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Katheter. © Coloplast GmbHAbleitende Inkontinenzversorgung (ISK)

RKI-Kommission empfiehlt intermittierenden Selbst-Katheterismus (ISK) zur Vermeidung von Harnwegsinfektionen

 

Berlin (28. Juli 2015) - Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt als zentralen Punkt zur Prävention von Katheter-assoziierten Infektionen, den intermittierenden Selbst-Katheterismus (ISK) dem Blasenverweilkatheter vorzuziehen, "wo immer dies praktikabel ist". Darauf hat der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hingewiesen. Die KRINKO-Empfehlung "Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen" ist im Bundesgesundheitsblatt (Ausgabe 2015/6) veröffentlicht worden. Ausführliche Informationen zur ISK-Versorgung sowie die KRINKO-Empfehlung gibt es auf einem speziellen BVMed-Portal unter www.faktor-lebensqualitaet.de.  

 

Das vorrangige Ziel der neuen KRINKO-Empfehlung ist, die Häufigkeit infektiöser Komplikationen im Zusammenhang mit dem Katheterismus der Harnblase zu minimieren. Bei jedem Anlegen eines Blasenverweilkatheters sollte aus KRINKO-Sicht zunächst geprüft werden, ob nicht ein aseptischer, intermittierender Einmal-(Selbst-)Katheterismus in Frage kommt. Dieser Empfehlung schließen sich die BVMed-Experten an. Die Empfehlung der strengen Indikationsstellung des Blasenverweilkatheters stellt dabei eine Empfehlung der Evidenzkategorie II dar. Dies bedeutet, dass die Empfehlung auf hinweisenden Studien bzw. Untersuchungen und strengen, plausiblen und nachvollziehbaren theoretischen Ableitungen basiert.

Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen überhaupt. In den nicht-chirurgischen Fächern sind sie sogar die häufigste Infektionsart. Bei Infektionen im Krankenhaus haben Harnwegsinfektionen einen Anteil von rund 30 Prozent. Auch in Pflegeheimen besteht eine Prävalenz von 30 Prozent. Harnwegsinfektionen können zu schwerwiegenden Komplikationen führen und gehören zum Beispiel zu den häufigsten Ursachen von im Krankenhaus auftretenden sekundären Sepsisfällen. Relevanz haben Harnwegsinfektionen darüber hinaus wegen der hierdurch verursachten Antibiotikaverordnungen und des daraus resultierenden Selektionsdrucks auf Erreger. Die Prävention von Harnwegsinfektionen ist daher ein zentrales Thema mit gesundheitspolitischen Auswirkungen.

Mit der aktuellen Empfehlung präzisiert die KRINKO ihre bisherige Empfehlung aus dem Jahr 1999, in der bei Kurzzeitdrainagen (weniger als 5 Tage) alternativ der transurethrale Blasenverweilkatheter, der suprapubische Blasenverweilkatheter oder ein streng aseptischer, intermittierender Einmalkatheterismus empfohlen wurde – ohne eine Präferenz einer der drei Methoden.

Nach Ansicht des BVMed ist der ISK in den stationären Pflegeeinrichtungen aktuell noch nicht Standard. Deswegen sollten für die Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen die bisherigen Behandlungsstandards überprüft und aktualisiert werden.

 

 


Quelle: BVMed, 28.07.2015 (tB).