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Qualität zahlt sich aus

Dialysepatienten in Deutschland haben eine gute Prognose

 

Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, Präsident der DGfN

 

Wiesbaden (8. April 2013) - Seit 2007 gibt es die „Qualitätssicherungsrichtlinie Dialyse“ (QSD-RL), im Rahmen derer jede einzelne Dialysebehandlung evaluiert wird. Wie in keiner anderen medizinischen Disziplin unterliegt die Arbeit der Nephrologen somit einer ständigen Qualitäts- und Erfolgskontrolle, unsere ärztliche Tätigkeit wird also genau überwacht, bei unzureichender Behandlungsqualität kommt es zu Vergütungssanktionen. Dieses Qualitätssicherungssystem hat sich bewährt – unsere Dialysepatienten haben eine hohe Lebensqualität und eine bessere Prognose als beispielsweise ihre Schicksalsgenossen den USA oder Großbritannien [1].

 

Denn auffällig ist, dass die Mortalität in den Länder wie den USA besonders hoch ist, in denen die Behandlungsqualität zugunsten ökonomischer Aspekte in den Hintergrund getreten ist (ablesbar an der geringeren Dialysedauer, einem höheren Anteil an Patienten mit Kathetern statt natürlichem Gefäßzugang, etc.). Deshalb hält die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) die beschlossenen Kürzungen der Wochenpauschale aus rein medizinischer Sicht für hoch problematisch: Mit den neuen Beschlüssen klafft die Schere zwischen Anspruch (beste Versorgung) und finanzieller  Kompensation weit auseinander. Über kurz oder lang wird es zu Einsparmaßnahmen kommen (müssen), die dann Qualitätseinbußen nach sich ziehen und so das Outcome der Patienten negativ beeinträchtigen werden. Das wiederum wird die Folgekosten erheblich steigern, denn schlechter versorgte Dialysepatienten erleiden deutlich häufiger gesundheitliche Komplikationen wie kardiovaskuläre Ereignisse, die einer teuren Notfall- bzw. intensivmedizinischen Versorgung bedürfen. Kosten, die auf nephrologischer Seite eingespart werden, verlagern sich dann lediglich im Gesamtsystem, weshalb der Sinn dieser Kürzungen auch aus ökonomischer Perspektive höchst fragwürdig erscheint.

 

Wir glauben, dass mit den vorliegenden Beschlüssen eine Versorgungsstruktur mit flächendeckendem Angebot und hoher medizinischer Qualität willkürlich und kurzsichtig gefährdet wird. Aus medizinischer Sicht mit Blick auf das Patientenwohl lehnen wir diese massiven Kürzungen ab und möchten GKV und KBV auffordern, sich diesen medizinischen Argumenten zu stellen und ihrer Verantwortung gegenüber den ca. 80.000 Dialysepatienten in Deutschland gerecht zu werden.

 

 

Literatur

 

[1] Rayner HC, Pisoni RL, Bommer J et al. Mortality and hospitalization in haemodialysis patients in five European countries: results from the Dialysis Outcomes and Practice Patterns Study (DOPPS). NDT 2004; 19: 108–120.

 


 

Quelle: Statement von Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst (Deutsche Gesellschaft für Nephrologie - DGfN)  anlässlich der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) zum Thema "Discountermedizin statt Qualität" am 08.04.2013 in Wiesbaden(tB).