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Die Informationskampagne „ADHS und Zukunftsträume“ unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin a.D. Renate Schmidt schafft Aufmerksamkeit für die Situation von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Sie lenkt den Blick auf die Stärken und das Potenzial der Betroffenen und weist auf Verbesserungsbedarf in Diagnostik und Therapie hin.Experten fordern Chancengleichheit

ADHS in der Schule: Kinder gezielt unterstützen

 

München (18. April 2012) – Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) können in der Schule erfolgreich sein, wenn sie frühzeitig behandelt und unterstützt werden. Die Chancengleichheit ist jedoch nicht sichergestellt. Zu oft fehlt es Lehrern an Zeit und Unterstützung, um auf die Kinder individuell einzugehen. Verschiedene praktische Hilfen und Methoden haben sich im Unterricht bewährt. Doch auch das Schulsystem muss sich ändern – sonst ist die Zukunft von rund 500.000 Schulkindern (1) in Deutschland weiterhin in Gefahr.

 

„Schüler mit ADHS sind eine große Herausforderung und bringen Lehrer täglich an ihre Grenzen“, sagte Vera Zippe, Schulleiterin an der Volksschule Behringersdorf in Schwaig bei Nürnberg, auf einer Pressekonferenz in München. „Aber sie sind auch eine Bereicherung und den Einsatz wert. Mit den richtigen Methoden, und wenn Eltern und Lehrer Hand in Hand arbeiten, können die Kinder erfolgreich sein“, so Zippe, die als Mutter eines betroffenen Kindes beide Perspektiven kennt.

 

 

Möglichst frühzeitig untersuchen und Diagnose stellen

 

Sobald typische ADHS-Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität für die Betroffenen in der Schule zu einem Problem werden, sollte ein Kinder- und Jugendpsychiater oder ein auf ADHS spezialisierter Kinderarzt das Kind fachgerecht untersuchen und eine Diagnose stellen. „Von Lehrern erfordert es viel Fingerspitzengefühl, Eltern auf Verhaltensprobleme ihrer Kinder hinzuweisen und zu einen Arztbesuch zu raten“, räumte Zippe ein. Doch es gilt, keine Zeit zu verlieren, denn schnell beginnt ein Kreislauf aus auffälligem Verhalten, Misserfolgen und Trotz, der dem Selbstwertgefühl der Kinder schadet.

 

 

Hilfen für den Unterricht

 

Mithilfe bewährter Methoden können Lehrkräfte auf die typischen Wahrnehmungs- und Verhaltensprobleme von Kindern mit ADHS reagieren: Ein Einzelplatz ohne ablenkende Gegenstände im Blickfeld und auf dem Tisch fördert die Konzentration. Aufgaben sollten in Teilschritte gegliedert und Schritt für Schritt bearbeitet werden. Bei stark ausgeprägter körperlicher Unruhe hilft Bewegung, etwa beim Tafelwischen oder Kreide holen. Kinder mit ADHS brauchen verlässliche Strukturen und wiederkehrende Abläufe sowie klare Anweisungen und Regeln. Ebenso wichtig sind direkte positive oder negative Reaktionen auf ihr Verhalten. Hierbei helfen Zeichensysteme, z.B. Signalkarten, Symbole oder Gesten. Kleine Belohnungen wie Aufkleber oder einige Minuten Spielzeit können Kinder mit ADHS enorm motivieren.

 

 

Lob, Anerkennung und Akzeptanz

 

„Auch wenn es manchmal schwerfällt – der Lehrer sollte auch einem Schüler mit problematischem Verhalten immer wieder zeigen, dass er ihn grundsätzlich mag“ so Zippe. Dabei hilft es, sich auf die positiven Eigenschaften des Kindes zu konzentrieren, diese zu fördern und gutes Verhalten konsequent zu loben. „Der Lehrer muss sich und auch den Mitschülern immer wieder vor Augen führen, dass ADHS ein Erkrankung ist und kein böser Wille“, betonte Zippe.

 

 

Hilfen für Lehrer

 

Für ein Kind mit ADHS Chancengleichheit herzustellen ist Teamarbeit. Die Schule und das Schulsystem müssen Lehrer und Eltern dabei unterstützen – durch Fortbildung und Förderpläne, aber auch durch die richtigen Rahmenbedingungen. „Wir brauchen kleinere Klassen und mehr Unterstützung durch Schulpsychologen, Heiltherapeuten und Sozialarbeiter, um individuell auf jeden Schüler eingehen zu können“, forderte Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Erklärtes Ziel des BLLV ist es, verhaltensauffällige Kinder so lange wie möglich in der Regelschule zu unterrichten und zu fördern. „Bei jedem fünften Schulkind zwischen sieben und siebzehn liegen heute psychische Auffälligkeiten vor. Darauf darf die Schulpolitik nicht mit noch mehr Druck und Stress reagieren“, so Wenzel. „Wir brauchen mehr Förderung und weniger Auslese – sonst bleibt Chancengleichheit ein frommer Wunsch.“ Renate Schmidt, ehemalige Bundesfamilienministerin und Schirmherrin der Informationskampagne „ADHS und Zukunftsträume“, fügte hinzu: „Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, das Talent dieser Kinder und Jugendlichen zu ignorieren, nur weil es mit ihnen anstrengend sein kann. Sie haben ein Anrecht darauf, als Menschen mit Stärken und Fähigkeiten wahrgenommen und gefördert zu werden.“

 

(1) Hoberg K. ADHS. Der praktische Ratgeber für Schule und Familie. Idee & Produkt Verlag, Bonn; 2007: 49.

 

 

ADHS und Zukunftsträume

 

Die Informationskampagne „ADHS und Zukunftsträume“ unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin a.D. Renate Schmidt schafft Aufmerksamkeit für die Situation von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Sie lenkt den Blick auf die Stärken und das Potenzial der Betroffenen und weist auf Verbesserungsbedarf in Diagnostik und Therapie hin.

 

„ADHS und Zukunftsträume“ wurde initiiert von der Shire Deutschland GmbH in Zusammenarbeit mit dem Selbsthilfeverband ADHS Deutschland e. V., der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e. V. und dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband. Weitere Informationen finden Sie unter www.adhs-zukunftstraeume.de

 

 


Quelle: Isgro Gesundheitskommunikation, 18.04.2012 (tB)