Neurologie

Neue Studie zeigt erneut: Mehr Schlaganfälle mit intrakraniellen Stents

 

  • VISSIT-Studie bestätigt Nutzenbewertung des IQWiG
  • Fallserien zeigen keine Unterschiede zwischen akuter und nicht akuter Behandlung

 

Köln (18. Juni 2015) - Das Risiko für erneute Schlaganfälle ist höher, wenn Patientinnen und Patienten nach dem Aufweiten ihrer Blutgefäße im Gehirn nicht nur gerinnungshemmende Medikamente bekommen, sondern zusätzlich Gefäßstützen (Stents) eingesetzt werden. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der VISSIT-Studie bestätigen dieses Ergebnis eines Rapid Reports des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom Oktober 2014. Aus der aktuellen Studienlage ergibt sich also weiterhin kein Anhaltspunkt für einen Nutzen der Behandlung mit intrakraniellen Stents (kurz PTAS genannt). Zu diesem Ergebnis kommt das am 18. Juni 2015 veröffentlichte Arbeitspapier des IQWiG.

Abb.: Mittels Elektrokortikographie wird Gehirnaktivität aufgezeichnet (blaue Kreise). Aus den Aktivitätsmustern (blau/gelb) lassen sich die gesprochenen Wörter erkennen. Bild: CSL/KITBrain-to-Text

Spracherkennung aus Gehirnströmen

 

Karlsruhe (15. Juni 2015) - Sprache ist eine der Aufgaben der menschlichen Großhirnrinde (Kortex). Sprachprozesse drücken sich in Hirnströmen aus, die mittels Elektroden direkt am Kortex aufgezeichnet werden können. Nun ist es erstmals gelungen, aus diesen Strömen kontinuierlich gesprochene Laute, Wörter und ganze Sätze zu rekonstruieren und per Computer als Text wiederzugeben. Ihr Verfahren „Brain-to-Text“ stellen Forscher des KIT und des amerikanischen Wadsworth Centers nun in der Fachzeitschrift Frontiers in Neuroscience vor (doi: 10.3389/fnins.2015.00217).

Schlaganfall

Wissenschaftlicher Durchbruch für die "Thrombektomie"

 

Düsseldorf (14. April 2015) - Verstopft ein Blutgerinnsel – ein sog. Thrombus – eine Hirnarterie, kommt es zu einem akuten Schlaganfall. Ohne Blutzufuhr droht das nicht mehr durchblutete Hirngewebe innerhalb von Minuten abzusterben mit der Folge schwerer und unter Umständen bleibender Behinderung des Patienten. Seit ca. vier Jahren setzen die Neuroradiologen und Neurologen am Universitätsklinikum Düsseldorf ein innovatives Verfahren ein, bei dem ein Thrombus mechanisch, mit Hilfe eines speziell ausgerüsteten Katheters, aus dem betroffenen Hirngefäß entfernt wird, um die Blutzufuhr wiederherzustellen. Mediziner nennen das Verfahren „Thrombektomie“.

Spektakuläre Studien zur endovaskulären Therapie

Komplexe Schlaganfalltherapie mit großem Nutzen

 

Berlin (16. Februar 2015)  – Rund 10.000 Menschen mit einem schweren Schlaganfall könnten jährlich in Deutschland vor dauerhaften Behinderungen und Tod bewahrt werden, wenn Neuroradiologen das Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie blockiert, frühzeitig mit einem Spezialkatheter entfernen können. Dies zeigen die Ergebnisse von gleich drei neuen Studien, die vergangene Woche auf der International Stroke Conference in Nashville, USA, vorgestellt wurden. Die Studien sind eine wichtige Bestätigung für die Neurozentren in Deutschland, die diese als noch experimentell eingestufte Therapie bereits durchführen.

Abb.: Das Bild zeigt eine Uhr, die von einem Patienten gemalt wurde, der an einem visuell-räumlichen Neglect leidet. Foto: Neuropsychologische HochschulambulanzSchlaganfall

Neue Therapie hilft, linke Körperseite besser wahrzunehmen

 

Saarbrücken (8. Januar 2015) - Über 250.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Schlaganfall. Oft kämpfen die Patienten noch lange mit den Folgen. Bei einigen von ihnen kommt es etwa zum sogenannten visuell-räumlichen Neglect. Dabei vernachlässigen sie alles, was sich in ihrer linken Sicht- und Körperseite abspielt: Sie stoßen mit der linken Seite gegen Türrahmen, pflegen nur die rechte Gesichtshälfte oder schauen beim Überqueren der Straße nicht nach links. Klinische Neuropsychologen von der Saar-Uni haben nun ein Therapieverfahren erprobt, das diesen Patienten hilft, die Körperseite wieder besser wahrzunehmen. Die Methode stimuliert das Gleichgewichtssystem mit leichten elektrischen Strömen.

Seltene Erkrankungen

Mehr Forschung für die Waisen der Neurologie

 

München (18. September 2014) - Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall – fast jeder hat von diesen Krankheiten schon gehört. Doch woran erkennt man eine spinozerebelläre Ataxie? Wie hilft man Patienten mit paroxysmaler kinesiogener Dyskinesie oder einer Musiker-Dystonie? Geschätzte 7.000 bis 8.000 solcher Seltenen Erkrankungen sind bekannt, allein 1.000 davon fallen in den Bereich der Neurologie. Allen ist gemein, dass sie weniger als fünf von 10.000 Menschen betreffen, in einigen Fällen sogar nur einen von einer Million. Patienten durchleben oft eine Ärzte-Odyssee.

Update Schlaganfall

Analyse der Lyse und Schlaganfall im Schlaf

 

München (17. September 2014) – Schlaganfall-Patienten erhalten in Deutschland eine Therapie auf höchstem internationalem Niveau. Eine Lysetherapie in Stroke Units innerhalb von 90 Minuten führt zu den besten Ergebnissen – das zeigt eine aktuelle Auswertung aus deutschen Stroke Units, die vor Kurzem im British Medical Journal erschienen ist [1]. Je kürzer die Zeitspanne von den ersten Schlaganfallsymptomen bis zum Behandlungsbeginn (Lyse), desto günstiger sind die Behandlungsergebnisse für den Patienten.

Bildgebendes Verfahren verbessert Tremorchirurgie:

Punktgenau gegen das Zittern

 

Freiburg (12. September 2014) - Als Patient mitzuerleben, wie Ärzte ihn am offenen Schädel operieren, ist keine schöne Vorstellung. Für viele Menschen, die an Tremorerkrankungen leiden, ist die Tiefen Hirnstimulation bei vollem Bewusstsein momentan jedoch die einzige Operationsmethode, wenn Medikamenten und jahrelanges Leiden nicht mehr erträglich sind. Einem Freiburger Forscherteam um Prof. Dr. Volker Arnd Coenen, Ärztlicher Leiter der Abteilung für Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, ist es nun gelungen, mithilfe eines bildgebenden Verfahrens das per Tiefer Hirnstimulation zu aktivierende Nervenfaserbündel im Gehirn genauer aufzuspüren. Langfristig soll dadurch die Tiefen Hirnstimulation in Vollnarkose durchgeführt werden können. Zusätzlich wird die Blutungsgefahr reduziert. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Freiburger Forscher in der Fachzeitschrift Neurosurgery publiziert.

Abb.: Das Bremer Gründerteam Erik Düselder, Hagen Schwiebert und Edyta Kaczynska. Photo: TZI / Uni BremenVerlust der Sprechfähigkeit nach Schlaganfall

Software verbessert Sprechen lernen nach Schlaganfall

 

Bremen (18. Juli 2014) - Schlaganfälle haben häufig den Verlust der Sprechfähigkeit zur Folge. Die Behandlung dieser Aphasien ist ein langwieriger Prozess – in der Regel gibt es eine ambulante Therapie bei einem Logopäden mit gerade einmal zwei Sitzungen pro Woche. Hier setzt ein Spin-off aus dem Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen mit dem Informatiker Erik Düselder, dem Kaufmann Hagen Schwiebert und der Logopädin Edyta Kaczynska an.

 

Abb.: Kursteilnehmer und Kursleiter nach der Übergabe der Zertifikate gestern in Berlin.Erfolgreiche Zusammenarbeit DBfK – DGN

Erster Kurs „Pflegeexperten Neurologie“ abgeschlossen

 

Berlin (2. Juli 2014) - Gestern erhielten in Berlin 13 frischgebackene Pflegeexpertinnen und –experten für das Arbeitsfeld Neurologie ihre Abschlusszertifikate überreicht. „Der DBfK beglückwünscht die Kolleginnen und Kollegen sehr herzlich zum neuen Zertifikat. Qualifikation wird vor dem Hintergrund sich ständig verändernder Anforderungen immer wichtiger. Dieser erste Durchgang einer neuen und für den Neurologie-Bereich  breit aufgestellten, interdisziplinären Fortbildung für Gesundheitsberufe ist etwas Besonderes: Die Absolventen werden in einem sich ständig erweiternden Arbeitsfeld dringend gebraucht und sollen Multiplikatoren von Fachwissen und Impulsgeber ihrer Teams sein.“, erklärt DBfK-Referentin Johanna Knüppel. 

