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16 | 12 | 2017
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Kinderärzte fordern Pflichtimpfung zum neuen Kindergarten- und Schuljahr

Impfpflicht für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen endlich umsetzen

 

Berlin (7. August 2013) – Mit Blick auf das neue Schuljahr und die wachsende Zahl der Kinder in frühkindlicher Betreuung fordert die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V., einen altersentsprechend vollständigen Impfschutz gemäß STIKO-Empfehlungen zur verpflichtenden Voraussetzung für den Besuch von Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen zu machen. Ungeimpfte oder nicht nach Impfkalender geimpfte Kinder setzen sich in Gemeinschaftseinrichtungen nicht nur selbst einem Infektionsrisiko aus, sondern gefährden auch andere Kinder und speziell Kleinkinder.

 

Das vergangene Schuljahr hat deutlich gezeigt, dass bedrohliche Infektionskrankheiten, die in Deutschland jahrelang kein großes Thema mehr waren, zurückkommen können, wenn Kinder nicht konsequent dagegen geimpft werden. Dies trifft besonders auf die Masern zu, die akut oder als Spätfolge eine lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns verursachen kann. Gleich in mehreren Bundesländern kam es in der ersten Jahreshälfte 2013 zu Masernausbrüchen. In Nordrhein-Westfalen musste deswegen im Frühsommer sogar eine Schule zeitweise geschlossen werden. Insgesamt erkrankten in Deutschland im Jahr 2013 laut SurvStat-Daten des RKI bis einschließlich Juli schon 1.235 Personen an Masern. Im ganzen Jahr 2012 waren es nur 166.


Krippenkinder sind besonders gefährdet

"Wenn sich an den suboptimalen Impfquoten in Deutschland nichts ändert, wird dieser Trend im neuen Schuljahr anhalten", warnt Professor Dr. Ulrich Heininger, Sprecher der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der DAKJ und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Durch den seit Anfang August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz steigt zudem die Zahl der Kinder in frühkindlichen Betreuungseinrichtungen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Masernausbrüchen zusätzlich, denn der unvermeidbar enge Kontakt der Kinder in diesen Einrichtungen begünstigt die Übertragung von Infektionserregern.

"Gerade Krippenkinder sind besonders gefährdet", so Heininger. Aus immunologischen Gründen können Lebendimpfstoffe wie der Masern-Impfstoff in den ersten Lebensmonaten noch nicht verimpft werden. "Wenn nun ältere Kinder eine Maserninfektion in die Kindertagesstätte einschleppen, besteht die Gefahr einer Übertragung auf die noch ungeimpften beziehungsweise noch unvollständig geimpften Kleinkinder." Eltern, die ihre Kinder aus ideologischen Gründen nicht impfen und sie dennoch in Betreuungseinrichtungen schicken, handeln also nicht nur ihrem eigenen Kind gegenüber verantwortungslos, sondern vor allem auch anderen Kindern gegenüber.


Bund, Länder und Ärztekammer müssen handeln

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ) als Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften in Deutschland hat deswegen schon im Jahr 2009 in einer Stellungnahme konkrete Maßnahmen aufgelistet, mit denen die infektionsepidemiologische Situation in Deutschland speziell im Kindesalter verbessert werden kann. Angesichts der katastrophalen Entwicklung der Masernzahlen in Deutschland erneuert die DAKJ ihre Forderungen:

 

  • Die Bundesregierung sollte, in Analogie zu anderen Ländern, das Infektionsschutzgesetz dahingehend erweitern, dass der Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung im Kindesalter nur bei altersgemäß vollständigem Impfschutz entsprechend den aktuellen STIKO-Empfehlungen möglich ist. Dies gilt, sofern keine Kontraindikationen für Impfungen vorliegen.
  • Die Bundesländer sollten in die jeweiligen Landesgesetze zur institutionellen Betreuung in Kindertagesstätten einheitliche Regelungen zur verbindlichen ärztlichen Überprüfung des Impfstatus in den Einrichtungen aufnehmen. Sie sollten außerdem Maßnahmen umsetzen, die auf eine Komplettierung des Impfschutzes vor Aufnahme in eine Einrichtung zielen.
  • Die Aufklärung der Eltern über Infektionskrankheiten und altersgemäßen Impfschutz gemäß §34 Infektionsschutzgesetz sowie über die Verantwortung, die Eltern durch die Impfung der Kinder für das Gemeinwohl übernehmen, muss flächendeckend und kontinuierlich erfolgen.
  • Die Landesärztekammern sollten den Beschluss des 109. Deutschen Ärztetags aus dem Jahr 2006 umsetzen und rechtliche Schritte gegen Ärzte einleiten, die mit ihrem Verhalten gegen das Gebot der ärztlichen Sorgfalts- und Qualitätssicherungspflicht verstoßen.


Die heute von der STIKO für Kinder empfohlenen Impfungen sind effektiv und gut verträglich. Durch die Impfprogramme der letzten Jahrzehnte konnten bedrohliche Infektionskrankheiten wie Diphtherie, Poliomyelitis, Masern, Mumps und Keuchhusten zurückgedrängt werden. Dieser enorme Fortschritt wird zunehmend durch eine ideologisch motivierte, sachlich nicht begründbare so genannte "Impfkritik" bedroht. Noch profitieren auch nicht geimpfte Kinder davon, dass die Mehrheit der Eltern verantwortungsvoll handelt. Doch dieser Schutz hat Grenzen, wenn zu viele Kinder ungeimpft sind. Der steile Anstieg der Masernausbrüche in den vergangenen Monaten deutet darauf hin, dass eine solche Grenze erreicht ist.


Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ)

Die DAKJ koordiniert und bearbeitet als Dachverband der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ), der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ) sowie weiterer kinder- und jugendmedizinischer Gesellschaften die gemeinsamen Anliegen der kinder- und jugendmedizinischen Verbände und vertritt sie nach außen. Dabei konzentriert sich die DAKJ auf die Kerngebiete der Kinder- und Jugendmedizin, wie z.B. Weiterbildung und Fortbildung, ambulante und stationäre kinder- und jugendmedizinische Versorgung, soziale Lage des Kindes, Prävention, Impffragen, Umweltbelastungen und ethische Fragen.

 

Weitere Informationen unter: www.dakj.de

 


 

Quelle: Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V., 07.08.2013 (tB).

 
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