Home Kinder- und Jugendmedizin Neonatale Harnstoffzyklusdefekte: „Wait and see“ ist kontraindiziert
22 | 10 | 2017
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Photo: CytonetNeonatale Harnstoffzyklusdefekte

„Wait and see“ ist kontraindiziert

 

Bielefeld (24. September 2011) - Erbrechen, Lethargie, Gerinnungsstörungen, Apnoe und Koma – treten diese Symptome einige Stunden bis Tage nach der Geburt auf, denken 50 Prozent der Ärzte an Sepsis und 9 Prozent an eine Stoffwechselerkrankung (Maestri et al. J Pediatr 1999,134:255). „Und an was denken die restlichen 41 Prozent?“, fragt Prof. Dr. med. Prof. h.c. (RCH) Georg Friedrich Hoffmann, Ärztlicher Direktor der Universitätskinderklinik Heidelberg, anlässlich eines Experten­gesprächs der Cytonet GmbH in die Runde. Gerade bei der ge­nannten hochakuten Symptomatik in der Neonatalperiode sei jedoch schnelles und gezieltes Handeln auf der Grundlage einer rationalen Verdachtsdiagnose lebenswichtig, so Hoffmann weiter. Diese Symptome müssen neben der Sepsis immer auch an eine Hyperammonämie in Folge angeborener Harnstoffzyklusdefekte denken lassen. Bei dieser seltenen Störung der Leberzellen kann das im Proteinstoffwechsel anfallende Ammoniak nicht zu Harn­stoff abgebaut werden. Die Folgen sind schwere neurologische Schäden, die zu geistiger Behinderung bis hin zum Tode führen können. „Aufgrund dieser Dramatik ist es uns so wichtig, Neona­tologen und Kinderärzte stetig über diese Erkrankung aufzuklären und zu informieren, zumal es mit der zurzeit in Studien unter­suchten Leberzelltherapie eine vielversprechende therapeutische Option geben könnte“, erläutert Hoffmann das Ziel der Veran­staltung.

 

Bei der Leberzelltherapie werden kryokonservierte, keimfreie le­bende Leberzellen via Katheter über die Pfortader in das Emp­fängerorgan infundiert. Mit dem Blutstrom gelangen die Fremd-Leberzellen in das Lebergewebe, siedeln sich dort an und sollen dort die fehlenden Stoffwechselfunktionen bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Säugling alt genug für eine Transplantation ist, über­nehmen. Zur Verhinderung einer Abstoßung der infundierten Leberzellen wird das Immunsystem des Empfängers gezielt medi­kamentös abgeschwächt. „Bis jetzt haben unsere Erfahrungen mit der Leberzelltherapie gezeigt, dass sie von den Patienten gut to­leriert wird“, fasst Hoffmann die bisherigen Erfahrungen zusam­men. „Um allerdings wissenschaftlich gesicherte Aussagen ma­chen zu können, müssen wir die Methode mit Hilfe des SELICA-Studienprogramms weiter untersuchen“.

 

 

SELICA V in Deutschland, SELICA III in den USA

 

Das Ziel der offenen, prospektiv kontrollierten Multizenter-Studie SELICA V, die seit 2008 in Deutschland läuft, ist, die Sicherheit und Wirksamkeit der Leberzelltherapie bei Kindern mit Harnstoffzyklus­defekt darzulegen. Auf eine sechsmonatige Behandlungs- und Beobachtungsphase mit möglichst frühzeitiger Infusion des hu­manen Leberzellpräparats folgt ein 18-monatiges Follow-up. Ein­geschlossen in die Studie werden Säuglinge, Kleinkinder und Kin­der bis zum fünften Lebensjahr, die an einer schweren Verlaufs­form folgender Harnstoffzyklusdefekte erkrankt sind: Ornithin-Transcarbamylase (OTC)-Mangel, Carbamoylphosphat-Synthe­tase I (CPS I)-Mangel oder Argininosuccinat-Synthetase (ASS)-Mangel, Citrullinämie. Die positiven Zwischenergebnisse von SE­LICA V haben 2010 dazu geführt, dass die amerikanische Arznei­mittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) die Geneh­migung für das klinische Studienprogramm SELICA III in den USA erteilt hat. Seitdem kann auch in den USA die Leberzelltherapie klinisch untersucht werden. In die SELICA-III-Studie sind fünf Thera­piezentren sowie zehn aktiv zuweisende und weiterbehandelnde Zentren eingebunden. Cytonet wird bei der Durchführung der SELICA-III-Studie durch das gemeinnützige amerikanische Harn­stoffzykluskonsortium „National Urea Cycle Disorders Foundation“ unterstützt.

