Microbiotica_LogoNeue Möglichkeiten einer effektiven C. difficile-Risikoreduktion und weitere Lösungsansätze

Mikrobiom-Modulation als zukunftsweisendes Therapiekonzept

Mannheim (14. April 2018) - Ein intaktes Darmmikrobiom weist eine natürliche Kolonisationsresistenz gegen pathogene Keime auf. Durch diese Funktion trägt das intestinale Mikrobiom erheblich zur Aufrechterhaltung der Darmbarriere und Funktionalität des Immunsystems bei.1-4 Was passiert jedoch, wenn durch den Einsatz von Breitband-Antibiotika das Mikrobiom stark beeinträchtigt wird und seine Funktionen für Darm und Immunsystem nicht mehr ausüben kann? Pathogene Keime wie Clostridium difficile (C. difficile) können sich verstärkt ausbreiten und zu Veränderungen an der Darmbarriere führen.5 Etwa jeder zweite Antibiotika-Patient erleidet eine Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (AAD) und jeder 100. Krankenhausaufenthalt führt zu einer C. difficile-Infektion (CDI).6,7


Faktoren, wie fortgeschrittenes Lebensalter, eine zusätzliche Erkrankung oder eine Immunsuppression können das Risiko einer CDI zusätzlich erhöhen.5 Neben den negativen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Patienten bedeutet eine CDI einen hohen, medizinischen Versorgungsaufwand für die Krankenhäuser, denn sie erfordert einen höheren Bedarf an Pflegepersonal. Die Rezidivrate von 20 % potenziert diesen Aufwand.8 Eine effektive Reduktion des CDI-Risikos ist daher von zentralem Interesse im Gesundheitssektor. In seinem Vortrag auf der Pressekonferenz zum Thema „Modulation des Darmmikrobioms“ stellte Prof. Labenz die Ergebnisse von Langzeituntersuchungen unterschiedlicher Kliniken zur klinischen CDI-Risikoreduktion vor, in denen die Gabe des Mikrobiotikums Innovall® CDI parallel zur Antibiotika-Therapie die CDI-Inzidenz über zehn Jahre konstant niedrig halten konnte.9,10 In weiteren Vorträgen der Experten (Prof. Bischoff, Prof. Ehehalt, Professor Labenz und Prof. Krammer) wurde über die Mikrobiommodulation als evidenzbasierte Therapieoption bei einer Reihe von Darmerkrankungen mit charakteristischen Ungleichgewichten in der Darmflora (Dysbiosen) referiert, wie Colitis ulcerosa (CU), symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUD) und Reizdarmsyndrom (RDS).11,12


Neuer, mikrobiologischer Ansatz zur C. difficile-Risikoreduktion

„Die Clostridium difficile-assoziierte-Diarrhö (CDAD) ist ein Symptom der Clostridiumdifficile Infektion (CDI). Die CDAD stellt für multimorbide und/oder immunsupprimierte Patienten eine gefährliche, gesundheitliche Situation dar.“, so Prof. Labenz, „Ist die CDAD bereits ausgebrochen, steigt der Bedarf an außerordentlicher medizinischer Versorgung – wie Medikation und Pflege – sowie strengen Hygienemaßnahmen stark an. Daher ist die Risikoreduktion dieser Infektion entscheidend.“ Risikofaktoren wie erhöhtes Alter (65+), Immunsuppression, gastrointestinale Grunderkrankungen, Dauer/Häufigkeit von Antibiotika-Therapie, Dauer der Hospitalisierung können eine CDI begünstigen.5 Prinzipiell trägt jedoch jeder den Keim in sich und eine Infektion kann durch oder im Anschluss an eine Antibiose ausbrechen. Die CDAD wirkt sich negativ auf das Wohl des Patienten und die finanzielle Beanspruchung des Gesundheitssystems aus. Speziell in Krankenhäusern und in der Intensivmedizin potenzieren sich die Kosten durch CDI-Fälle.8 Hier ist eine evidenzbasierte, mikrobiologische Risikoreduktion ein vielversprechender Ansatz zur Verringerung der Inzidenz von AAD und CDAD. In einer randomisierten, placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie mit 255 hospitalisierten Patienten wurde die Risikoreduktion einer AAD und einer CDAD untersucht.6 Die erzielten Ergebnisse sprechen für sich: Die Einnahme von Innovall® CDI zeigte signifikante Verringerungen des C. difficile-Infektionsrisikos um 95 % und eine signifikante Reduktion der Inzidenz und Symptomdauer der AAD.6 Eine weitere Studie über einen Zeitraum von zehn Jahren mit über 44.000 Patienten belegt die dauerhaft niedrige C. difficile-Rate durch die Gabe von Innovall® CDI parallel zur Antibiose. Hier konnten signifikante Senkungen der CDI-Rate um 73 % (p<0.001), der schweren CDI Fälle um 76.4 % (p<0.001) und der rezidivierenden CDI Fälle um 39 % (p<0.001) erreicht werden. In den Vergleichskliniken blieben die CDI-Raten unverändert hoch.10 Innovall® '
 
