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DGfN 2017

ADPKD-Therapie mit Tolvaptan: einfache Identifizierung geeigneter Patienten möglich

Mannheim (16. September 2017) – Die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) ist die vierthäufigste Ursache für terminales Nierenversagen.1 Bis vor Kurzem konnten nur Symptome und Begleiterkrankungen dieser stark lebensbeeinträchtigenden, chronischen und fortschreitenden Erbkrankheit der Nieren behandelt werden. Mit Tolvaptan (JINARC®) steht seit August 2015 erstmals in Europa eine Therapiemöglichkeit der ADPKD zur Verfügung. Der nierenspezifisch wirkende Vasopressin-V2-Rezeptor-Antagonist kann die Krankheitsprogression verlangsamen und ein Nieren-versagen hinauszögern.2,3 Über die seither gewonnenen Erfahrungen mit der Tolvaptan-Therapie und die Möglichkeiten einer einfachen, praktikablen Identifizierung der für Tolvaptan geeigneten Patienten berichteten Experten auf einem Symposium von Otsuka Pharma GmbH anlässlich der 9. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). JINARC® ist indiziert bei erwachsenen Patienten mit ADPKD im Niereninsuffizienzstadium (CKD) 1 – 3 zu Behandlungsbeginn mit Anzeichen für rasche Krankheitsprogression.2


„Das Management der Erkrankung umfasst viele Aspekte“, erklärte Prof. Thomas Benzing, Köln. Dazu gehöre u. a. die sorgfältige Beratung unter Einbeziehung der Angehörigen genauso wie eine konsequente Blutdruckkontrolle, die frühzeitige Aufklärung über die Möglichkeiten einer Transplantation sowie die Hilfestellung bei Problemen wie Schmerzen oder Depressionen. Die ADPKD ist für viele Betroffene eine große Belastung – sowohl körperlich als auch psychisch, betonte Benzing. Mit Tolvaptan (JINARC®) stehe nun ein krankheitsmodifizierendes Medikament zur Verfügung. Die ADPKD-Behandlung mit Tolvaptan führte in der randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studie TEMPO 3/4 zu einer jährlichen Reduktion des Nierenvolumenwachstums um 49 % und zu einer Reduktion des jährlichen Nierenfunktionsverlustes um 32 %.3 Auch die klinische Progression (kombinierter sekundärer Endpunkt aus Verschlechterung der Nierenfunktion, Nierenschmerzen, Hypertonie und Albuminurie) konnte mit Tolvaptan versus Placebo 2 signifikant verringert werden, so Benzing.3 Wichtig für die Patienten sei insbesondere die Reduktion klinisch relevanter Nierenschmerzen um 36 %.4 Laut Benzing wurde der positive Effekt von Tolvaptan auf das Nierenwachstum über die CKD-Stadien 1 – 3 zu Behandlungsbeginn beobachtet.5


Für die Indikationsstellung sind meist wenige Parameter ausreichend

„Da nicht alle ADPKD-Patienten dialysepflichtig werden, müssen die für Tolvaptan in Frage kommenden Patienten identifiziert werden“, erklärte Benzing. Laut Zulassung ist Tolvaptan indiziert bei erwachsenen Patienten die sich zu Behandlungsbeginn im CKD 1 bis 3 befinden und Anzeichen einer raschen Krankheitsprogression aufweisen.2 Die 2016 veröffentlichten ERA-EDTA-Empfehlungen zur ADPKD-Behandlung mit Tolvaptan* enthalten einen hierarchischen Entscheidungsalgorithmus, der relativ kompliziert sei.6 Im Praxisalltag habe sich herausgestellt, dass die Auswahl der geeigneten Patienten sehr gut anhand der Nierenfunktion (eGFR) in Bezug zum Alter und dem CKD-Stadium (1 – 3) funktioniere. Bei einigen Patienten müsse für die Abschätzung des Progressionsrisikos der Verlauf der Nierenfunktion über die Zeit oder seltener des Gesamtnierenvolumens mittels MRT bzw. der Nierenlänge (mit Ultraschall gemessen) herangezogen werden.


Beratung und Motivation des Patienten als wichtige Pfeiler des Behandlungerfolgs

„Die Ergebnisse von TEMPO 3/4 sprechen dafür, dass pro 3,6 Behandlungsjahren mit Tolvaptan die Krankheitsprogression und damit eine Dialysepflichtigkeit um ein Jahr aufgeschoben werden kann,“ beschrieb PD Dr. Roman-Ulrich Müller, Köln, den möglichen Benefit für ADPKD-Patienten.3 Entscheidend für einen Therapieerfolg sei, dass der Nephrologe dem Patienten die Behandlung genau erklärt, insbesondere die durch den Wirkmechanismus von Tolvaptan bedingte Steigerung der Aquarese, die in TEMPO 3/4 gezeigt wurde. In der Praxis könne man daher, wie in den Studien, eine hohe Adhärenz der Patienten beobachten – „vielleicht auch, weil Tolvaptan ein Medikament ist, bei dem der Patient bereits nach zwei Stunden merkt, dass es wirkt“, fügte Müller mit einem Augenzwinkern hinzu. Tolvaptan weise ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil auf – hierfür gebe es inzwischen die Erfahrung mit fast 2.000 behandelten Patienten in den TEMPO-Studien, berichtete Müller.3 Wichtig sei, den Patienten über mögliche Leberwerterhöhungen aufzuklären und die notwendigen Laborkontrollen (monatlich in den ersten 18 Behandlungsmonaten, danach alle drei Monate)2 durchzuführen. 3

Um möglichst viel über ADPKD sowie die Therapie mit Tolvaptan zu lernen, wurde in Köln ein ADPKD-Register eingerichtet, ergänzte Müller. Hier hätten die ersten Erfahrungen bestätigt, dass die Mehrzahl der Patienten mit der Tolvaptan-Therapie im Alltag sehr gut zurechtkommen.


Auch für Patienten über 50 kann eine Tolvaptan-Therapie infrage kommen

„Seit JINARC® zur Verfügung steht, kommen immer mehr Patienten mit Zystennieren in unsere Spezialambulanz in der Charité“, berichtete Prof. Markus van der Giet, Berlin. Die meisten Patienten kämen aus Eigeninitiative oder aufgrund einer Überweisung von ihrem Nephrologen oder Hausarzt zur Abklärung einer Therapieindikation für Tolvaptan.

Auch für van der Giet erscheint der ERA-EDTA-Algorithmus nicht sehr praktikabel. Denn: „Patienten knapp über 50 Jahre werden von diesem Algorithmus ausgeschlossen, auch wenn sie – aufgrund der anderen Kriterien – eine rasche Progression aufweisen und da-mit von einer Tolvaptan-Therapie profitieren könnten.“ Ebenso gäbe es häufiger „Grenz-fälle“ wie z. B. Patienten mit Mayo-Klasse 1C, die zwischen schneller und langsamer Progression liegen. Bei über 50-jährigen Patienten mit Klasse 1C und unbekannter Historie der Nierenfunktion empfahl van der Giet, zunächst abzuwarten. Gehe ihre eGFR dann innerhalb von zwei Jahren um mehr als 6 ml/min/1,73m2 oder in fünf Jahren um mehr als 10 ml/min/1,73m2 zurück, sollte eine Tolvaptan-Therapie neu überdacht werden. Handle es sich hingegen um einen über 50-jährigen Patienten mit Klasse 1C und bekanntem Verlauf, bei dem der eGFR-Verlust mehr als 3 ml/min/1,73m2 pro Jahr beträgt, sollte laut van der Giet eine Tolvaptan-Therapie in Erwägung gezogen werden.

Die praktische Erfahrung habe auch an der Charité gezeigt, dass die Entscheidung zur Tolvaptan-Therapie individuell und gemeinsam mit dem Patienten getroffen werden müsse. Wichtig sei aber immer auch, den Patienten zu ermuntern, seinen Lebensstil zu optimieren – z. B. mit gesunder Ernährung, Reduktion des Kaffeekonsums, Salzrestriktion, Einstellung einer Hypertonie –, um die Krankheitsprogression auch von dieser Seite her positiv zu beeinflussen, schloss van der Giet.


Über Otsuka

Otsuka Pharmaceutical Company ist ein globales Unternehmen auf dem Pharma- und Gesund-heitsmarkt, geleitet von der Philosophie: ‚Otsuka-people creating new products for better health worldwide‘. Otsuka erforscht und entwickelt, produziert und vertreibt innovative Produkte. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Arzneimitteln für Bereiche, in denen ein hoher medizinischer Bedarf besteht, sowie auf Nahrungsergänzungsmitteln zur Erhaltung der Gesundheit im täglichen Leben.

Bei Arzneimitteln nimmt Otsuka eine führende Stellung auf dem anspruchsvollen Gebiet der psychischen Gesundheit ein. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen Forschungsprogramme für einige vernachlässigte Erkrankungen wie Tuberkulose, ein wichtiges Thema für Gesundheits-systeme weltweit. Diese Aktivitäten bezeugen, dass Otsuka sich auch großen Herausforderungen stellt. Dabei wird ein frischer, kreativer Stil gepflegt.

Seit 1974 ist Otsuka auch in Europa vertreten. Die Otsuka Pharmaceutical Europe Ltd. (OPEL) beschäftigt heute mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Leidenschaft und viel Energie neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in dringend benötigte Arzneimittel überführen. OPEL konzentriert sich insbesondere auf Therapien für die Bereiche psychische Gesundheit, On-kologie, kardiorenale Erkrankungen und Nephrologie sowie Medizinprodukte. Eine neue, eigen-ständige Handelssparte untersucht außerdem, wie digitale Gesundheitstechnologie Patienten, Pflegekräften und Ärzten zusätzliche Optionen bieten kann.

OPEL ist Teil der Otsuka Pharmaceutical Company, Ltd., einer Tochtergesellschaft der Otsuka Holdings Co., Ltd. mit Hauptsitz in Tokio (Japan). Die Konzerngesellschaften von Otsuka beschäf-tigen insgesamt rund 45.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielten 2016 einen Gesamtum-satz von etwa 9,9 Mrd. Euro.

Alle Geschichten von Otsuka beginnen damit, ungewöhnliche Wege zu gehen.


Anmerkung

Referenzen

  1. Grantham JJ et al. N Engl J Med. 2006;354(20):2122–2130.
  2. JINARC® Fachinformation; Stand September 2016.
  3. Torres VE et al. N Engl J Med. 2012;367:2407–2418.
  4. Casteleijn NF et al. Am J Kidney Dis. 2017;69(2):210–219.
  5. Torres VE et al. Clin J Am Soc Nephrol. 2016;11(5):803–811.
  6. Gansevoort RT et al. Nephrol Dial Transplant. 2016;31:337–348.

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Jinarc® 15 mg Tabletten, Jinarc® 30 mg Tabletten, Jinarc® 45 mg Tabletten/Jinarc® 15 mg Tabletten, Jinarc® 60 mg Tabletten/Jinarc® 30 mg Tabletten, Jinarc® 90 mg Tabletten/Jinarc® 30 mg Tabletten

Wirkstoff: Tolvaptan

Zusammensetzung: Wirkstoff: eine Tablette enthält Tolvaptan 15 mg, 30 mg, 45 mg/15 mg, 60 mg/30 mg, 90 mg/30 mg; sonstige Bestandteile: Maisstärke, Hyprolose, Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat, mikrokristalline Cellulose, Indigokarmin, Aluminiumlack.

Anwendungsgebiete: Verlangsamung der Progression von Zystenentwicklung u. Niereninsuffizienz b. autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD) b. Erwachsenen m. chron. Nierenerkrankung (CKD) (Stad. 1 - 3 zu Behandlungsbeginn m. Anzeichen für rasch fort-schreitende Erkrankung).

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gg. Tolvaptan o. sonst. Bestandteile; erhöhte Leberenzyme u./o. Anzeichen oder Symptome von Leberschäden vor Behandlung, die Kriterien für dauerhaftes Absetzen erfüllen; Anurie; Volumendepletion; Hypernatriämie; Patienten, die keinen Durst empfinden / nicht auf Durstgefühl reagieren können; Schwangerschaft; Stillzeit.

Nebenwirkungen: Sehr häufig: Polydipsie, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Diarrhoe, Mund-trockenheit, Nykturie, Pollakisurie, Polyurie, Ermüdung, Durst. Häufig: Dehydratation, Hypernatriämie, verminderter Appetit, Hyperurikämie, Hyperglykämie, Schlaflosigkeit, Palpitationen, Dyspnoe, aufgetriebener Bauch, Obstipation, Dyspepsie, gastroösophageale Refluxkrankheit, anomale Leberfunktion, Ausschlag, Pruritus, Muskelspasmen, Asthenie, erhöhte Alaninaminotransferase (ALT), erhöhte Aspartataminotransferase (AST), Gewichtsverlust. Gelegentlich: erhöhtes Bilirubin. Häufigk. nicht bekannt: Anaphylaktischer Schock, generalisierter Ausschlag.

Warnhinweise: Enthält Lactose! Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren. Regelmäßige Leberwertkontrollen erforderlich – Sicherheitsvorschriften in der Fachinformation beachten.

Pharmazeutischer Unternehmer: Otsuka Pharmaceutical Europe Ltd., Gallions, Wexham Springs, Framewood Road, Wexham, SL3 6PJ - Vereinigtes Königreich.

Örtliche Vertretung in D: Otsuka Pharma GmbH, Friedrichstraße 2-6; 60323 Frankfurt.

Stand: September 2016

Weitere Informationen siehe Fachinformation. Verschreibungspflichtig!


Quelle: Otsuka, 16.10.2017 (tB)