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14 | 12 | 2017
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BioMarin-Symposium DGN-Neurowoche 2010 Mannheim

Lambert-Eaton Myasthenisches Syndrom richtig diagnostizieren und leitliniengerecht therapieren

 

Mannheim (23. September 2010) – Voraussetzung einer optimalen Behandlung der seltenen neuromuskulären Transmissionsstörung Lambert-Eaton myasthenisches Syndrom (LEMS) ist eine rasche und exakte differenzialdiagnostische Beurteilung der Befunde sowie eine leitliniengerechte Therapie, erklärten Experten anlässlich des BioMarin Symposiums während der DGN-Neurowoche am 23. September. Den Patienten steht hierzu seit April 2010 das erste und bislang einzige zugelassene spezifische LEMS-Medikament für die symptomatische Behandlung von Erwachsenen mit LEMS zur Verfügung: Amifam­pridinphosphat (FirdapseTM), ein einheitlich dosierbares 3,4-Diaminopyridin (3,4-DAP)-Fertigpräparat. Die Leitlinien der European Federation of Neurological Societies (EFNS) empfehlen 3,4-DAP als Erstlinientherapeutikum zur Behandlung der Symptome bei LEMS. Bis zur Zulassung von FirdapseTM stand 3,4-DAP nur in Form von Individualrezepturen zur Verfügung. Deren 3,4-DAP-Gehalt unterliegt jedoch zum Teil erheblichen Schwankungen mit den damit für die Patienten verbundenen und gegebenenfalls erheblichen Risiken einer Unter- bzw. Überdosierung (Green 2010).

 

Wie viele Menschen, die von einer seltenen Erkrankung betroffen sind, haben auch LEMS-Patienten oftmals eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bevor eine gesicherte Diagnose gestellt wird. Nicht selten wird die Muskelschwäche bei LEMS-Patienten, von denen ein Teil vom kleinzelligen Bronchialkarzinom betroffen ist, auf diese Krebs­erkankung geschoben. Oder sie werden beispielsweise einer Myasthenia gravis, die weitaus häufiger als LEMS vorkommt, zugeordnet. Dabei ist Myasthenie nicht gleich Myasthenie: Die neuromuskulären Transmissionsstörungen bei Lambert-Eaton (LEMS) äußern sich typischerweise in einer beinbetonten, proximalen Muskelschwäche. Es treten aber auch vegetative Symptome wie zum Beispiel Impotenz und Harnverhalt auf. „Die Symptomatik insgesamt ist allerdings leicht fehlinterpretierbar, gerade wenn die Patienten nicht von erfahrenen Experten untersucht werden“, erläuterte Prof. Dr. med. Jörn Peter Sieb, HANSE-Klinikum Stralsund beim BioMarin-Satelliten-Symposium im Rahmen der Neurowoche 2010 in Mannheim.

 

 

Differenzialdiagnose unumgänglich

 

Differenzialdiagnostisch müsse LEMS daher unbedingt von anderen myasthenen Syndromen unterschieden werden, bevor eine spezifische und zielführende Therapie erfolgen könne, führte Sieb weiter aus. Die diagnostische Bandbreite umfasst dabei Elektromyographie, Labortests und die Auswertung körperlicher Befunde, aus deren Gesamtbild sich erst die gesicherte Diagnose „LEMS“ ableiten lässt. Erste Hinweise liefern zumeist klinische Auffälligkeiten. Iniziales Symptom bei den weitaus meisten LEMS-Patienten ist die Oberschenkelschwäche – diesen Patienten fällt oftmals zuerst das Treppensteigen schwer. „Zu Hirnnervensymptomen, wie einer Ptose und Augenmuskelparesen kommt es beim LEMS erst im Krankheitsverlauf und nicht bei Erkrankungsbeginn - wie bei der Myasthenia gravis - was ein differenzialdiagnostischer Hinweis auf LEMS sein kann“, erklärte Sieb. „Zudem finden sich bei zirka 85 % aller Lambert-Eaton-Patienten Antikörper gegen Calciumkanäle vom P/Q-Typ. Ein positiver Antikörpertest bestätigt somit die klinische Annahme eines LEMS, ein negativer Testausfall schließt jedoch das Vorhandensein eines LEMS keineswegs aus“, unterstrich Sieb.

 

Die Diagnose ergibt sich in der motorischen Neurographie: Typisch sind sehr niedrige Amplituden der Muskelsummenaktionspotenziale, die durch eine kurze Muskelanspannung um mindestens 60 % zunehmen.

 

 

Dosis-Stabilität ist Voraussetzung für eine optimale Therapie

 

Generell wird paraneoplastisches LEMS primär mit einer Anti-Tumor-Therapie behandelt. Hinzu kommen immun­modula­torische bzw. immunsuppressive und symptoma­tische Therapieansätze. Die Leitlinien empfehlen als Erstlinientherapeutikum gegen die LEMS-Symptome 3,4-Diaminopyridin (3,4-DAP)(Skeie 2010).

 

Bislang war dieser Wirkstoff nur in Form von nicht zugelassenen Formulierungen, oftmals als Individualrezeptur, erhältlich. Diese 3,4-DAP-Darreichungsformen unterliegen jedoch zum Teil erheblichen Schwankungen hinsichtlich des Wirkstoffgehalts: Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Dosis-Unterschiede so gravierend ausfallen, dass die bisherigen 3,4-DAP-Formulierungen nicht den gültigen GMP-Standards für Medikamente entsprechen (Green 2010). „Für LEMS-Patienten ist es jedoch äußerst wichtig, dass sie hinsichtlich der Wirksamkeit und Therapiesicherheit optimal versorgt sind. Dosis-Schwankungen, die mö­gliche Unter- oder Überdosierungseffekte nach sich ziehen können, gilt es unbedingt zu vermeiden“, erläuterte Prof. Dr. med. Sebastian Jander, Universitätsklinik Düsseldorf. Ein großer Fortschritt für die Lambert-Eaton-Patienten sei, dass ihnen der Arzt mit FirdapseTM nun eine spezifische medikamentöse Therapie verordnen könne, die eine einheitliche Dosierung und ein geprüftes Sicherheitsprofil vorweise, wie Jander unterstrich.

 

 

Abb: Variabilität des 3,4-DAP-Gehalts in unterschiedlichen, nicht-zugelassenen 3,4-DAP-Formulierungen. % des angegebenen 3,4-DAP-Gehalts (Durchschnitt ± Standardabweichung, SD; n= 10) von 9 Produkten, relative Standardabweichung (% RSD) sowie minimal und maximal gemessene Werte. 

 

Abb: Variabilität des 3,4-DAP-Gehalts in unterschiedlichen, nicht-zugelassenen 3,4-DAP-Formulierungen. % des angegebenen 3,4-DAP-Gehalts (Durchschnitt ± Standardabweichung, SD; n= 10) von 9 Produkten, relative Standardabweichung (% RSD) sowie minimal und maximal gemessene Werte.

 

 

Literaturhinweise

 

  1. Green DM et al. Active content variability of compounded 3,4 diaminopyridine in solid oral dosage forms. Poster presented at XII international Congress on Neuromuscular Diseases in Naples, Italy, 17-22 July 2010.
  2. O’Neill JH et al. Lambert-Eaton myasthenic syndrome. A review of 50 cases. Brain 1988; 111:577-96.
  3. Quartel A, et al. Current therapy for Lambert-Eaton myasthenic syndrome: development of 3,4-diaminopyridine phosphate salt as first-line symptomatic treatment. Curr Med Res Opin 2010, accepted.
  4. Skeie GO et al. Guidelines for the treatment of autoimmune neuromuscular transmission disorders. Eur J Neurol 2010; 17:893-902
  5. Wirtz PW, Sotodeh M, Nijnuis M, et al. Difference in distribution of muscle weakness between myasthenia gravis and the Lambert-Eaton myasthenic syndrome. Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry 2002; 73:766-768.
  6. Wirtz PW et al. HLA and smoking in pre­diction and prognosis of small cell lung cancer in autoimmune Lam­bert-Eaton myasthenic syndrome. Journal of Neuroimmunology 2005; 159: 230-237.

 

 

Hintergrund LEMS

 

LEMS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Erregungsweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln gestört ist, was zu einer ggf. erheblichen Muskelschwäche (Myasthenie) - in seltenen Fällen zu einer lebensbedrohlichen Lähmung der Atemmuskulatur - führt. Charakteristisch ist eine von den Oberschenkeln ausgehende, sich nach cranial ausbreitende Skelettmuskelschwäche. Diese wird oftmals von autonomen Dysfunktionen begleitet. LEMS gehört zu den sogenannten orphan diseases; die Inzidenz beträgt etwa 1:100.000 bis 1:400.000. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen tritt LEMS als Paraneoplasie, zumeist in Verbindung mit dem kleinzelligen Bronchialkarzinom (SCLC) auf. In der Regel betrifft die Erkrankung Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr.

 

 

Weitere Informationen

 

 

 

Über BioMarin

 

BioMarin entwickelt und vermarket innovative Biopharmazeutika für schwer­wiegende Erkrankungen. Das Produktportfolio von BioMarin umfasst vier zugelassene Produkte und eine Vielzahl an klinischen und vorklinischen Produktkandidaten. Zugelassene Produkte sind: Naglazyme® (Galsulfase) bei Mukopolysaccha­ridose VI (MPS VI). Entwicklung und Vermarktung dieses Produktes liegen komplett bei BioMarin; Aldurazyme® (Iaronidase) bei Mukopolysaccharidose I (MPS I). Dieses Produkt wurde von BioMarin in einem 50/50 Joint Venture zusammen mit Genzyme entwickelt; Kuvan® (Sapropte­rin­dihy­drochlorid) - Tabletten bei Phe­nyl­ketonurie (PKU). Dieses Produkt wurde in Partnerschaft mit Merck Serono, einer Sparte der Merck-KGaA in Darmstadt (Deutschland) ent­wickelt; FirdapseTM (Amifam­pridin­phosphat), das von der Europäischen Kommission zur Behandlung des Lambert-Eaton Myasthenischen Syndroms (LEMS) zugelassen wurde. Weitere Produktkandidaten sind: GALNS (N-Acetylgalacto­samin-6-Sulfatase), das sich zurzeit in der klinischen Entwicklung zur Behandlung von MPS IVA befindet; PEG-PAL (PEGylierte rekombinante Phenylalanin-Ammonium- Lyase), derzeit in Phase II der klinischen Entwicklung zur Therapie von PKU.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Webseite www.bmrn.com. (Die Informationen auf der BioMarin-Webseite sind aufgrund dieses Verweises nicht Bestandteil dieser Pressemitteilung).

 

  • BioMarin®, Naglazyme® und Kuvan®  sind registrierte Marken der Firma BioMarin Pharmaceutical Inc.
  • FirdapseTM ist eine Marke von BioMarin Huxley Ltd.
  • Aldurazyme®  ist eine registrierte Marke von BioMarin/Genzyme LLC.

 


Quelle: Symposium der Firma BioMarin zum Thema "Lambert-Eaton Myasthenisches Syndrom richtig diagnostizieren und leitliniengerecht therapieren" am 23.09.2010 in Mannheim (Cramer-Gesundheits-Consulting) (tB).

 
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