Home Neurologie CDP-Cholin - verbessert therapeutischen Outcome nach Schlaganfall
19 | 10 | 2017
PDF Drucken

CDP-Cholin - verbessert therapeutischen Outcome nach Schlaganfall

 

Leipzig (22. Januar 2009) - Oberstes Ziel bei der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls ist es, die Infarktgröße – und damit den späteren Behinderungsgrad des Patienten – so gering wie möglich zu halten. Die neuroprotektive Substanz CDP-Cholin (Cytidin-5´-Diphosphocholin) verkleinert das Infarktvolumen und verbessert das neurologische Defizit nach akutem ischämischen Insult im Vergleich zu Plazebo signifikant. Unter der Leitung von Prof. Martin Grond, Siegen und Prof. Joachim Röther, Minden diskutierten Experten über das Potential von CDP-Cholin in der Schlaganfalltherapie im Rahmen der 26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin (ANIM).

 

Nach einem Hirninfarkt führen zahlreiche Faktoren wie Kalziumeinstrom, oxidativer Stress, Entzündung und Schädigung der Bluthirnschranke zum Zelluntergang, der nur schwer aufzuhalten ist. „Die komplexe ischämische Schädigungskaskade kann jedoch durch CDP-Cholin positiv beeinflusst werden“, erklärte Prof. Joachim Röther, Minden. Es ist bisher die einzige Substanz, für die klinische Studien eine neuroprotektive Wirkung nahelegen.

 

Multimodale Neuroprotektion

Die körpereigene Substanz CDP-Cholin fördert die Biosynthese von Phosphatidylcholin, dem wichtigsten Baustein von Zellmembranen. Exogen appliziertes CDP-Cholin passiert die Bluthirnschranke und reichert sich in ischämischen Arealen an. „Dort entfaltet es neuroprotektive und regenerative Effekte, die auf unterschiedliche Wirkmechanismen antiexzitatorischer, antioxidativer, membranstabilisierender und regenerativer Art zurückgeführt werden können“, erläuterte Prof. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Münster. „CDP-Cholin leistet einen wichtigen Beitrag für den Wiederaubau und Erhalt der Zellintegrität. Zugleich wirkt es als Radikalfänger, vermindert die Glutamattoxizität, steigert den zerebralen Metabolismus und stimuliert die cholinerge Transmission.“ Darüber hinaus vermindert CDP-Cholin die ischämiebedingte Apoptose durch Hemmung intrazellulärer Signalwege und fördert das neuronale Überleben. Mit seinem ausgezeichneten Sicherheitsprofil ist CDP-Cholin in Deutschland als ergänzend bilanzierte Diät zugelassen und kann bei einer Bioverfügbarkeit von nahezu 100 % oral verabreicht werden.

 

Reduktion des klinisch-neurologischen Defizits

Zahlreiche präklinische Studien, die den strengen Anforderungen der STAIR- (Stroke Therapy Academic Industry Roundtable) Kriterien entsprechen, konnten u.a. eine dosisabhängige, signifikante Reduktion des Infarktvolumens sowie eine höhere Zahl intakter Neurone, verbunden mit besserer funktioneller Leistungsfähigkeit nachweisen.1 Auch in klinischen Studien zeigte sich eine deutliche Reduktion des Infarktvolumens, die mit einem verbesserten neurologischen Outcome korrelierte.2

 

Der klinische Nutzen von CDP-Cholin wurde bisher an über 11.000 Patienten untersucht. In einer formalen Metaanalyse von sieben placebo-kontrollierten Studien zum ischämischen Schlaganfall, die die gleichen strikten Ein- und Ausschlusskriterien und die gleichen validierten Outcome-Parameter (NIHSS, modifizierte Rankin-Skala, Barthel-Index) aufwiesen, zeigte sich ein deutlicher Therapieeffekt: Die Wahrscheinlichkeit für die Vermeidung von Mortalität bzw. Behinderung im Langzeit-Follow-up fiel gegenüber Plazebo (n = 844) signifikant zum Vorteil der CDP-Cholin-Gruppen (n = 1.119) aus (Odds Ratio: 0,64, p<0,00001).3

 

Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse einer gepoolten Metaanalyse von vier klinischen prospektiven randomisierten placebo-kontrollierten Doppelblindstudien, in der die Daten von insgesamt 1.372 Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall ausgewertet wurden4. Alle Teilnehmer wiesen einen NIHSS-Ausgangswert ≥ 8 und einen mRS-Wert ≤ 1 auf und wurden innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn randomisiert und mit 500, 1000 oder 2000 mg oralem CDP-Cholin oder Plazebo behandelt. Eine weitgehend vollständige Wiederherstellung zeigten nach drei Monaten 25,2 % der Patienten unter CDP-Cholin vs. 20,2 % unter Plazebo. Definiert wurde dieses Ergebnis als NIHSS-Wert ≤ 1, Barthel-Index ≥ 95 plus mRS-Wert ≤ 1. Der größte Effekt ergab sich für die mit 2.000 mg CDP-Cholin behandelten Patienten: von ihnen erreichten 27,7% den praktisch behinderungsfreien Zustand, verglichen mit 21,9 % der Plazebo-Patienten (Odds Ratio: 1,38; p= 0,0043).

 

Die Wirksamkeit von CDP-Cholin wird auch in der noch laufenden ICTUS-Studie (International Citicoline Trial on acute Stroke) untersucht. Hier sind 40 Prüfzentren mit einem hohen Anteil an schweren ischämischen Schlaganfällen involviert.

 

Für einen offenen Blick „über den Tellerrand“ hinweg auf unkonventionelle Ansätze in der Schlaganfalltherapie plädierte abschließend Prof. Martin Grond, Siegen. Grond erinnerte daran, dass viele Erfolgsgeschichten als Außenseitermethode begonnen haben. Aufgrund der sehr guten Sicherheitsdaten, des objektivierten therapeutischen Nutzens und einer positiven Kosten-Nutzen-Kalkulation stellt CDP-Cholin eine wichtige Ergänzung zu etablierten Therapien beim akuten Schlaganfall dar.

 

 

Literatur

 

  • Hurtado O et al., Neurobiol Dis 2007, 26:105-111
  • Warach S et al., Stroke 2002;33: 354
  • Saver JL et al, Stroke 2002, 33: 353
  • Dávalos A et al., Stroke 2002;33: 2850-2857

 

 


 

Quelle: „Neuroprotektion bei Schlaganfall – Traum oder Trauma“. Satellitensymposium im Rahmen der ANIM 2009 (26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin), 22. Januar 2009, Leipzig. Unterstützt von Trommsdorff GmbH & Co KG Arzneimittel (Signum PR).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson