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Wie funktioniert die Früherkennung von chronischen Nierenerkrankungen (CKD) – und mit welchen Maßnahmen versucht die DGfN der Herausforderung der steigenden CKD-Prävalenz zu begegnen?

 

Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, Präsident der DGfN

 

München (25. Juni 2010) - Die CKD-Früherkennung ist einfach, tut nicht weh und kostet wenig. Für den Patienten ist sie sogar kostenfrei, denn der Urincheck (auf Eiweiß im Urin/Albuminurie) ist im Vorsorgepaket der Kassen enthalten (35+Check up-Untersuchungen). Jeder Hausarzt führt sie durch. Zusätzlich wird die Nierenfunktion (Entgiftungsleistung) genau bestimmt. Sie lässt sich aus einem Blutwert und verschiedenen anderen Parametern (Alter, Geschlecht, Hautfarbe) berechnen. Auch diese Laboruntersuchung wird vom Hausarzt durchgeführt bzw. in Auftrag gegeben. Stellt sich heraus, dass die Nierenfunktion eingeschränkt oder die Eiweißausscheidung erhöht ist, sind weiterführende Untersuchungen beim Nierenspezialisten (Nephrologen) notwendig. Früh erkannte Nierenerkrankungen können in der Regel gut behandelt werden. Oftmals kann eine Nierenersatztherapie lange hinausgezögert oder sogar ganz verhindert werden.

 

Die CKD-Früherkennung ist also einfach und höchst effektiv – und im Gegensatz zu vielen anderen Vorsorgeuntersuchungen unumstritten.

Dennoch nimmt sie im Gesundheitsbewusstsein der Allgemeinheit – und letztendlich auch in den gesundheitspolitischen Debatten – einen noch vollkommen unzureichenden Stellenwert ein. Während jeder Bürger beispielsweise seinen Cholesterinwert kennt, sind die „Nierenwerte“ den wenigsten Menschen ein Begriff. Auch nimmt die Prävention von Nierenerkrankungen in den Köpfen der Allgemeinmediziner und Hausärzte einen geringeren Stellenwert ein als beispielsweise die Früherkennung kardialer Erkrankungen. Die Niere wird noch immer gern „übersehen“.

 

Die DGfN verfolgt ihr Ziel, die Bedeutung von Nierenparametern bekannt zu machen, daher auf den verschiedensten Ebenen, so auf Ebene des öffentlichen Bewusstseins (Politik, Medien, Bevölkerung), der Ebene der Gesundheitslandschaft, d.h. anderer medizinische Fächer, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen, Ärztekammern, Krankhaus-Gesellschaft und -verwaltungen), aber auch innerhalb der Nephrologie selbst. Als nephrologische Fachgesellschaft sehen wir großen Handlungsbedarf. Mit folgenden Maßnahmen arbeiten wir an der Verbesserung der Situation:

 

  • Öffentlichkeitsarbeit: Die DGfN hat bereits zahlreiche Kampagnen initiiert, um das Präventionsverhalten in der Gesellschaft zu verbessern. Zum Weltnierentag, der jedes Jahr Mitte März stattfindet, werden in Kooperation mit den Landesapothekerverbänden bundesweit Informationsfaltblätter in den Apotheken verteilt. Auch die „Rote Säule“ der Deutschen Nierenstiftung ist als eine besonders kreative und intelligente Kampagne zu loben. Dennoch: Die öffentliche Hand gibt keinerlei Gelder für großangelegte Kampagnen. Um eine „Nieren-Bewusstsein“ in der Bevölkerung zu verankern, benötigen wir daher umso mehr die Unterstützung der Medien.
  • Direkte Ansprache von Risikopatienten: Die DGfN hat zusammen mit der Deutschen Nierenstiftung und einzelnen Krankenkassen begonnen, eine Veranstaltungsreihe zu entwickeln, die sich bundesweit an Patienten mit hohem Risiko für Nierenerkrankungen (Diabetiker, Hochdruckpatienten) richten soll, um ein Problembewusstsein zu schaffen, im Sinne der Prävention zu schulen und den rechtzeitigen Besuch in einer Nephrologischen Einrichtung anzuregen.
  • Information aller Hausärzte: Durch eine verstärkte Fachkommunikation und Fortbildungsveranstaltungen sollen Allgemeinmediziner für die Notwendigkeit der CKD-Prävention sensibilisiert werden. Die DGfN hat eine bundesweite Fortbildungsreihe initiiert und so werden in den nächsten zwei Jahren über 70 Fortbildungsveranstaltungen für Allgemeinmediziner und Internisten durchgeführt.
  • Etablierung eines neuen Registers: Seit 2007 gibt es in Deutschland kein Nierenregister mehr. Das ist ein großes Manko, da wichtige Information (Entwicklung der Prävalenz, Inzidenz, Ursachen, Verteilung der Nierenersatzverfahren) nicht erhoben werden. Die DGfN arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, ein neues Register zu etablieren.
  • Unterstützung von innovativen Methoden zur Prävention, Diagnose und Therapie. Besonders hervorzuheben ist dabei das Potenzial der Systembiologie, insbesondere für die Diagnose einer CKD in den Frühstadien. Syskid, ein großes europäisches Forschungsprojekt soll dazu neue Erkenntnisse liefern.

 


 

Quelle: XLVII ERA-EDTA Congress – DGfN Congress, München, 25.06.2010 (albersconcept) (tB).