 

Neurowissenschaftler und Informatiker erforschen neue Behandlungsmethoden

Verbesserung motorischer Fähigkeiten nach einem Schlaganfall

 

Heidelberg (13. Juni 2014) - Ein großer Schlaganfall hat gravierende Auswirkungen auf unterschiedliche Gehirnfunktionen, wobei selbst unter intensiver Rehabilitation nur eine unzulängliche Verbesserung der massiv eingeschränkten motorischen Fähigkeiten gelingt. Eine kombinierte Therapie aus medikamentöser Stimulierung des Nervenfaserwachstums und motorischem Training haben Wissenschaftler aus der Schweiz gemeinsam mit Forschern des Heidelberg Collaboratory for Image Processing (HCI) der Universität Heidelberg an Ratten untersucht. Eine detaillierte computergestützte Analyse der Bewegungsmuster und der anatomischen Daten hat dabei gezeigt, dass nur ein richtiges Timing des rehabilitativen Trainings nach der Medikamentengabe zu einer beinahe vollständigen Erholung der Tiere führt, wie Prof. Dr. Björn Ommer vom HCI betont. Die Forschungsergebnisse wurden in „Science“ veröffentlicht.

Abb.: Kristallstruktur und Funktion des P2Y12-Rezeptors: Die Rezeptorstruktur ist als gelbes Band dargestellt. (c) Grafik: Katya Kadyshevskaya/Stevens Laboratory/The Scripps Research InstituteReversible Blockade

Hoffnung auf bessere Medikamente nach Schlaganfall

 

Bonn (30. April 2014) - Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn hat zwei „Schnappschüsse“ eines Rezeptors aufgenommen, der für die Blutgerinnung von zentraler Bedeutung ist. Die Wissenschaftler hoffen nun, mit diesen Ergebnissen neuartige Medikamente entwickeln zu können. Dazu zählen maßgeschneiderte blutverdünnende Substanzen für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten, deren Wirkung sich viel besser dosieren und auch wieder aufheben lässt. Die Forscher stellen ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature“ vor.

 

Orale Antikoagulation 2014: Sind wir am Ziel angekommen?

 

Mannheim (26. April 2014) – Die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAC) haben viele Aspekte der oralen Antikoagulation optimiert. DOAC sind wirksam, gut verträglich, einfach zu dosieren, Interaktionen mit häufig verwendeten Arzneimitteln sind selten, und es ist kein Gerinnungs-Monitoring erforderlich. Hat die orale Antikoagulation damit ihr Ziel erreicht? Oder besteht weiterhin Optimierungsbedarf? Dieses Thema diskutierten Experten auf einem Symposium von Daiichi Sankyo Deutschland unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Christian Hamm, Gießen, und Prof. Dr. med. Johannes Waltenberger, Münster, das im Rahmen der 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am 26. April 2014 in Mannheim stattfand.

Schlaganfall-Risiko

Fünf Tassen Kaffee pro Tag sind kein Problem

 

Berlin (24. März 2014) - Die Angst, dass Kaffeegenuss das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen könnte, scheint unbegründet. Im Gegenteil: Forscher haben sogar festgestellt, dass Menschen, die nicht mehr als fünf Tassen Kaffee pro Tag trinken, seltener einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erleiden als diejenigen, die gar keinen Kaffee trinken. „Nach jahrzehntelanger Diskussion und Verunsicherung ist dies sicher eine gute Nachricht für unsere Patienten“, sagt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

 

Abb.: Prof. Dr. Lars Timmermann (links) und Dr. Michael Barbe (rechts) diskutieren die Lage der Elektrode und die beiden aktiven Ladungswolken im Zielareal. Photo: UniKlinik KölnNeue Studie zu Essentiellem Tremor

Moderner „Hirnschrittmacher“ vermeidet Sprachstörungen

 

Köln (18. Februar 2014) - Das Familiäre Zittern – medizinisch Essentieller Tremor genannt – ist die häufigste neurologische Bewegungsstörung. Nach Angaben der International Essential Tremor Foundation (IETF) ist etwa ein Fünftel der Menschen über 65 Jahre davon betroffen. Der Essentielle Tremor ist gekennzeichnet durch ein Zittern der Arme und Hände, oft aber auch des Kopfes oder der Beine. Behandelt werden kann er mit der Tiefen Hirnstimulation – wobei dabei bisher oft Sprachstörungen auftraten. Neurologen der Uniklinik Köln haben nun einen Weg gefunden, dies zu vermeiden. Das Ergebnis einer neuen Studie erscheint heute in der Fachzeitung Neurology.

 

„Hot Spots“ als Schlüssel für die Erholung der Sehfunktion bei Schlaganfallpatienten

 

Magdeburg (23. Januar 2014) - Wissenschaftler wissen, dass Patienten mit Beeinträchtigungen ihres Sehvermögens durch Glaukom, Schädigung des Sehnervs oder durch einen Schlaganfall mittels einer visuellen Restitutionstherapie (Vision Restoration Therapy, VRT) visuelle Funktionen teilweise wiedererlangen. Jedoch ist bisher nicht bekannt, welche Faktoren den Grad der visuellen Erholung bestimmen.