Neurologie

Parkinson: ja oder nein?

Meilenstein in der Diagnose zweier seltener Erkrankungen

 

Berlin (12. Februar 2009) - Erstmals liegen für zwei neurodegenerativen Erkrankungen eindeutige diagnostische Kriterien vor: für die Multisystematrophie (MSA) und die progressive supranukleäre Blickparese (PSP), zwei seltene Varianten des Parkinson-Syndroms. Eine internationale Forschergruppe veröffentlichte jetzt die Ergebnisse der NNIPPS-Studie im Fachjournal „Brain“ [1].

„Mit der NNIPPS-Studie verfügen wir über den bislang größten Datensatz zu diesen beiden häufig vergessenen Krankheiten“, erklärt der deutsche Studienleiter Prof. Albert Christian Ludolph, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Ulm. Jeweils etwa 10.000 Patienten leiden in Deutschland unter PSP oder MSA.

PSP - Seltene Erkrankung im Schatten von Parkinson

 

PSP - Seltene Erkrankung im Schatten von ParkinsonMünchen (4. Februar 2009) - Die Progressive supranuclear palsy(PSP) zu Deutsch "Progressive supranukleäre Blickparese" ist eine eher seltene Erkrankung, an der laut Statistik in Deutschland etwa 12.000 Menschen erkrankt sind. Vielleicht liegt die Zahl noch etwas höher, da vor allem in der Frühdiagnostik das klinische Erscheinungsbild der Parkinsonschen Erkrankung ähnelt und die medikamentöse Behandlung zunächst positive Wirkung zeigt. Anfänglich klagen die Patienten häufig über Schwindel, Stimmungsschwankungen, Gleichgewichtsstörungen und plötzliche Stürze, am häufigsten nach hinten. Auch Schwierigkeiten beim Lesen, dass man z.B. die Zeile mit den Augen nicht festhalten kann, treten als frühes Symptom auf. Später kommen Schluckbeschwerden, Sprechstörungen und motorische Symptome wie Verspannungen der Muskulatur hinzu.

„Das Hungergefühl spüren ist eine gute Idee“

Berlin (3. Februar 2009) - Nehmen ältere Menschen weniger Kalorien zu sich, verbessert sich ihre Gedächtnisleistung. So lautet das Ergebnis einer aktuellen, international beachteten Studie aus der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Dr. Erich Bernd Ringelstein vom Universitätsklinikum Münster. Die normal- bis übergewichtigen Probanden mit einem mittleren Alter von 60,5 Jahren hatten drei Monate die individuelle Kalorienaufnahme auf bis zu zwei Drittel reduziert. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) fragte bei dem Direktor des Neurologischen Klinikums nach.

Jill Bolte Taylor - Mit einem Schlag

 

Wie eine Hirnforscherin durch ihren Schlaganfall neue Dimensionen des Bewusstseins entdeckt

 

Taylor - Mit einem SchlagJill Taylor ist 37, als eine Ader in ihrem Gehirn platzt und sie aufgrund dieser schweren Blutung einen Schlaganfall erleidet, der ihre linke, »rationale« Gehirnhälfte nahezu vollständig lahmlegt.
Der Tag, an dem Zeit und Raum verschwanden ist die faszinierende Geschichte einer Frau, die ihren eigenen Schlaganfall aus der Innenperspektive beschreibt, nachdem sie sich jahrelang beruflich mit diesem Forschungsfeld auseinandergesetzt hat.

Die renommierte amerikanische Hirnforscherin verliert jegliches Gefühl für Zeit und Raum, erlebt ihren Körper nicht mehr fest umgrenzt, sondern als fließend und mit seiner Umwelt verschmelzend. Sie lebt für einige Monate nur noch im Augenblick, kennt keine Vergangenheit oder Zukunft: Jill Taylor beschreibt dieses Erleben als vergleichbar mit dem, was die Buddhisten »Nirvana« nennen. Sie entdeckt die spirituelle Dimension der rechten, »emotionalen« Gehirnhälfte.

Der transzendente Blick von innen auf das bisher nur von außen sichtbare Feld ihrer Forschungen rund um das menschliche Gehirn ist in dieser Form einmalig.

Gehirn: Ursache einer Krankheit geklärt

 

Würzburg (30. Januar 2009) - Eine Entzündung im Gehirn, epileptische Anfälle, schlimme Spätfolgen: Die Rasmussen-Enzephalitis ist eine schwere Erkrankung und trifft vor allem Kinder. Über ihre Entstehung gab es bisher nur Vermutungen. Für mehr Klarheit sorgen jetzt Forscher aus Würzburg, Bonn und Martinsried. Ihr Bericht wurde am 29. Januar online im Fachblatt Brain veröffentlicht. Glücklicherweise ist die Rasmussen-Enzephalitis relativ selten. In Deutschland werden pro Jahr weniger als 50 Fälle diagnostiziert; die Patienten sind in der Regel jünger als zehn Jahre.

"The Lancet" kürt europäische Schlaganfall-Studie zur weltweit wichtigsten medizinischen Veröffentlichung des Jahres 2008

 

Wissenschaftliche Arbeit im "New England Journal of Medicine" unter Federführung des Heidelberger Neurologen Professor Dr. Werner Hacke eröffnet neue Chancen in der Akut-Therapie

 

Heidelberg (26. Januar 2009) - Die Herausgeber der führenden internationalen medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" haben eine europäische Studie unter Federführung von Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, zur wichtigsten medizinischen Veröffentlichung des Jahres 2008 gewählt. Dies ist in der aktuellen Ausgabe von "The Lancet" bekannt gegeben worden.

Das Behandlungs-Fenster wird weiter

 

Bis zu 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall können Patienten von einer Auflösung des Blutgerinnsels im Gehirn profitieren

 

Heidelberg (25. Januar 2009) - Patienten können noch bis zu 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall davon profitieren, wenn ihnen ein Medikament verabreicht wird, das Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. Bislang waren drei Stunden als sinnvolle Grenze für die Gabe von „Thrombolytika“ angesehen worden. Das Ergebnis der „European Cooperative Acute Stroke Study“ (ECASS) ist jetzt im „New England Journal of Medicine” veröffentlicht worden.

26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin

ECASS 3-Studie: Thrombolyse mit Alteplase auch nach drei Stunden noch wirksam und sicher

 

Nach einem ischämischen Schlaganfall gibt es im Gehirn zwei geschädigte Hirnareale, den Schlaganfall-Kern und die Penumbra. Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt auf die Rettung der Penumbra ab. Je früher die Behandlung erfolgt, desto mehr Hirngebewebe kann gerettet werden. Graphik: Boehringer Ingelheim Leipzig (23. Januar 2009) - In der Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls zeigte sich die Thrombolyse mit Alteplase (Actilyse®) auch nach Ablauf des zugelassenen Drei-Stunden-Zeitfensters als wirksam und sicher. Die Studie ECASS 3 (European Cooperative Acute Stroke Study)(1), die nun erstmalig in Deutschland vorgestellt wurde, konnte zeigen, dass Patienten bis zu 4,5 Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome eines Schlaganfalls von Alteplase profitieren können.

„Dieses Ergebnis wird mehr Ärzte in Deutschland dazu ermutigen, Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall zu lysieren“, betonte Prof. Dr. Werner Hacke, Neurologische Universitätsklinik Heidelberg und internationaler Studienleiter von ECASS 3. „Das Therapieprinzip wurde in vollem Umfang bestätigt und wird das Vertrauen in die Lyse stärken“, bekräftigte auch Prof. Dr. Martin Grond vom Kreiskrankenhaus Siegen, ein führender Experte für die klinische Umsetzung der Thrombolyse. „Die Ergebnisse stimmen mit unseren Beobachtungen aus dem klinischen Alltag überein.“

CDP-Cholin - verbessert therapeutischen Outcome nach Schlaganfall

 

Leipzig (22. Januar 2009) - Oberstes Ziel bei der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls ist es, die Infarktgröße – und damit den späteren Behinderungsgrad des Patienten – so gering wie möglich zu halten. Die neuroprotektive Substanz CDP-Cholin (Cytidin-5´-Diphosphocholin) verkleinert das Infarktvolumen und verbessert das neurologische Defizit nach akutem ischämischen Insult im Vergleich zu Plazebo signifikant. Unter der Leitung von Prof. Martin Grond, Siegen und Prof. Joachim Röther, Minden diskutierten Experten über das Potential von CDP-Cholin in der Schlaganfalltherapie im Rahmen der 26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin (ANIM).

Ergänzend zur evidenzbasierten Medizin:

Unkonventionelle Therapieansätze bei Schlaganfall

Von Prof. Dr. Martin Grond, Kreiskrankenhaus Siegen

Leipzig (22. Januar 2009) - Stroke Unit Behandlung, Thrombolyse, frühe Sekundärprävention mit ASS und Hemikraniektomie sind nachgewiesen effektive Therapieverfahren beim akuten Schlaganfall. Daneben gibt es einige therapeutische Maßnahmen, die pathophysiologisch plausibel erscheinen für die es jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis gibt, jedoch oft auch keinen Nachweis einer Unwirksamkeit. Hierzu gehören z.B. Therapieverfahren zur Verbesserung der Hämodynamik. Unter der Vorstellung, die kritischen Perfusionverhältnisse in der Pänumbra zu optimieren kommen sehr unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz. Studien zur hypervolämischen Hämodilution waren nicht erfolgreich, Studien zur Verbesserung der Mikrozirkulation mit Albumin laufen aktuell, ebenso eine Studie zur Defibrinogenisierung mit Ancrod. Der Versuch einer arteriovenösen Retroperfusion ist historisch, der Ansatz einer Rheopherese mit nachweisbaren Effekten auf hämorheologische Parameter wurde nicht weiter verfolgt.

Multimodale Wirkungsweise von CDP-Cholin beim Schlaganfall:

Klinische Daten

Von Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Universitätsklinikum Münster

Leipzig (22. Januar 2009) - Das Nukleotid Cytidine 5’- Diphosphocholine (CDP Choline), ein essentieller Baustein der Membranbiosynthese, entfaltet nach einem Schlaganfall anti-exzitatorische, anti-oxidative, membranstabilisierende und regenerative Wirkungen. In verschiedenen experimentellen Schlaganfallstudien konnte gezeigt werden, dass eine Behandlung mit CDP-Cholin zuverlässig das neurologische Defizit verbessert und das Infarktvolumen verkleinert.

Neuroprotektion beim Schlaganfall: Ein optimistischer Blick in die Zukunft

 

Von Prof. Dr. Joachim Röther, Johannes Wesling Klinikum Minden

 

Leipzig (22. Januar 2009) - Beim akuten ischämischen Schlaganfall löst die Ischämie des Hirngewebes eine komplexe Kaskade aus ischämischer Zelldepolarisation, toxischem Calziumeinstrom mit Exzitotoxizität, Apoptose, Entzündungsprozessen als auch endogener Neuroprotektion aus. Im Verlauf von Wochen kommt es partiell auch zu einer gewissen Regeneration des ischämischen Gewebeschadens. Bei der Akutbehandlung des Schlaganfalls liegen neben dem Ziel einer möglichst raschen Reperfusion große Hoffnungen in der Neuroprotektion ischämischen Gewebes.

Tiefe Hirnstimulation bei der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit wirksamer als medikamentöse Behandlung

Berlin (19. Januar 2009) - Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt, dass die tiefe Hirnstimulation die Beweglichkeit und Lebensqualität der fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung besser erhält als die medikamentöse Behandlung. Dies bestätigt die Ergebnisse einer große deutsche Studie aus dem Jahre 2006. Nebenwirkungen sind bei der Behandlung häufiger als in der medikamentös behandelten Gruppe. Es kommt aber durch die Operation nicht zu psychiatrischen Nebenwirkungen oder zu einer Gedächtnisverschlechterung. Die Therapie kann damit als wissenschaftlich erprobt und empfehlenswert für Patienten gelten, die ausgeprägte Schwankungen der Beweglichkeit aufweisen und nicht mehr zufriedenstellend medikamentös behandelbar sind.

Therapie-Anpassung auf Knopfdruck

Neueste Generation der Tiefen Hirnstimulation ermöglicht Patienten mit Parkinson, Tremor oder Dystonie umfassendere Kontrolle neurologischer Störungen

 

Meerbusch (13. Januar 2009) – Erstmals in Europa können Patienten, die an Parkinson, Essentiellem Tremor oder Dystonie erkrankt sind, eine umfassendere Kontrolle über die beeinträchtigenden motorischen Symptome ihrer Erkrankung erlangen, indem sie die Therapie auf Knopfdruck an ihre jeweiligen Bedürfnisse anpassen. Die neue Gerätegeneration der Tiefen Hirnstimulation (THS) – Activa® RC und Activa® PC – basiert auf fortschrittlichster Technologie und verfügt über neuartige Programmiermöglichkeiten, die den Patienten mehr Möglichkeiten gibt.

Glutamat verbessert das Gedächtnis: Neurowissenschaftler rütteln an einem alten Dogma

Neurodegenration kann kognitive Funktionen verbessern

 

Bochum (19. Dezember 2008) - Der Nervenzellen-Botenstoff Glutamat spielt eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Gedächtnisfunktionen, führt in zu hohen Konzentrationen aber auch zum Untergang von Nervenzellen. Beim Morbus Huntington, einer neurologischen Erbkrankheit, die mit motorischen und kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht, kommt es wahrscheinlich dadurch zum Zelltod. Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität und des Leibniz Research Centers in Dortmund konnten nun zeigen, dass sich bei Patienten aufgrund der erhöhten Ausschüttung von Glutamat die kognitiven Leistungen teilweise deutlich verbessern - ein scharfer Gegensatz zur allgemeinen Meinung über die Veränderung kognitiver Funktionen bei neurodegenerativen Erkrankungen. Die Forscher berichten im Journal of Neuroscience.

Ginkgo gegen Demenz:

Zur Vorbeugung nutzlos, in der Therapie ist die Wirkung noch fraglich

 

Berlin (16. Dezember 2008) - Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) rät nicht zur vorbeugenden Einnahme von Ginkgo-Präparaten gegen Demenzerkrankungen. Auch für die Behandlung der Alzheimer-Demenz ist für diese Substanz keine generelle Empfehlung gegeben. Zwei neue Studien, die den Nutzen des auch in Deutschland millionenfach verkauften Ginkgo-Extrakts gegen Gedächtnisverlust untersuchten, hatten in der Öffentlichkeit für Verwirrung gesorgt: Einerseits bremse die vorbeugende Einnahme des Pflanzenextrakts nicht den Verfall des Gehirns. Andererseits können Patienten, die bereits an Alzheimer-Demenz erkrankt sind, möglicherweise von einer hohen Dosierung (240 mg) des Ginkgo-Extrakts profitieren.