CDI ist ab Mai 2018 in Deutschland erhältlich.


Mikrobiom-Modulation bei Colitis ulcerosa und Pouchitis zur Verbesserung der Standardtherapie

„Der erfolgreiche Einsatz mikrobiologischer Präparate zeigt sich auch bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa und Pouchitis, wie randomisierte klinische Studien belegen,“ erklärte Prof. Ehehalt. Eine Studie zeigt eine Senkung des CU-Aktivitätsindex um über 50 % bei 63,1 % der Patienten, die ein Microbiotikum (Innovall® CU) adjuvant zur Standardtherapie erhielten, wohingegen bei der alleinigen Standardtherapie der Aktivitätsindex nur bei 40,8 % der Patienten gesenkt werden konnte. Auch kann die Kombinationstherapie die Zeit bis zur Remission im Vergleich zur Standardtherapie signifikant auf vier Tage verkürzen. Das Präparat enthält acht definierte Bakterienstämme und ist in Deutschland als Innovall® CU erhältlich.13 Auch bei chronischer Pouchitis werden signifikante Effekte mit Innovall® CU erzielt: In einer randomisierten Placebeo-kontrollierten doppelblinden Studie zur chronischen Pouchitis zeigte sich eine Senkung der Rezidivrate um 85 %. Eingeschlossen wurden Patienten mit chronischer Pouchitis in klinischer und endoskopischer Remission.14


Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit – neue mikrobiologische Therapieoption

„Die Pathogenese der Divertikelkrankheit ist multifaktoriell begründet.“, erläuterte Prof. Labenz. Aktuelle Untersuchungen zeigen eine Assoziation der SUD mit einer Dysbiose in und um die Divertikel.15 Neben der Dysbiose sind hoher intraluminaler Druck, chronische low-grade Entzündungen und neurogastrointestinale Störungen Teil der Pathogenese.16 Prof. Labenz stellte Studienergebnisse einer 5-ASA-Therapie wie Mesalazin und gleichzeitiger Gabe von Lactobacillus casei DG® (Innovall® SUD) vor. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Remission mit dem mikrobiologischen Präparat als Adjuvans erhalten bleiben kann. Aber auch als Monotherapie ist Innovall® SUD der alleinigen Mesalazin-Therapie gleichzusetzen (Remissionserhalt bei beiden ca. 85 %). Der Entzündungsmarker iNOS ist bei SUD-Patienten signifikant erhöht. Eine Studie an Biopsaten, die mit enteroinvasiven E. coli inkubiert wurden, belegt die Senkung der iNOS-Expression durch Lactobacillus casei DG® auf Basalwert (p<0,05). L. casei DG wirkt über eine Hemmung der iNOS-Expression antiinflammatorisch und protektiv. Die Rezidivrate wird gesenkt und die Remission bleibt so erhalten.17 Der Bakterienstamm ist bereits in den World Gastroenterology Organisation (WGO) guidelines zur Behandlung von SUD aufgeführt.18


Modulation des Mikrobioms zur Behandlung des Reizdarmsyndroms

„Während verschiedene Medikamente einzelne Leitsymptome wie Bauchschmerzen, Blähbauch oder Stuhlunregelmäßigkeiten adressieren, zielen Mikrobiotika auf das Grundproblem Dysbiose ab.“, betonte Prof. Krammer, “Für den Stamm Lactobacillus plantarum 299v ist die Wirksamkeit bei jedem RDS-Leitsymptom durch klinische Studien dokumentiert.“ L. plantarum 299v (in Innovall® RDS) reduziert das Auftreten von Blähungen und Bauchschmerzen, erhöhter Stuhlgangfrequenz und das Gefühl der unvollständigen Entleerung – im Vergleich zu Placebo – signifikant (p<0,05).19 Möglich

wird dies durch seinen mehrteiligen Wirkmechanismus. Innovall® RDS gleicht die Dysbiose aus, stärkt die Mukusschicht und festigt die Tight Junctions.20-22 Zudem induziert das Probiotikum die Freisetzung antiinflammatorischer Zytokine und Neurotransmitter, die zur Entzündungshemmung und Senkung der viszeralen Hypersensitivität führen.23


Das Mikrobiom – Medizin der Zukunft

„Das Potenzial des Mikrobioms, die größtmögliche Energie aus der Nahrung zu ziehen, die wir zu uns nehmen, ist erstaunlich. Besonders bei Nahrungsmangel zeigt sich diese Plastizität als unglaublicher Vorteil“, führte Prof. Bischoff aus, „Andersherum kann eine Dysbiose allerdings negative, gesundheitliche Folgen haben.“ Denn eine veränderte Zusammensetzung kann zu metabolischen Entgleisungen führen und z.B. Adipositas, Fettlebererkrankung und Diabetes begünstigen.24 Es liegt nahe, dass Erkrankungen, die mit einer Dysbiose assoziiert sind, wie CU, Morbus Crohn, primär sklerosierende Cholangitis, SUD oder RDS, durch eine Manipulation des Mikrobioms erfolgreich behandelt werden können. Die Zusammensetzung des Mikrobioms kann beispielsweise durch Ernährungsveränderung, Stuhltransplantation oder die Einnahme von evidenzbasierten Probiotika beeinflusst werden. „In jedem Fall hat die Forschung im Bereich des Mikrobioms eine hohe Relevanz und viel Potential zur Erschließung möglicher weiterer Therapiefelder“, zog Prof. Bischoff seine Bilanz.


Literatur

  1. Bischoff SC. BMC Medicine 2011; 9: 24.
  2. Yoo BB, Mazmanian SK. Immunity 2017; 46: 910-26.
  3. Carabotti M et al. Ann Gastroenterol. 2015; 28: 203-9.
  4. Zhu X et al. Oncotarget 2017; 8: 53829-38.
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  6. Gao XW et al. Am J Gastroenterol 2010; 105(11): 1636-41.
  7. Robert-Koch-Institut (RKI): Ratgeber Clostridium difficile (Stand: 2016). https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Clostridium.html - (letzter Abruf: 12.04.2018).
  8. Heimann SM et al. Infection 2015; 43(6): 707-14.
  9. Maziade P-J et al. Curr Med Res Opin. 2013; 1-7.
  10. Maziade P-J et al. CID 2015; 60 (Suppl 2): 144-7.
  11. Lopetuso LR et al. Dig Dis. 2018;36(1): 56-65.
  12. Bajer L et al. World J Gastroenterol. 2017;23(25): 4548-58.
  13. Tursi A et al. Am J Gastroenterol 2010; 105(10): 2218-27.
  14. Tursi et al. Med Sci Monit, 2004; 10: 126-3.
  15. Floch MH. J Clin Gastroenterol 2006; 40(Suppl. 3): S121-5.
  16. AWMF-S2k Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV): Divertikelkrankheit / Divertikulitis (Stand: 2014).
  17. Turco F et al. United European Gastroenterol J 2017; 5(5): 715-24.
  18. World Gastroenterology Organisation Global Guidelines: Probiotics and prebiotics (Stand: 2017).
  19. Ducrotte P et al. World J Gastroenterol 2012; 18(30): 4012-8.
  20. Mack DR et al. Gut. 2003; 52: 827-33.
  21. Mack DR et al. Am J Physiol. 1999; 276: G941-50.
  22. Mangell P et al. Dig Dis Sci. 2002; 47: 511-6.
  23. Schultz M et al. Inflamm Bowel Dis. 2002; 8: 71-80.
  24. Bischoff SC. Der Internist. 2017; 58: 441-8.


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Quelle: Microbiotica, 14.04.2018 (tB).