Home Infektiologie Influenza keine Chance geben
12 | 12 | 2017
PDF Drucken

Influenza keine Chance geben

 

Berlin (9. November 2006) - „Warum haben wir uns an die vielen Influenza-Toten in Deutschland gewöhnt?“, „Warum wird nicht zur Kenntnis genommen, dass Todesfälle vermieden werden können, wenn man die Schutzimpfung durchführen würde und im Erkrankungsfall rechtzeitig eine wirksame antivirale Therapie beginnt?“ – Fragen, die auf der Pressekonferenz der Roche Pharma AG zum Thema „Wie gut ist Deutschland auf die Influenza vorbereitet?“ von führenden Experten diskutiert werden.

 

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) starben im Winter 2004/2005 in Deutschland ca. 20.000 Menschen an der Influenza. Dies übertrifft die Zahl der Verkehrstoten um das Vierfache (ca. 5000 in 2005) und die Zahl der Todesfälle aufgrund anderer Infektionskrankheiten, wie z.B. AIDS (ca. 500 in 2005) um das 40-fache. Was die Influenza so gefährlich macht - die Infektion bleibt nicht auf die Atemwege beschränkt, sondern kann auf andere Organe übergreifen. Dies wird besonders bei Kindern deutlich, die einen weitaus stärkeren Krankheitsverlauf haben können: die Symptomatik unterscheidet sich zum Teil so stark von der Erwachsener, dass eine sichere Diagnose erschwert wird.

 

Schnelles Handeln erforderlich

Randomisierte, placebokontrollierte doppelblinde Studien haben gezeigt, dass der Neuraminidasehemmer Oseltamivir signifikant die Schwere (um 38 Prozent)(1) und Dauer (1,3 – 1,5 Tage)(2) der Erkrankung reduziert. Oseltamivir reduzierte die Inzidenz antibiotikapflichtiger Komplikationen der unteren Atemwege (z. B. akute Bronchitis, Pneumonie) um 55 Prozent: Aufgrund von Komplikationen im unteren Respirationstrakt wurden 10,3 Prozent der Studienteilnehmer der Placebo-Gruppe mit Antibiotika behandelt, im Gegensatz zu 4,6 Prozent in der Oseltamivir-Gruppe.(3) Die Häufigkeit der Krankenhauseinweisungen war in der Oseltamivir-Gruppe 59 Prozent niedriger als in der Placebo-Gruppe.

 

Wie wichtig der frühzeitige Beginn einer Behandlung ist, belegt die IMPACT-Studie (Immediate Possibility to Access Oseltamivir Treatment). Wurde Patienten die erste Oseltamivir-Dosis innerhalb von zwölf Stunden nach Auftreten der ersten Influenzasymptome verabreicht, war die Krankheitsdauer im Mittel 3,1 Tage kürzer als bei Patienten, die erst nach 48 Stunden mit der Therapie begonnen hatten.(4)

 

Frühwarnsystem RealFlu™ unterstützt Ärzte

bei der Diagnose Grundlegender Schritt, um den Ausbruch einer Influenza-Epidemie zu vermeiden, ist es die Influenza-Symptome rechtzeitig zu erkennen. Das Grippe-Frühwarnsystem RealFlu™ unterstützt Ärzte bei der Diagnose. Tagesaktuell zeigt es die Häufigkeit der Influenza-Infektion in den Bundesländern an.

 

Ist dem Arzt bekannt, dass ein lokaler Influenza-Ausbruch vorliegt, kann er allein aufgrund der klinischen Symptomatik mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent die richtige Diagnose stellen. Außerhalb einer Grippe-Welle haben die gleichen Symptome einen prädiktiven Wert von 30 bis 40 Prozent.(5)

 

„RealFlu ermöglicht uns eine sofortige und sichere Differentialdiagnostik bei viralen Atemwegsinfektionen und somit einen rechtzeitigen Therapiebeginn, so dass schweren Verläufen vorgebeugt werden kann“, bewertet Dr. Petra Sandow, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Berlin, das von der Roche Pharma AG entwickelte Frühwarnsystem.

 

Pandemie – Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es nicht mehr die Frage ob, sondern wann die nächste Pandemie auftritt. Daher rät die WHO zu einer Bevorratung mit Neuraminidasehemmern. Nationale Pläne sehen vor, knapp ein Drittel der deutschen Bevölkerung mit diesen antiviralen Medikamenten zu versorgen. Tatsächlich haben die Bundesländer im Durchschnitt erst für acht Prozent ihrer Bevölkerung antivirale Medikamente bevorratet. „Ein klarer Widerspruch zu den Empfehlungen der WHO und des Robert Koch-Instituts, das für den Nationalen Influenzapandemieplan zuständig ist“, urteilt Professor Bernhard Ruf, Virologe an der Universität Leipzig.

 

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt zur Influenza-Therapie Neuraminidasehemmer: „Unter diesen hat das Oseltamivir hinsichtlich der oralen Einnahme, geringeren Kosten und Zulassung auch für die Prophylaxe einen klaren Vorteil.“(6) Oseltamivir ist in der Europäischen Union zur Therapie und Prophylaxe der Influenza bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr zugelassen. Auch die Paul-Ehrlich-Gesellschaft und die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten empfehlen Oseltamivir.(7) Für den Fall, dass es zu einer Übertragung des „Vogelgrippevirus“ (H5N1) kommen sollte, könnte Tamiflu nach Ansicht der WHO die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einer frühzeitigen Einnahme erhöhen.(8)

 

Literaturhinweise

  1. Treanor JJ et al. Efficacy and safety of the oral neuraminidase inhibitor oseltamivir in treating acute influenza: a randomized, controlled trial. JAMA 2000; 283:1016–24.
  2. Nicholson KG et al. Efficacy and safety of oseltamivir in treatment of acute influenza: a randomised controlled trial. Lancet 2000; 355:1845–1850
  3. Kaiser et al. Impact of oseltamivir treatment on influenza-related respiratory tract complications and hospitalisations. Arch Intern Med. 2003; 163:1667-1672.
  4. Aoki F. Y. et al. Early administration of oral oseltamivir increases the benefits of influenza treatment. Journal of antimicrobial Chemotherapy 2003; 51:133-129.
  5. Lange W., Vogel G. Influenza. Klinik, Virologie, Epidemiologie, Therapie und Prophylaxe. 2004.
  6. Bericht der Expertengruppe „Influenza-Pandemieplanung“ am Robert Koch-Institut. Nationaler Influenzapandemieplan Teil II. 2005.
  7. Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten. 2001. Empfehlungen der ersten Konsensuskonferenz (2001) der Paul-Ehrlich-Gesellschaft und der DVV 2001. http://fp-www.med.uni-jena.de/dvv/start.html.
  8. WHO. Avian influenza frequently asked questions. 2005. http://www.who.int/csr/disease/avian_influenza/avian_faqs/en/index.html#drugs2


Quelle: Pressekonferenz der Firma Roche Pharma zum Thema „Wie gut ist Deutschland auf die Influenza vorbereitet? – Chancen und Risiken in der Grippesaison 2006/2007“ am 09.11.06 in Berlin (medical relations).
 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson