewöhnlich starken Saison 2012/2013. Diese Stärkeschwankungen im Zwei-Jahres-Rhythmus wurden auch schon häufig in der Vergangenheit beobachtet und mahnen zur Vorsicht für die kommende Saison. „Um das individuelle Erkrankungsrisiko zu senken, sollten alle Schutzmöglichkeiten gegen Grippe genutzt werden“, betont Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI).