Home Kinder- und Jugendmedizin 110. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Schmerzmanagement bei Kindern und Jugendlichen
19 | 10 | 2017
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Schmerzlos_Logo110. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)

Schmerzmanagement bei Kindern und Jugendlichen

 

Leipzig (12. September 2014) - Im Fokus des Symposiums „Schmerzmanagement bei Kindern und Jugendlichen“ auf der 110. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Leipzig standen die Diagnostik sowie die medikamentöse und psychosomatische Therapie von Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Themen der Veranstaltung unter dem Vorsitz von Dr. med. Raymund Pothmann (Hamburg) waren: „Sinnvolle Diagnostik bei Kopf- und Bauchschmerzen“ (PD Dr. med. Sven Gottschling, Homburg/Saar), „Medikamentöse Behandlungsoptionen bei Kopfschmerzen“ (PD Dr. med. Friedrich Ebinger, Paderborn) und „Pragmatische psychosomatische Schmerztherapie“ (Dr. med. Raymund Pothmann, Hamburg). Das Symposium wurde von der Initiative Schmerzlos für den richtigen Umgang mit Schmerzen bei Jugendlichen – einer Aufklärungskampagne von RB (Reckitt Benckiser Deutschland GmbH) – unterstützt.


Schmerzen sind bei Kindern und Jugendlichen keine Seltenheit. Im Gegenteil: Die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) zeigen, dass über 75 % der 11- bis 17-Jährigen in den vergangenen drei Monaten Schmerzen hatten. Hauptschmerzarten bei ihnen waren unter anderem Kopf- und Rückenschmerzen. Zu den Risikofaktoren für Kopfschmerzen bei Jugendlichen gehören Bewegungsmangel, regelmäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum (2), aber auch Streitigkeiten in der Familie oder Stress in der Schule (3). Bei den Drei- bis Zehnjährigen klagten fast 65 % innerhalb der vergangenen drei Monate über Schmerzen. Am häufigsten litten sie unter Bauchschmerzen, gefolgt von Kopfschmerzen.(1)

 

Vor allem wiederkehrende Schmerzen stellen bei Kindern und Jugendlichen ein ernst zu nehmendes Problem dar. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität und können zu wiederholtem Schulausfall, mangelndem Selbstbewusstsein und zur Entwicklung chronischer Schmerzen führen. Ergebnisse einer schwedischen Studie haben gezeigt, dass bei Kindern und Jugendlichen, die an Migräne litten, über 50 % diese auch noch als Erwachsene hatten (4).

 

 

Sinnvolle Diagnostik bei Kopf- und Bauchschmerzen

 

PD Dr. med. Sven Gottschling erklärte in seinem Vortrag „Sinnvolle Diagnostik bei Kopf- und Bauchschmerzen“ zunächst die diagnostischen Maßnahmen bei Kopfschmerzen: „Absolut im Vordergrund stehen eine sorgfältige Anamnese, eine vollständige pädiatrisch-internistische und neurologische Untersuchung des Kindes. Es müssen die Häufigkeiten der Attacken, die tageszeitliche Bindung, das Auftreten an Schul-, Wochen- und Ferientagen erfasst werden. Weiterhin sind die Medikamentenanamnese, eine Familienanamnese und gegebenenfalls das Führen eines Kopfschmerzkalenders über vier bis sechs Wochen wichtig.“

 

Meistens seien jedoch bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp und bei Migräne keine pädiatrisch-internistischen oder neurologischen Auffälligkeiten feststellbar. Bei eindeutiger Anamnese und unauffälliger körperlicher Untersuchung ist laut Dr. Gottschling eine weiterführende Diagnostik, abgesehen von einem initialen augenärztlichen Status, nicht indiziert. Insbesondere empfahl er, auf folgende Untersuchungen zu verzichten, da sie in der Regel ohne Aussagekraft seien: Blutuntersuchungen, Hirnstromuntersuchungen bei Spannungskopfschmerz oder Migräne, Nervenwasseruntersuchung, cerebrale bildgebende Diagnostik ohne Alarmzeichen in Anamnese und körperlicher Untersuchung.

 

Dr. Gottschling wies aber auch auf „Red Flags“ hin, die eine weiterführende Diagnostik notwendig machen: plötzliche starke Kopfschmerzen mit völlig ungewöhnlicher Intensität, stetig zunehmender Schmerz, Kopfschmerzen, die nachts oder bei Drucksteigerung beginnen, Nüchternerbrechen, epileptische Anfälle, neurologische Auffälligkeiten und anthropometische Auffälligkeiten. „Der häufigste Grund für die Durchführung einer kraniellen Bildgebung ist jedoch, wenn entweder die Angst der Familie oder die Unsicherheit des behandlungsverantwortlichen Arztes einen adäquaten Umgang mit den Kopfschmerzen verhindert“, so Dr. Gottschling.

 

Auch bei Bauchschmerzen seien eine gezielte Anamnese und die körperliche Untersuchung wichtig. Als Alarmzeichen für eine intensivere Diagnostik nannte Dr. Gottschling anhaltende Schmerzen im rechten oberen oder rechten unteren Quadraten, Dysphagie, anhaltendes Erbrechen, gastrointestinaler Blutverlust, nächtliche Durchfälle, Familienanamnese mit entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie oder peptischen Geschwüren, Schmerzen, die das Kind aus dem Schlaf heraus aufwecken, Begleitarthritis, perianale Erkrankungen, ungewollter Gewichtsverlust, Verlangsamung des Längenwachstums, verzögerte Pubertät, unerklärtes Fieber – mit einer Dauer über 12 Stunden oder deutlich periodischem Verlauf.

 

„Kopf- und Bauchschmerzen im Kindes- und Jugendalter sind häufig. Zum Glück sind gravierende Ursachen hierfür eher die Ausnahme, sodass die wichtigsten Instrumente in der Zuordnung dieser Beschwerden immer noch die Anamnese und die körperliche Untersuchung bilden sollten. Eine apparative Diagnostik sollte nur nach sorgfältiger Indikationsstellung in ausgewählten Fällen erfolgen“, resümierte Dr. Gottschling.

 

 

Medikamentöse Behandlungsoptionen bei Kopfschmerzen

 

Den medikamentösen Behandlungsoptionen bei Kopfschmerzen von Kindern und Jugendlichen widmete sich PD Dr. med. Friedrich Ebinger in seinem Vortrag. „Wie bei jedem Schmerz hängt die Behandlung von Kopfschmerzen von der Ätiologie und von der Akuität bzw. vom Verlauf ab. Bei chronisch-rezidivierenden ‚primären‘ Kopf-schmerzen stehen verhaltensmedizinische Strategien zur Kopfschmerz-Prophylaxe im Vordergrund. Auch in der Behandlung der einzelnen Attacken stehen solche Prinzipien an erster Stelle“, erklärte er. Bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp helfe es oft, die Aufmerksamkeit vom Schmerz, zum Beispiel durch Sport, abzulenken.

 

„Bei einer Migräneattacke empfiehlt es sich hingegen, die Aktivitäten zu unterbrechen und sich in einer ruhigen Umgebung zu entspannen. In der Regel ist bei einer Migräneattacke eine Analgetikagabe notwendig. Diese sollte dann frühzeitig und ausreichend hoch dosiert erfolgen. Nach Studienlage und persönlicher Erfahrung ist dabei Ibuprofen mit einer Einzeldosis von 10-15 mg/kg KG das Analgetikum der ersten Wahl“, so Dr. Ebinger. Reicht bei einer Migräneattacke ein Analgetikum nicht aus, solle auch bei Kindern und Jugendlichen als spezifisches Migränemedikament ein Triptan eingesetzt werden. Einige Triptane sind in Deutschland ab dem Alter von 12 Jahren zugelassen. Aber auch unterhalb dieser Altersgrenze sei deren (off-label‑)Einsatz gegebenenfalls individuell sinnvoll. Bei sekundären Kopfschmerzen richte sich die Behandlung nach der Grunderkrankung.

 

„In der Prophylaxe primärer Kopfschmerzen stehen verhaltensmedizinische Maßnahmen an erster Stelle. Im Einzelfall ist aber auch der Einsatz medikamentöser Prophylaktika sinnvoll. Bei Migräne kann hochdosiertes Magnesium niedrigschwellig eingesetzt werden. Falls keine Kontraindikationen vorliegen, sind Beta-Blocker eine gute Option. Amitriptylin kann sowohl bei Migräne als auch bei chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp eingesetzt werden“, fasste Dr. Ebinger zusammen.

 

 

Pragmatische psychosomatische Schmerztherapie

 

„Chronische Schmerzen mit komplexen Begleiterscheinungen spielen mit steigendem Alter der Kinder und Jugendlichen eine zunehmende Rolle. Vordergründig führend sind es vor allem Kopf- und Rücken-, aber auch Bauchschmerzen oder ein chronisches regionales Schmerzsyndrom. Der Leidensdruck der Betroffenen ist ausgesprochen hoch und führt oft zu erheblichen sozialen Ausfallszeiten, insbesondere im schulischen Bereich. Komorbiditäten wie Depressionen, Angst und Schlafstörungen verstärken die Symptomatik und erhalten sie aufrecht“, leitete Dr. med. Raymund Pothmann seinen Vortrag zur pragmatischen psychosomatischen Schmerztherapie ein.

 

Die Grundlage eines therapeutischen Ansatzes in der psychosomatischen Schmerztherapie sei es, eine tragfähige Vertrauensbasis speziell zu den Betroffenen aufzubauen. Dazu gehöre vor allem, die Schmerzen vorbehaltlos zu akzeptieren. „Eltern und Patienten, die eine fortgesetzte organische Ursachendiagnostik betreiben, muss frühzeitig durch die Vermittlung eines funktionellen Schmerzverständnisses begegnet werden. Auf dieser Basis lässt sich die Akzeptanz für Therapieverfahren mit aktivierenden und dekonditionierenden Ansätzen vermitteln“, so Dr. Pothmann. Hilfreich seien dabei vor allem lösungsfokussierte Methoden, die eine effiziente Behandlung schon im ambulanten Setting erlauben.

 

Von einer pharmakologischen Schmerztherapie rät Dr. Pothmann in diesem Fall ab. „Das mangelhafte pharmakotherapeutische Ansprechen kann in den therapeutischen Prozess als Hinweis eingearbeitet werden, dass offensichtlich ein anderer Behandlungsansatz wichtiger ist“, sagte er. Reicht eine ambulante psychotherapeutisch konfundierte Schmerztherapie in absehbarer Zeit nicht aus, den Leidensdruck zu mindern, empfahl Dr. Pothmann eine altersentsprechende stationäre, psychosomatisch ausgerichtete Schmerztherapie.

 

 

Über die Initiative Schmerzlos

 

Im Fokus der Initiative Schmerzlos steht die Aufklärung über Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Vorbeugung von Schmerzen bei Jugendlichen. Sie wurde im September 2013 von RB Deutschland in Zusammenarbeit mit renommierten Neurologen, Schmerzexperten sowie Kinder- und Jugendärzten ins Leben gerufen, darunter auch zahlreiche Autoren von Leitlinien zu Kopfschmerzen und Migräne. Die Initiative gibt Müttern, Vätern und Erziehungsberechtigten relevante Informationen zum richtigen Umgang mit Schmerzen bei Jugendlichen an die Hand.

 

Denn aktuell gibt es in Deutschland zu wenig Informationen und Versorgungsangebote für eine altersgerechte Schmerzbehandlung, die auf die spezifischen Bedürfnisse von Jugendlichen abgestimmt sind. Viele Eltern und Erziehungsberechtigte sind sich unsicher, wie sie den Jugendlichen mit ihren Schmerzen am besten helfen können oder bagatellisieren sie gar. Dabei kann eine angemessene Schmerztherapie Chronifizierungen vermeiden und die Lebensqualität von Jugendlichen verbessern.

 

 

 

Über RB

 

RB (vormals Reckitt Benckiser) ist das weltweit führende Unternehmen im Bereich Consumer Health und Hygiene. Das Unternehmen besitzt operative Gesellschaften in über 60 Ländern mit Hauptsitzen in Großbritannien, Singapur, Dubai und Amsterdam und vertreibt seine Produkte in fast 200 Ländern. Weltweit beschäftigt RB etwa 37.000 Mitarbeiter.

 

Mit dem Ziel, innovative Lösungen für ein gesünderes Leben und ein glücklicheres Zuhause zu liefern, gehört RB zu den Top 20 Unternehmen der London Stock Exchange. Heute ist RB dank seiner herausragenden Innovationskraft weltweit die Nummer 1 oder Nummer 2 in den meisten seiner schnell wachsenden Marktsegmente. Das Portfolio aus den Bereichen Gesundheit, Hygiene und Haushalt wird angeführt von den 19 weltweiten Powerbrands wie Nurofen, Gaviscon, Durex, Scholl, Sagrotan, Clearasil, Veet, Harpic, Cillit Bang, Finish, Vanish, Woolite, Calgon, MegaRed und Air Wick. Anfang 2014 bezog RB 43 Prozent seiner Haupteinnahmen aus seinen zwei Schwellenmarkt-Regionen und 57 Prozent aus der Region der entwickelten Märkte; 72 Prozent des Kernumsatzes kamen aus den Kategorien Gesundheit und Hygiene.

 

Dank einer neuen Generation talentierter Mitarbeiter, bei denen sich intellektuelle Neugierde mit einer Verpflichtung für höchste Qualitätsansprüche vermischt, ist RB bereit, die Welt der Consumer Health und Hygiene neu zu definieren. Die Grundlage des Unternehmenserfolges von RB stellen Mitarbeiter und Firmenkultur. Die Mitarbeiter zeichnen sich durch ein hohes Maß an Eigeninitiative und unternehmerisches Denken aus, sie wollen etwas bewegen und erhalten dazu bei RB alle Möglichkeiten. Sie scheuen sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen und über sich hinaus zu wachsen. Dies zeigt sich überdies im Bereich der Nachhaltigkeit, in dem das Unternehmen sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2020 sowohl den Verbrauch von Wasser als auch den CO2-Ausstoß um jeweils ein Drittel zu reduzieren und ein Drittel seines Nettoumsatzes aus nachhaltigen Produkten zu erwirtschaften. Darüber hinaus ist RB der größte weltweite Partner aus der FMCG-Branche der gemeinnützigen Kinderrechtsorganisation Save the Children, wobei sich beide Partner zum Ziel gesetzt haben, Durchfallerkrankungen als zweithäufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren gemeinsam merklich zu reduzieren. Insgesamt will RB 200 Millionen Menschen erreichen und ihr Verhalten in den Bereichen Gesundheit und Hygiene verbessern.

 

 

 

Quellen 

  1. U. Ellert, H. Neuhauser, A. Roth-Isigkeit: Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen in Deutsch-land: Prävalenz und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheits-schutz, 516, 2007.50:711-717.
  2. Milde-Busch A, Blaschek A, Borggräfe I, Heinen F, Straube A,von Kries R: Associations of diet and lifestyle with headache in high-school students: results from a cross-sectional study. Headache 2010; 50: 1104-14.
  3. Gaßmann J, Vath N, van Gessel H, Kröner-Herwig B: Risk factors for headache in children. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(31–32):509-16.
  4. Bille B. A 40-year follow-up of school children with migrane. Cephalalgia 1997;17:488-491.

 

 


Quelle: Symposium „Schmerzmanagement bei Kindern und Jugendlichen“, 110. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Initiative Schmerzlos, eine Aufklärungskampagne von RB (Reckitt Benckiser Deutschland GmbH). (tB).

 
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