 

 

Über Harnstoffzyklusdefekte

 

Harnstoffzyklusdefekte sind schwerwiegende und lebensbedrohliche Störungen des Ammoniak (NH3)-Stoffwechsels der Leber. Dazu gehören der Carbamoylphosphat-Synthetase I (CPS)-Mangel, der N-Acetylglu­tamat-Synthetase (NAGS)-Mangel, der Ornithin-Transcarbamylase (OTC)-Mangel, der Argininosuccinat-Synthetase (ASS)-Mangel - auch Citrullinämie genannt, der Argininosuccinat-Lyase (ASL)-Mangel und der Arginase 1-Mangel (Hyperargininämie). Die Harnstoffzyklusdefekte beruhen auf Fehlfunktionen verschiedener Enzyme, die an der NH3-Ent­giftung beteiligt sind. Bei den Betroffenen wird das neurotoxische NH3 nicht zu Harnstoff verstoffwechselt und ausgeschieden. Es akkumuliert in Blut und Gewebe und führt - abhängig vom Schweregrad der Erkran­kung - zu schweren Schädigungen der Nerven und des Gehirns bis hin zum Tod. Kinder mit einem unbehandelten Harnstoffzyklusdefekt kön­nen sich kaum körperlich und geistig normal entwickeln.

 

 

Bilder aus der Herstellung

 

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Über Cytonet

 

Die Cytonet-Gruppe ist ein international tätiges Biotech Unternehmen mit Standorten in Weinheim, Heidelberg und Durham (North Carolina, USA) mit derzeit 60 Mitarbeitern. Das Unternehmen entwickelt, produ­ziert und vermarktet zelltherapeutische Produkte, die unter Nutzung speziell aufbereiteter menschlicher Zellen bei vielen Erkrankungen Alter­nativen zu bestehenden Therapieverfahren wie der Organtrans­plantation ermöglichen oder dem Patienten das Überleben bis zu einer Transplantation sichern könnten. Bei dem von Cytonet entwickelten Verfahren werden aus Spenderlebern die Leberzellen in einem komple­xen Verfahren schonend isoliert und aufgereinigt. Bei den verwendeten Organen handelt es sich in erster Linie um Lebern, die nicht zur Trans­plantation geeignet sind. Daneben lieferte Cytonet in der Vergangen­heit Blutstammzell- und Knochenmarkspräparationen für die Therapie von Leukämien und weiteren Tumorerkrankungen. Geschäftsführer sind Dr. Dr. Wolfgang Rüdinger und Dipl.-Kfm. Michael J. Deissner. Gegrün­det wurde Cytonet durch die Ausgliederung des Bereiches Zelltherapie aus dem Roche Konzern im April 2000. Die maßgebliche Beteiligung hält die Familie Dietmar Hopp.

 


 


Quelle: Meet-the-expert-Gespräch der Firma Cytonet zum Thema „Leberzelltherapie bei neonatalen Harnstoffzyklusdefekten“ mit Prof. Dr. med., Prof. h.c. (RCH) Georg Friedrich Hoffmann am 24.09.2011 in Bielefeld, anlässlich der 107. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). (CGC-Cramer-Gesundheits-Consulting) (tB).

 
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