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Neuroprotektion beim Schlaganfall: Ein optimistischer Blick in die Zukunft

 

Von Prof. Dr. Joachim Röther, Johannes Wesling Klinikum Minden

 

Leipzig (22. Januar 2009) - Beim akuten ischämischen Schlaganfall löst die Ischämie des Hirngewebes eine komplexe Kaskade aus ischämischer Zelldepolarisation, toxischem Calziumeinstrom mit Exzitotoxizität, Apoptose, Entzündungsprozessen als auch endogener Neuroprotektion aus. Im Verlauf von Wochen kommt es partiell auch zu einer gewissen Regeneration des ischämischen Gewebeschadens. Bei der Akutbehandlung des Schlaganfalls liegen neben dem Ziel einer möglichst raschen Reperfusion große Hoffnungen in der Neuroprotektion ischämischen Gewebes.

 

Auf vielen Ebenen der ischämischen Kaskade wurde in Tierexperimenten eine effektive Beeinflussung des Zellunterganges nachgewiesen. Hierzu zählen die Blockade von Natrium- und Kalziumkanälen, die Inhibition entzündlicher Prozesse, die Modulation von Neurotransmitterrezeptoren und das Einfangen freier Radikale. Für keine der positiv getesteten Substanzen konnte jedoch bisher eine klinische Endpunkte beeinflussende Neuroprotektion beim Menschen gezeigt werden. Dies liegt unter anderem daran, daß der Schlaganfall eine heterogene Erkrankung mit pathogenetischen Subtypen ist und nicht zu erwarten ist, daß die Neuroprotektion bei jedem Schlaganfallsubtyp gleich wirksam ist.

 

Trotz der bisher enttäuschenden klinischen Studienergebnisse gibt es Substanzen, die weiterhin zu den Hoffnungsträgern zählen. Hierzu gehört neben Erythropoetin (EPO) und dem Granulozyten-stimulierenden Faktor das Citicoline, ein oral zur Verfügung stehendes Zwischenprodukt des Membranstoffwechsels.

Die Datenlage wird dargestellt und realistische Erwartungen an eine klinisch effektive Neuroprotektion werden diskutiert.

 

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Folien zu Referat Roether.pdf Referat Roether.pdf (229.98 KB)

 


Quelle: „Neuroprotektion bei Schlaganfall – Traum oder Trauma“. Satellitensymposium im Rahmen der ANIM 2009 (26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin), 22. Januar 2009, Leipzig. Unterstützt von Trommsdorff GmbH & Co KG Arzneimittel (Signum PR).